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THW Kiel Diese Gründe sprechen für den THW Kiel
Sport THW Kiel Diese Gründe sprechen für den THW Kiel
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20:13 13.05.2019
Von Merle Schaack
Niklas Landin ist einer der besten Torhüter der Welt, wurde in sechs Jahren in der Bundesliga aber noch nie deutscher Meister. Gegen Flensburg ließ der Däne den THW Kiel mit seinen 16 Paraden weiter träumen. Quelle: Frank Molter/dpa
Kiel

In der Ruhe liegt die Kraft. Nach dem 20:18-Derbysieg des THW Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt bewiesen beide Seiten eine große Gelassenheit. Dabei ist das Feuer im Titelrennen der Handball-Bundesliga neu entfacht. Zwei Punkte trennen SG (56:4 Punkte) und THW Kiel (56:6), wobei die Zebras momentan zusätzlich auf eine um 17 Treffer bessere Tordifferenz blicken. Alles bleibt, wie es ist, sagen die Flensburger, deren Restprogramm noch vier Spiele vorsieht – eines mehr als das des THW Kiel. Wir haben den Druck auf die SG weiter erhöht, heißt es in Kiel. Wer jubelt am 9. Juni? Ein Blick auf mögliche Faktoren auf der Zielgeraden.

Die Serien

16 Siege (darunter zehn in der Bundesliga) in Serie feierten die Kieler zuletzt – darunter auch die in den Alles-oder-nichts-Spielen im Final Four um den DHB-Pokal gegen Berlin und Magdeburg. Der Triumph über Flensburg gibt neuen Rückenwind. „Der Sieg ist gut für unser Selbstvertrauen und für die weitere Saison. Der Druck auf die SG ist jetzt maximal“, sagt THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler. Die SG blieb saisonübergreifend zunächst sogar beeindruckende 32 Liga-Spiele in Folge ohne Punktverlust – bis der SC Magdeburg Ende März das Stop-Schild auspackte. In entscheidenden Momenten dieser Spielzeit jedoch patzten die Flensburger: Schon im Achtelfinale des DHB-Pokals warf Magdeburg sie in eigener Halle aus dem Wettbewerb. In der Champions League war im Viertelfinale gegen Telekom Veszprém Schluss. Wettbewerbsübergreifend hat Flensburg vier der vergangenen neun Spiele verloren – und in dieser Zeit nicht mehr als drei Siege in Folge geschafft. Rückraum-Shooter Holger Glandorf stört das nicht. „Wenn wir die nächsten vier Spiele gewinnen, sind wir deutscher Meister. So einfach ist das.“

Die Siegertypen

Zählt man die Meisterfeier-Erfahrungen zusammen, liegt der THW Kiel vorn. Auf 17 Meistertitel kommen alle Zebras im aktuellen Kader – die SG-Spieler liegen gemeinsam bei 15. Niclas Ekberg, Marko Vujin und Patrick Wiencek holten die Schale mit dem THW je dreimal. Genauso oft standen Flensburgs Marius Steinhauser und Rasmus Lauge am Saisonende schon ganz oben. Steinhauser davon allerdings zweimal mit den Rhein-Neckar Löwen, Lauge zweimal mit dem THW Kiel. Die Vizemeister-Statistik hingegen gewinnt die SG: Während die Kieler Spieler zusammengerechnet nur sieben Vizemeisterschaften verbuchen mussten, kommen die Flensburger gemeinsam auf 23 zweite Plätze – ein Zeichen?

Same procedure as last year?

Die Flensburger konnten in der Vorsaison beobachten, wie es ist, auf der Zielgeraden noch abgefangen zu werden. Souverän führten die Rhein-Neckar Löwen die Bundesliga als Spitzenreiter an. Am 30. Spieltag unterlagen die Mannheimer der MT Melsungen zu Hause mit 23:24. Vor dem 32. Spieltag waren Löwen und SG punktgleich (50:12), doch die Löwen hielten sich noch aufgrund einer um 60 Tore besseren Tordifferenz auf Platz eins. Dann kehrte der Titelverteidiger mit einem 25:25 aus Erlangen zurück, die SG gab sich bis zum letzten Spieltag keine Blöße mehr und war mit einem Punkt Vorsprung deutscher Meister. Ex-Löwe und THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler erinnert sich: „Ich habe selbst erlebt mit den Löwen, wie es ist, am Ende noch abgefangen zu werden. Wir haben auch gegen Melsungen verloren. Darum denke ich, dass die SG unbedingt gerne ein Remis mitgenommen hätte aus Kiel.“ An diesem Donnerstag tritt die SG Flensburg-Handewitt zu Hause gegen die MT Melsungen an. Ein gutes Omen für die Zebras? Darüber hinaus müssen sich die Nordrivalen auch noch mit den Füchsen Berlin und dem Bergischen HC messen, die ebenfalls noch um die Teilnahme am internationalen Geschäft in der kommenden Saison kämpfen.

Niklas Landin

Der THW-Torwart war beim Derby-Sieg über Flensburg einmal mehr der Fels in der Brandung. Überragende 16 Bälle wehrte er ab, darunter viele freie Würfe. SG-Spielmacher Rasmus Lauge zollte ihm nach dem Spiel großen Respekt, bezeichnete ihn als „unglaublichen Torwart“. Auch THW-Trainer Gislason adelte seinen Keeper. „Niklas ist der beste Torwart der Welt“, sagte er über den Dänen, der sich schon monatelang in Topform befindet, aber noch nie einen deutschen Meistertitel feiern durfte. Sein Titelhunger dürfte umso größer sein...

Vizemeister-Rekord

Noch nie sei eine Mannschaft mit sechs Minuspunkten nur Vizemeister geworden, sagt THW-Trainer Alfred Gislason und ergänzt mit einem breiten Grinsen: „Und wenn doch, dann wäre das nur noch ein weiterer Rekord.“ In der Tat hält den Vizemeister-Rekord bis dato der HSV Handball, der die Spielzeit 2009/2010 mit 61:7 Punkten hinter dem THW Kiel (62:6) abschloss. Am Ende der Saison 2004/2005 wurde die SG Flensburg-Handewitt einmal Bundesliga-Zweiter mit 60:8 Zählern. Auch in dieser Saison sicherten sich die Zebras die Meisterschale mit 62:6 Punkten. Es gab auch schon mal einen Vizemeister mit 41:27 Punkten (TV Niederwürzbach in der Saison 1992/93). Meister damals: die SG Wallau/Massenheim (48:20 Punkte).

Kieler Understatement

Das Derby sei „allen Superlativen gerecht geworden, und wir haben beide Ziele erreicht“. THW-Sportchef und Geschäftsführer in spe Viktor Szilagyi zog eine rundum positive Bilanz. Derby gewonnen, in der Meisterschaft angegriffen – „Wir sind sehr, sehr stolz.“ Und wenn man, so Szilagyi weiter, mit sechs Minuspunkten doch nicht Meister werde, dann müsse man das auch neidlos anerkennen. Findet auch Alfred Gislason, dessen von innerer Ruhe und viel Humor geprägter Bundesliga-Abschiedsmodus derzeit ohnehin einnehmend ist. „Seit Februar haben wir nicht mehr verloren, und wenn wir das bis zum Ende beibehalten, wäre das schon perfekt.“

Von Merle Schaack und Tamo Schwarz

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