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THW Kiel Macht THW sein Meisterstück?
Sport THW Kiel Macht THW sein Meisterstück?
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00:17 17.05.2013
Von Wolf Paarmann
Die Meisterschale soll auch dieses Jahr wieder in Kiel überreicht werden. Quelle: Archiv
Kiel

Alfred Gislason reagiert überrascht, als ihm diese Frage gestellt wird. Die Mallorca-Reise ist als Klassenfahrt für Handball-Profis spätestens seit ihrer Entfremdung ein heikles Thema. Vor zwei Jahren geschah dies, als der HSV als Meister in den Süden flog, um sich auf der Finka seines Gönners Andreas Rudolph vier sehr launige Tage zu gönnen. Gezeichnet von Alkohol, Sonne und kurzen Nächten waren die Hamburger im Champions-League-Halbfinale gegen Ciudad Real chancenlos.

 Den direkten Bezug will Gislason bei der Mallorca-Frage vermeiden, schließlich hat er großen Respekt vor dem HSV. Er sagt stattdessen: „Auf diese Idee ist bei uns keiner gekommen.“ Sollten seine Spieler heute die Löwen, den Zweiten, besiegen und damit die 18. Meisterschaft perfekt machen, erlässt er ihnen morgen das Vormittagstraining. „Aber am Nachmittag würde sich schon wieder alles um Köln drehen.“

Bis zum „Final4“ in der Champions League, in dessen Halbfinale der THW am 1. Juni in Köln auf den HSV Hamburg treffen wird, hätten sie dann noch knapp drei Wochen Zeit. Zeit genug also, um einige Tage auf Mallorca zu verbringen, um dort mit dem einen oder anderen Gläschen Bier das Double zu begießen?

Auch bei einer Niederlage gegen die Badener, die fünf Punkte Rückstand und das deutlich schlechtere Torverhältnis (+207/+97) haben, wäre den Kielern die Schale nur noch sehr theoretisch zu nehmen. In den ausstehenden Spielen gegen Melsungen (26. Mai/Auswärts), Wetzlar (5. Juni/Heim) und Großwallstadt (8. Juni/A) könnten sie ganz gelassen noch drei weitere Punkte verspielen.

 „Kiel ist gefühlt schon längst Meister“, sagt auch Thorsten Storm. „In einem Spiel ist der THW zu schlagen, aber über eine ganze Saison ist das nicht möglich.“ Der Manager der Rhein-Neckar Löwen ist stolz darauf, im Jahr eins nach dem unrühmlichen Abgang ihres eigenwilligen Mäzens Jesper Nielsen eine Mannschaft geformt zu haben, die diesen Sammelbegriff auch verdient.

„Das ist ein klasse Haufen“, sagt Storm, der aber fürchten muss, auf der Zielgeraden noch um die Ernte gebracht zu werden. In der Liga droht ein Abrutschen auf Platz vier, womit die direkte Qualifikation für die Champions League verpasst wäre. Am Sonnabend wird sich beim „Final4“ im EHF-Cup in Nantes zudem entscheiden, ob die Löwen endlich ihren ersten Titel gewinnen. Im Halbfinale treffen sie auf den Liga-Konkurrenten FA Göppingen.

Eine Ansetzung, die Storm „verschnupft“, haben die Schwaben doch drei Tage mehr Zeit, um sich vorzubereiten. Und keine Kiel-Reise als weiteres Hindernis. „Zwei Spitzenspiele in einer Woche - lustig ist das nicht.“

 Der Fokus der Mannheimer, die heute Vormittag noch einmal in ihrem Trainingszentrum in Kronau üben und erst danach anreisen, liegt bereits jetzt auf Nantes. Leichtere Beute sind sie für die „Zebras“ deshalb aber nicht. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall. „Sie haben keinen Druck“, sagt Gislason, der vor dem Gegner den Hut zieht. „Sie haben sich Platz zwei verdient.“ Besonderen Respekt hat er vor Mittelmann Andy Schmid („Er spielt eine überragende Saison“), der mit Kreisläufer Bjarte Myrhol eine kongeniale Achse bildet. „Dieses Duo lässt sich nur sehr schwer ausschalten.“ Zudem meldete sich der starke Torhüter Goran Stojanovic zurück, der zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses pausierte.

 Gislason bangt derweil um Daniel Narcisse (Knieprobleme). Nicht ausgeschlossen, dass Christian Zeitz, der sich vor vier Wochen die rechte Mittelhand brach, sein Comeback gibt. „Eher nicht“, sagt Gislason, der hofft, ihn am 26. Mai aufstellen zu können. In Melsungen, so der Wunsch des Trainers, soll der THW die Generalprobe vor dem „Final4“ geben. „Wenn wir Meister sind, könnten wir dort ein wenig experimentieren.“ Sollte gegen die Löwen kein Sieg gelingen, hätte das Melsungen-Spiel, so Gislason, eine ganz andere Priorität.

Eine Aussicht, die den Hessen kaum gefallen dürfte. Zwar beendeten sie am 9. Dezember (29:25) die Rekordserie des THW, doch im Pokal-Halbfinale (23:35) bekamen sie zu spüren, welche Folgen es haben kann, die Kieler derartig zu verärgern. An einer weiteren Lektion dürften sie nicht interessiert sein. „Vielleicht drücken sie uns deshalb auch die Daumen“, sagt Gislason und lacht.