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THW Kiel Interview mit Zebra-Boss Marc Weinstock
Sport THW Kiel Interview mit Zebra-Boss Marc Weinstock
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20:04 19.04.2019
Von Tamo Schwarz
Marc Weinstock stand KN-Redakteur Tamo Schwarz Rede und Antwort.  Quelle: Uwe Paesler

Frage: Herr Weinstock, Sie wurden vor zwei Monaten in den THW-Aufsichtsrat gewählt. Warum haben Sie sich in Zeiten unruhigen Fahrwassers für diese Aufgabe entschieden?

Marc Weinstock: Ich komme aus Malente und bin THW-Fan, seitdem Horst Wiemann aus unserem Dorfverein zum THW wechselte (1978, d. Red.). Als ich die Big Bau übernahm, wurde ich Gesellschafter und Sponsor. Das haben wir in den vergangenen Jahren noch deutlich ausgebaut und gehören jetzt zu den wirklich großen Gesellschaftern. Wir begleiten den THW schon ziemlich eng, seit drei Jahren bin ich auch Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Als klar war, dass Reinhard Ziegenbein sich nicht zur Wiederwahl stellen würde, wurde ich angesprochen und habe schließlich gesagt: Wenn es nötig ist, muss man auch mal Verantwortung übernehmen.

Mit Ihnen wurde Sven Fricke in den Aufsichtsrat gewählt, dem Olaf Berner als Vorsitzender des Stammvereins satzungsgemäß ebenfalls angehört. Zwei weitere Posten in dem Gremium sind nun noch zu besetzen. Können Sie schon Namen nennen, wen Sie hinzuholen wollen?

Die Suche ist schon konkreter geworden, aber wir sind noch nicht so weit.

Zurück zum unruhigen Fahrwasser: Nach Informationen unserer Zeitung beläuft sich das prognostizierte Minus, mit dem der THW Kiel die Saison beenden wird, auf 1,5 bis 1,8 Millionen Euro. Haben Sie schon einen Plan, wie dieses riesige Loch gestopft werden soll?

Es war absehbar, dass es auf einen Verlust hinausläuft, wenn man mit einem für die Champions League zusammengestellten Kader nicht in der Champions League spielt. Anfang des Jahres lag die Prognose bei einem Fehlbetrag von rund 1,7 Millionen Euro – oder sogar ein bisschen mehr. Heute haben wir diesen Fehlbetrag auf ungefähr 500.000 Euro reduziert, und wir glauben, dass wir das bis zum Saisonende noch einen Tick weiter verbessern können.

Wie konnten Sie das Defizit in diesem Ausmaß reduzieren?

Im Wesentlichen gibt es drei Aspekte. Zum einen haben wir besser als geplant Sponsoren akquiriert. Vor allem Thorsten Storm hat da einen guten Job gemacht. Der zweite Effekt: Im EHF-Cup war das Kombi-Ticket mit dem Vorkaufsrecht für das Final Four kluges Marketing. Wir hatten in der Gruppenphase bis zu 9000 Zuschauer, das geht in diesem Wettbewerb wohl nur in Kiel. Mit der Bewerbung für die Endrunde sind wir zwar das Risiko eingegangen, auf die Einnahmen aus dem Viertelfinale zu verzichten, aber schon vor dem Final Four können wir sagen, dass der EHF-Cup besser als erwartet gelaufen ist – ein Erfolg. Wir gehen davon aus, dass das Final Four ausverkauft sein wird. Das Wochenende wird das Sahnehäubchen für uns.

Und der dritte Aspekt?

Der dritte Aspekt, warum wir unser Ergebnis signifikant verbessern konnten, ist das vorzeitige Ende des Ausrüstervertrages mit Adidas. Im März 2018 hat Adidas klar signalisiert, aufgrund einer neuen Strategie den Ausrüstervertrag mit dem THW vorzeitig beenden zu wollen. Dieser wäre planmäßig erst 2022 ausgelaufen. Adidas war bereit, für einen früheren Ausstieg eine Ablöse zu bezahlen. Der THW hat seit 1963 in Adidas gespielt, das Ende dieser Partnerschaft tut vielen im Verein weh, war aber leider nicht mehr zu diskutieren. Der Ausstieg sorgt allerdings für einen Einmaleffekt, der wesentlich zur Verringerung des Defizits beiträgt. Somit kommen wir hoffentlich auf unter 500.000 Euro Verlust und können das und den Verlust der Vorsaison (150 000 Euro, d. Red.) durch die vorgenommene Kapitalerhöhung und einzelne Sponsoren-Effekte kompensieren und sind wirtschaftlich wieder stabil. Darauf sind wir stolz.

Bereits in der Vergangenheit wurden Fehler gemacht: So offenbart sich in den Bilanzen zwischen dem Abschluss der Saison 2015/2016 (plus 407.000 Euro) und der Saison 2016/207 (minus 278.000 Euro) eine große Delle, obwohl die Zebras damals in der Champions League dabei waren und am Ende des Jahres sogar Pokalsieger wurden. Haben Sie sich bereits ein Bild von den Versäumnissen machen können?

