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THW Kiel THW Kiel überrollt Vardar Skopje 31:20
Sport THW Kiel THW Kiel überrollt Vardar Skopje 31:20
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21:54 12.10.2019
Von Merle Schaack
Der THW Kiel hat bei Titelverteidiger Vardar Skopje deutlich gewonnen. Quelle: Vardar Skopje
Skopje

Das Sportcenter Jane Sandanski ist so einiges. Tennisplatz, Fitness-Center, Autowasch-Anlage, Vardar-Skopje-Fanshop. Am Samstagnachmittag war es vor allem ein Hexenkessel. Schon eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff, als die Kieler das Feld zum Aufwärmen betraten, wurden sie mit einem Pfeifkonzert begrüßt.

Doch nur 45 Stunden nach ihrem Bundesliga-Heimsieg über die HSG Nordhorn-Lingen bewiesen die Zebras Nerven aus Stahl. Zwei schnelle Tore von Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler brachten die 2:0-Führung. Für die Abwehr hatte THW-Trainer Filip Jicha sich eine Überraschung für die Nordmazedonier einfallen lassen: Magnus Landin, gegen Nordhorn eigens für diese Aufgabe geschont, störte weit auf der linken Halbposition vorgezogen die Kreise von Vardar-Spielmacher Stas Skube und Rückraum-Riese Dainis Kristopans und stellte viele Passwege zu. 

Bärenstarke Abwehr

Die Folge: Ein zahnloser Vardar-Angriff, der überhaupt nicht in den Tritt kam. Der sonst so treffsichere Linksaußen Timur Dibirov mutierte zum Chancentod, warf zunächst einen Siebenmeter und später noch viele weitere Bälle am Tor von Niklas Landin vorbei. Auch die Kieler ließen einige Chancen liegen, hätten in der 10. Minute durchaus höher als 4:0 führen können. 

Doch die bärenstarke Abwehr um das Defensivspezialisten-Dreisgestirn aus Wiencek, Pekeler und Pavel Horak mit dem ebenso starken Niklas Landin (16 Paraden) dahinter ließ bis dahin keinen Gegentreffer zu. Erst Ivan Cupic brach nach 11 Minuten den Bann per Strafwurf zum 1:4. Kurz loderte der Hexenkessel wieder auf, aber die Kieler legten nach. Harald Reinkind, Ole Rahmel per Gegenstoß, ein blitzartiger Schlagwurf von Miha Zarabec - 7:1 für den THW Kiel (14.). Erstmals deutete sich an, dass diese Partie ein Debakel für den bisherigen Tabellenführer der Vorrundengruppe B werden könnte.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder vom Sieg des THW Kiel bei Titelverteidiger Vardar Skopje in der Champions League zu sehen.

Skopjes erstes Tor aus dem Spiel nach 20 Minuten

Erst nach 20 Minuten warf Kristopans für Vardar das erste Tor aus dem Spiel - zum 2:11. Die Kieler indes hielten an ihrem Motto fest: voller Fokus. Patrick Wiencek bot dem quirligen Miha Zarabec gegen die inzwischen vorgezogene Doppelspitze in der Vardar-Abwehr Geleitschutz, indem er Dibirov wie eine menschliche Mauer abschirmte. Niklas Landin hielt im ersten Durchgang acht Bälle, darunter viele freie Würfe von Ex-Zebra Christian Dissinger und Co. Und ab dem Stand von 14:4 (26.), probierte Jicha weitere Variationen wie das Spiel mit zwei Kreisläufern aus. 

Nach dem Seitenwechsel mit einem Vorsprung von 12 Toren stellte Vardar auf eine offensive Abwehr, fast in 3:3-Manier um. Die Kieler reagierten, indem sie mit sieben Feldspielern versuchten, den Gegner in die 6:0-Formation zurück zu zwingen. Ein Schachzug mit viel Risiko, der dafür sorgte, dass die Vardar-Tore nun in kürzerer Folge fielen. Einmal traf Christian Dissinger nach einem Ballgewinn ins leere Kieler Tor, einmal Vardar-Keeper Khalifa Ghedbane nach einem Wurf von Reinkind übers Tor zum 10:20 (37.).

Kurze Aufholjagd reicht nicht

Während die Kieler sich im Angriff zusehends schwertaten, tankte Vardar Selbstbewusstsein. Spätestens als Dibirov einen Bilyk-Pass abfing und ins noch immer leere THW-Tor zum 15:22 (46.) traf, war der Hexenkessel wieder voll entfacht. Doch der THW-Vorsprung reichte, Domagoj Duvnjak übernahm im Angriff die Verantwortung und sorgte mit sechs Toren für den letztlich ungefährdeten Elf-Tore-Sieg. 

Und die Vardar-Fans? Drei Minuten vor Schluss verließen einige vorzeitig die Halle. Die übrigen feierten ihre Mannschaft trotz der krachenden Niederlage noch eine halbe Stunde nach dem Spiel mit Gesängen und Feuerwerkskörpern, während die Kieler sich auf den Weg in Richtung Heimat machten. 

Jicha "unglaublich stolz"

„Das Spiel heute werde ich nie vergessen. Es war unglaublich in dieser Atmosphäre. Wir haben es von Anfang an richtig stark gemacht. Einfach weiter so.“, sagte ein überglücklicher Miha Zarabec an seinem 28. Geburtstag. Und auch Filip Jicha war „unglaublich stolz“ auf seine Mannschaft. „Keiner hat erwartet, dass wir in Skopje mit so vielen Toren gewinnen. Der Grund dafür waren unsere 5:1-Abwehr und Niklas Landin im Tor. Die erste war eine der schönsten Halbzeiten, die ich mit den Jungs bisher erlebt habe.“

Die Statistik

HC Vardar: Ghedbane (1.-18., 35.-, 7 Paraden, 2 Tore), Kugis (18.-35., 3 Paraden); Stoilov (n.e.), Dimitrioski, Kristopans (4), Sikosek, Dissinger (2), Atman, Skube, Kalarash (2), Cupic (2/1), Dibirov (5/2), Gorbok, Shishkarev (3), Gorpishin; Trainer: Pisonero Nieto

THW KielN. Landin (1.-60., 16 Paraden), Quenstedt (n.e.); Duvnjak (6), Reinkind (2), M. Landin (2), Kristjánsson, Wiencek (5), Ekberg (3), Rahmel (1), Dahmke (n.e.), Zarabec (4), Horak, Bilyk, Pekeler (6), Nilsson (2); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Arthur Brunner / Morad Salah

Zeitstrafen: Vardar: 1 (Shishkarev (30.)) / THW: 3 (2x Ekberg (11., 40.), Horak (59.))

Siebenmeter: Vardar: 4/2 (Dibirov (8.) und Cupic (15.) vorbei) / THW

Spielfilm: 0:4 (6.), 1:4 (11.), 1:11 (20.), 2:13 (22.), 4:13 (26.), 4:16;
4:17 (31.), 7:17 (33.), 9:19, 11:21 (40.), 11:22, 15:22 (46.), 15:23, 18:23 (49.), 18:25(50.), 19:25, 19:27 (53.), 20:27, 20:30 (58.), 20:31.

Zuschauer: 6500 (ausverkauft) (Sport Center Jane Sandanski, Skopje (MKD))

Von RND/dpa

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