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THW Kiel THW-Gegner Skopje steht unter Druck
Sport THW Kiel THW-Gegner Skopje steht unter Druck
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11:54 04.02.2020
Von Merle Schaack
Dainis Kristopans ist die personifizierte Rückraum-Gefahr bei THW-Gegner Vardar Skopje. Quelle: Denis Dukovski/Vardar Skopje
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Skopje/Kiel

Es gab Zeiten, in denen verbreitete der Vereinsname Vardar Skopje in der Handball-Szene Angst und Schrecken. Ein hochkarätig besetzter Kader, eine Heimstätte wie eine Festung und zwei Champions-League-Siege in den vergangenen drei Jahren. Seit Saisonbeginn hat der nächste Gegner des THW Kiel etwas von diesem Nimbus eingebüßt.

Die Zebras tragen daran eine gewisse Mitschuld. Waren sie es doch, die den durch immer wieder aufkommende Geldsorgen angeschlagenen, aber stets gefährlichen nordmazedonischen Boxer im Hinspiel der Gruppe B mit 31:20 (16:4) auf die Bretter schickten. Ob Vardar sich von dieser Niederlage und ihren Folgen erholt hat, soll das Rückspiel in Kiel am Mittwoch (19 Uhr) zeigen.

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An den 12. Oktober erinnert man sich in Skopje nicht gerne. Aber gut. „Das war ein schlimmer Tag“, sagt Vardar-Rückraumspieler Christian Dissinger über die Niederlage gegen den THW Kiel, der den amtierenden Champions-League-Sieger mit einer nahezu perfekten ersten Halbzeit zerlegte. „Danach ging es bei uns bergab.“

Stevce Alusevski neuer Trainer

Trainer David Pisonero wurde gefeuert, Sportdirektor Eduard Koksharov übernahm als Interims-Coach. Doch auch unter dem Russen rutschte Vardar in der Tabelle weiter ab. Nur einen Punkt zu Hause gegen Kielce holte die Mannschaft um Shooter Dainis Kristopans seit dem Schock gegen den THW. Ende des Jahres präsentierte der Klub mit Stevce Alusevski einen neuen Trainer. Der 47-jährige ehemalige Linksaußen war einst selbst Vardar-Kapitän und kehrte nun nach Trainer-Stationen bei Pelister Bitola und Eurofarm Rabotnik zurück.

Seine Arbeitsbedingungen könnten rosiger sein. Aus nordmazedonischen Quellen ist zu hören, dass der Geldfluss von Mäzen Sergej Samsonenko immer wieder unterbrochen ist. Erst kürzlich kündigte Rechtsaußen Daniel Shishkarev an, den Klub aufgrund der „großen Ungewissheit“ im Sommer Richtung Veszprém zu verlassen.

Finanzielle Situation wirkt sich auf Leistung aus

Auch Christian Dissinger, der im Oktober 2018 aus Kiel nach Skopje wechselte und mit seinem Klub den Champions-League-Titel holte, sagt: „Die Euphorie nach dem Champions-League-Sieg ist leider verpufft. Die finanzielle Situation ist nicht zufriedenstellend. Das wirkt sich natürlich auch auf die Leistung aus.“

Dissinger selbst kann daran derzeit nichts ändern. Ende des Jahres ließ er sich am Knie operieren. Der Meniskus, ein geplanter Routineeingriff. Das Spiel seiner Mannschaft in Kiel wird er in Skopje vor dem Fernseher verfolgen. Den neuen Trainer hat er bisher nur kurz kennengelernt, arbeitet in der Reha vor allem alleine. „Geplant ist, dass ich im März zu den K.o.-Spielen wieder fit bin“, sagt der 28-Jährige. Viel weiter in die Zukunft lässt sich in Skopje derzeit noch nicht blicken. „Vielleicht gehen wir im Sommer alle, vielleicht auch schon vorher“, sagt Dissinger. „Ich lasse alles auf mich zukommen.“

Dissinger: "Nicht so schlecht wie wir dastehen"

Zumindest eines ist für den 19-fachen deutschen Nationalspieler klar: „Wir sind eigentlich nicht so schlecht, wie wir in der Gruppe dastehen. Wenn es darauf ankommt, können wir gegen alle bestehen.“

Vor allem der lettische 2,14-Meter-Riese Dainis Kristopans (36 Champions-League-Tore) im rechten Rückraum und die Flügelzange aus Ivan Cupic (38) und Timur Dibirov (53) gehören zu den Trumpfkarten der Titelverteidiger. Derzeit in der Gruppe B auf Rang sechs, will Vardar möglichst noch einen Platz gutmachen, um im Achtelfinale einer Begegnung mit Szeged, Paris oder Barcelona zu entgehen. Denn in der K.o.-Phase wollen die Nordmazedonier mit ihrer berühmt-berüchtigten Heim-Kulisse (Dissinger: „Kein Gegner will in Skopje spielen“) wieder neu angreifen.

Titelverteidigung nicht vom Tisch

Der erste Schritt in diese Richtung soll schon in Kiel gelingen. „So eine Klatsche wie im Hinspiel sollte es für uns nicht noch einmal geben“, prognostiziert Dissinger. „Als wir das Spiel auf Video angeschaut haben, haben wir gesehen, dass wir eigentlich gar nicht so schlecht waren, sondern es vor allem an der Chancenverwertung lag. Hätten wir die erste Halbzeit etwas offener gestaltet, wäre das nicht so dramatisch geworden.“

Nach drei Wochen mit seiner neuen Mannschaft ist auch Trainer Alusevski guter Dinge. „Ich habe außergewöhnliche Spieler. Ich genieße jedes Training mit ihnen“, sagt er. „Mit Vardar darf man sich keinen Fehler erlauben. Hier zählt nur ein Sieg. Es wird schwer, die Titel der vergangenen Saison zu verteidigen. Aber ich hoffe, dass wir mindestens einen holen.“ Wegen einer Ohrenentzündung blieb neben Dissinger auch Rechtsaußen Shishkarev in Skopje. Auch Torwart Arturs Kugis muss mit einer Knöchelverletzung passen. „Ansonsten sind alle fit und haben in den letzten beiden Wochen wie verrückt trainiert“, sagt Dissinger.

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