In den zurückliegenden zehn Jahren gab es immer mal Jahre mit Gewinnen und andere mit Verlusten. Gewinn gab es immer bei Sondereffekten – zum Beispiel beim Verkauf von Filip Jicha oder Kim Andersson. In normalen Jahren ohne solche Effekte kratzen wir immer an der Null-Linie. Bei unvorhergesehenen Dingen wie verletzten Spielern rutscht man dann schnell mal ins Minus. Das zeigt uns aber, dass wir für meinen Geschmack immer einen Tick unterfinanziert sind. Auf der Ausgabenseite sind wir schon ziemlich schlank. Unser Ziel ist, in der Champions League oben mitzuspielen. Darum können wir einen bestimmten Aufwand nicht unterschreiten. Es würde uns helfen, wenn wir mehr Sponsoreneinnahmen generieren und die Einnahmen-Basis vergrößern könnten.

Wie kann das gelingen?

Wir haben in Kiel keinen wirklichen Großsponsor wie im Fußball oder Paris im Handball. Das müssen wir uns über viele mittlere und kleinere Sponsoren erarbeiten und diese gut betreuen. Da haben wir nicht immer einen optimalen Job gemacht und müssen wieder stärker an den lokalen und regionalen Mittelstand heran.

Der alte Aufsichtsrat mit Reinhard Ziegenbein an der Spitze hatte den Plan, die Stelle des Geschäftsführers Sport mit dem jetzigen Sportlichen Leiter Viktor Szilagyi neu zu besetzen und zudem einen Geschäftsführer für alle übrigen Bereiche zu installieren. Wie weit sind Sie hier bei den Planungen?

Viktor soll – da sind wir uns im neuen Aufsichtsrat sowie im Wirtschaftsausschuss einig – zum Geschäftsführer Sport ernannt werden und wird ab 1. Juli in die Geschäftsführung aufrücken. Was die zweite Stelle angeht, haben wir uns gegen den Favoriten des alten Aufsichtsrates entschieden. Stattdessen wird Sabine Holdorf-Schust für ein Jahr die zweite Position ausfüllen. Wir haben einen neuen Trainer, eine neue Geschäftsführung, einen neuen Aufsichtsrat – darum brauchen wir Stabilität und Kontinuität. Sabine kennt den Verein, kennt die regionalen und lokalen Sponsoren, ist ein wichtiger Faktor in der Geschäftsstelle. Wir halten die Kombination aus Sabine und Viktor zum jetzigen Zeitpunkt für die optimale Besetzung und glauben, dass diese sehr gut funktionieren wird.

Sabine Holdorf-Schust Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Wie wichtig ist das Erreichen der Champions League für den THW Kiel?

Unser Anspruch ist, in der europäischen Spitze mitzuspielen. Darum beurteile ich diese Frage nicht nur wirtschaftlich. So schön es ist, das Final Four im EHF-Cup in Kiel zu haben – es ist aber das falsche Final Four. Wir wollen nächstes Jahr wieder das in Köln erreichen.

Wie kann der Klub in diesen Zeiten einen Weltklasse-Star wie Sander Sagosen finanzieren, der für ein kolportiertes Gehalt von monatlich 35.000 bis 40.000 Euro netto morgens seine Schuhe schnürt?

Sagosen ist aus meiner Sicht neben Mikkel Hansen und Nikola Karabatic einer von drei Weltstars im Handball. Die Verpflichtung passt zu unserem sportlichen Anspruch und zeigt, dass wir etwas zu bieten haben. Da geht es tatsächlich nicht nur ums Geld. Sie passt auch zu unseren Weichenstellungen und ist ein Vertrauensbeweis für den neuen Trainer Filip Jicha. Und ganz klar: Wir haben das in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat seriös durchgerechnet.

In den vergangenen Jahren wurde dem THW Kiel ein Saisonetat in Höhe von 9,5 Millionen Euro zugesprochen, der bei einem Blick in die Bilanzen immer etwas untertrieben schien. Muss man größere Brötchen backen, um in Europa oben mitzuspielen?

Wir sind gerade dabei, das Budget für die kommende Saison und die nächsten Jahre zusammenzustellen. Wir werden da mit Paris nicht mithalten können, aber das müssen wir auch gar nicht, denn es gibt andere Qualitäten, die Spieler wie Sagosen nach Kiel locken. Trotzdem: Wir müssen unsere Einnahmensituation steigern.

Sie sind seit dem vergangenen Jahr auch Mitglied des Beirates beim Zweitligisten VfL Lübeck-Schwartau. Werden Sie die Position dort aufgeben?

Das ist glaube ich kein Problem. Ich habe in Lübeck angeboten, den Sitz niederzulegen, und das wurde abgelehnt. Solange der VfL noch in der Zweiten Liga spielt, sehe ich keinen Interessenskonflikt.

Wie nehmen Sie den Klub wahr? Und mit welcher Philosophie wollen Sie die Aufgabe als Chef des Aufsichtsrates ausfüllen?

Wir verlieren Alfred Gislason als Trainer und Thorsten Storm als Geschäftsführer – zwei auf europäischem Niveau agierende Top-Leute. Sowohl Viktor Szilagyi als auch Filip Jicha müssen und werden ihren Weg finden. Wir trauen es ihnen zu, aber es wird eine Neuzeit. Als neuer Aufsichtsrat wollen wir die Geschäftsführung beraten und kontrollieren, uns eng abstimmen. Wir wollen aber auch wieder mehr Geschäftsführung an die Geschäftsführung zurückgeben, uns aus dem operativen Geschäft stärker zurücknehmen, der Geschäftsführung, den Mitarbeitern, dem Trainer mehr Handlungsspielraum geben. Das ist unsere Philosophie. Das soll dazu führen, dass wir am Ende schneller agieren können. Das hat bei der Verpflichtung von Sander Sagosen schon sehr gut funktioniert.

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