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THW Kiel Viel Verantwortung für Kieler Trio
Sport THW Kiel Viel Verantwortung für Kieler Trio
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21:17 11.01.2016
Von Tamo Schwarz
Teamspirit in Zeiten von anhaltenden Personalsorgen: Auf den Kielern Christian Dissinger (3. v. re.) und Rune Dahmke (4. v. re.) wird in Polen bei der EM viel Verantwortung lasten. Steffen Fäth (5. v. re.) gab für seinen Einsatz am Montag trotz einer Hüftprellung Entwarnung. Quelle: Sascha Klahn
Hannover/Berlin

Mit Punchingball und Sandsack wurde so etwas wie der Geist von Berlin beschworen. Teamspirit, der über anhaltende Personalsorgen hinwegpushen soll. Zwei Siege gegen Tunesien (37:30) und Island (26:25), eine Niederlage gegen die Nordmänner (24:27) – vor den europäischen Titelkämpfen in Polen (15.-31. Januar) ist das Ensemble des isländischen Chefcoaches – wieder einmal – ein Überraschungspaket.

Gelassen waren die Nationalmannschaft und ihr Umfeld in das abschließende Testspiel-Wochenende gegangen. Kiels Linksaußen Rune Dahmke machte im „Aktuellen Sportstudio“ im ZDF eine gute Figur, versenkte – im Gegensatz zu seinem Teammanager Oliver Roggisch – einen Ball in der Torwand (unten) und scherzte hinterher: „Das hat mich richtig geärgert, ich wollte mehr treffen.“ Und sogar der ansonsten humorvolle, aber distanzierte Dagur Sigurdsson schien förmlich aufzutauen. Die Hallen-Leinwände zeigten den 42-Jährigen beim Schachspielen in einer heißen Quelle und Neil Youngs „Heart of Gold“ singend am Lagerfeuer. Angesprochen auf Bruder Bjarki, der 2014 mit der isländischen Band Mono Town die Charts stürmte und mit den Pixies auf Tour ging, fingen Sigurdssons Augen regelrecht an zu funkeln: „Die sind richtig gut. Ich habe schon mit ihnen gespielt – nicht auf einer öffentlichen Bühne natürlich.“

Gelassenheit, die am Montag nach einem durchwachsenen Spiel gegen Island gewichen war. Die Spieler um Kapitän Steffen Weinhold nutzten ihren freien Tag für Familienbesuche, Wäsche waschen und Wunden lecken, während Sigurdsson vor den letzten vier Trainingseinheiten vor der EM in Berlin seine Baustellen in den Fokus nahm. „Wir wollen die zwei, drei Tage bis zum Turnier optimal nutzen“, sagte Sigurdsson mit Blick auf das EM-Auftaktspiel gegen das Starensemble Spaniens am Sonnabend (18.30 Uhr/ZDF). Verbandsvize Bob Hanning warnte nach dem Island-Dämpfer: „Keine Mannschaft bei der Europameisterschaft wird schlechter sein als Island, von daher gilt es, eine maximale Fokussierung zu haben.“

Fest steht: Viel Verantwortung wird in Polen auf einem Kieler Trio liegen. Steffen Weinhold muss als Neu-Kapitän in entscheidenden Phasen mit seinem aggressiven Spiel immer wieder vorangehen. Dass das Team (noch) nicht auf die Tore von Christian Dissinger verzichten kann, hat die Niederlage am Sonntag gezeigt. Und Rune Dahmke steht als letzter verbliebener etatmäßiger Linksaußen im Kader. Über die Ausfälle von Kapitän Uwe Gensheimer, der Rechtsaußen Patrick Groetzki und Michael Allendorf sowie von Kreisläufer Patrick Wiencek und Rückraumspieler Paul Drux will der Bundestrainer nicht lamentieren, ist allerdings gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen. Über weite Strecken klappte das bislang auch ganz gut. In der Abwehr zeigte der „Baby-Block“ mit 2,10-Meter-Mann Finn Lemke und 2,04-Meter-Riese Erik Schmidt (beide Jahrgang 1992) beim Supercup starke Ansätze. Auch die 5:1-Deckung mit einem gut die Räume eng machenden Hendrik Pekeler an der Spitze funktionierte im ersten Spiel gegen Island hervorragend. Zwischen Pekeler und Lemke harmonierte es im Mittelblock indes noch nicht.

Aus der Sicht von Torwart Carsten Lichtlein liegen die Ursachen auf der Hand: „Mir ist egal, welches System wir spielen. Aber es muss genügend Bewegung da sein. Unser Block ist sehr groß, viele Bälle gehen an der Hüfte vorbei. Wir dürfen jetzt nicht die Köpfe in den Sand stecken und müssen unsere Fehler analysieren. Dann kriegen wir das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhütern auch hin.“

Lichtlein ist die klare Nummer eins zwischen den Pfosten, doch weit entfernt ist Andreas Wolff nicht, bestätigte seine Nominierung. Dass im Rückraum viel von Dissinger und Steffen Fäth abhängen wird, weiß auch Wolff: „Das deutsche System krankte in der Vergangenheit daran, dass die einfachen Tore fehlten. Mit Dissinger und Fäth haben wir jetzt zwei echte Kanoniere.“ Als beide am Sonntag nicht auf dem Feld standen, fehlten am Ende die Tore. „Zwei von drei Rückraumspielern kann man nicht einfach ersetzen“, sagte Sigurdsson. Ein Indiz dafür, dass er mit Fäth in der Mitte und Dissinger und Weinhold auf den Halbpositionen plant.

Am Dienstagabend treffen sich Trainer und Mannschaft in Berlin. Von dort aus bricht das deutsche Team am Donnerstag mit dem Bus nach Breslau auf, wo es am Nachmittag erwartet wird. Für die rund 350 Kilometer lange Fahrt sind ungefähr vier Stunden veranschlagt.

Nach Informationen unserer Zeitung hat der THW Kiel die in den letzten Wochen kolportierten Neuverpflichtungen unter Dach und Fach gebracht: Aus Hamburg kommt bereits im Februar Kreisläufer Ilija Brozovic, spätestens 2017 soll auch das schwedische Rückraum-Talent Lukas Nilsson das Zebratrikot tragen.

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Die Anzeichen verdichten sich: Das schwedische Handball-Talent Lukas Nilsson steht offenbar vor einem Wechsel nach Kiel. „Lukas Nilsson ist ein sehr interessanter junger Spieler, den viele Vereine verpflichten wollen“, sagte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm.

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Steffen Weinhold vom THW Kiel führt als neuer Kapitän die Handball-Nationalmannschaft bei der EM in Polen an. Der Rückraumspieler des deutschen Rekordmeisters übernimmt die Aufgabe des verletzten Rhein-Neckar-Löwen-Linksaußen Uwe Gensheimer.

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