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THW Kiel Hetzjagd auf den Titel geht weiter
Sport THW Kiel Hetzjagd auf den Titel geht weiter
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00:29 21.05.2014
Von Ralf Abratis
Der THW Kiel gewann am Sonntag beim TuS N-Lübbecke mit 35:21 (15:11) - hier Marco Vujin. Quelle: Oliver Krato
Lübbecke

Im Fernduell am letzten Spieltag haben die Kieler nun weiterhin die theoretische Chance auf den 19. Titel, wenn die Löwen beim VfL Gummersbach antreten müssen und die Kieler die Füchse Berlin empfangen.

Der THW spielte am Sonntag zwar gegen den TuS N-Lübbecke, doch trotz allen Respekts vor dem Gastgeber war der Gegner ein anderer. Der stand in der Tabelle, hatte den Wert 21, bezifferte den Torerückstand der Kieler auf den Spitzenreiter vor diesem Spiel und wurde in dieser Partie mächtig zurecht gestutzt. Doch die Kieler brauchten lange Anlauf, um diesen Kantersieg zu landen, profitierten schließlich von ihrer besseren Physis. Lange hatte sich der THW am starken TuS-Torhüter Nikola Blazicko abgearbeitet. Im Spielverlauf scheiterte fast jeder THW-Spieler mindestens einmal freistehend an dem Kroaten. In der Schlussphase wurde der TuS-Rückhalt aber von seinen Vorderleuten allein gelassen und konnte den weiß-schwarzen Ansturm nicht mehr aufhalten.

THW-Trainer Alfred Gislason ließ mit dem Anpfiff keinen Zweifel aufkommen, dass er in dieser Partie voll auf Angriff setzte. Die Kieler Abwehr agierte in offensiver Variante mit Filip Jicha und Aron Palmarsson im Wechsel als offensive Spitze. Auch im Angriff variierten die beiden angeschlagenen Führungsspieler auf der Mittel- und Halblinksposition. Doch gegen die engagierten Lübbecker, die mit Macht verhindern wollten, ins Titelrennen einzugreifen, und die Kieler Kreisläufer intensiv bearbeiteten, taten sich die Zebras schwer. „Wenn ich so bearbeitet werden würde wie Rene Toft Hansen, dann würde ich wohl gleich mehrere Rote Karten wegen Ravanche-Fouls bekommen“, gestand Jicha.

Einen kurzen Sprint zur 5:2-Führung des THW (7. Minute), konterten die Hausherren innerhalb weniger Minuten zum 4:5 (10.). Nur mühsam konnten die Kieler Vorteile für sich verbuchen. Der Vier-Tore-Vorsprung zur Pause war zu wenig nach ihrem Geschmack. „In der Pause waren wir etwas enttäuscht. Wir hätten mehr Tore machen müssen“, gestand Rechtsaußen Niclas Ekberg. Doch die Vokabel „aufgeben“ findet im Wortschatz des deutschen Rekordmeisters nicht statt.

Nach schwieriger Startphase in die zweite Halbzeit, in der die Gastgeber wenig Interesse zeigten, den Tempo-Handball des THW mitzugehen und den Ball quälend lange von links nach rechts und wieder zurück laufen ließen – selten unterbunden vom Schiedsrichter-Gespann, kam der THW-Express ins Rollen. Ausgerechnet das 15:19 von TuS-Rechtsaußen Ramon Tauabo, das die Meisterschaft für den THW in scheinbar unerreichbare Ferne rücken ließ, war das Startsignal. Innerhalb von vier Minuten rauschte Kiel auf 24:15 davon, Gudjon Valur Sigurdsson nutzte in dieser Phase gleich dreimal technische Fehler der Gastgeber zum schnellen Sturmlauf. In der 48. Minute machte Christian Sprenger mit dem Treffer zum 26:16 den Vorsprung erstmals zweistellig. Das nährte die Hoffnung, die Zebras ließen nun nicht mehr locker. Die Kräfte der Gastgeber schwanden zusehends und mit dem Schlusspfiff setzte Sigurdsson den Schlusspunkt zum 35:21. Ein Sieg, der das Meisterrennen wohl bis zur letzten Minute am kommenden Sonnabend offen halten wird.

TuS N-LübbeckeTHW Kiel 21:35 (11:15)

TuS: Blazicko (1.-60. Min., 18 Paraden), Semisch (n.e.) – Gustafsson 1, Löke 2, Vukovic 2, Langhans 2, Tauabo 7/1, Pajovic 1, Niewrzawa (n.e.), Dissinger 1, Schubert 2/2, Niemeyer (n.e.), Schöngarth, Remer 3.

THW: Sjöstrand (1.-28. und ab 43., 12), Palicka (28.-43., 4) – Toft Hansen 4, Sigurdsson 9, Sprenger 1, Wiencek 2, Ekberg 4/1, Zeitz 5, Jallouz, Palmarsson 5, Klein (n.e.), Jicha 2, Vujin 3/2.

Schiedsrichter: Fleisch/Rieber – Siebenmeter: TuS 5/3 (Schubert scheitert an Palicka und Sjöstrand), THW 4/3 (Vujin scheitert an Blazicko) – Strafminuten: TuS: 12 (Vukovic, Schöngarth, Niemeyer, Löke, Gustafsson und gegen die Bank), THW 8 (Toft Hansen zweimal, Wiencek, Jicha) – Spielfilm: 0:1, 1:2, 2:5, 4:5, 6:7, 6:9 (15.), 6:10, 8:10, 8:12, 9:14, 11:15 (Hz.), 11:16, 12:17, 15:19, 15:22, 15:24, 16:28, 19:31, 21:33, 21:25  – Zuschauer: 2608 in der Merkur-Arena in Lübbecke.

Stimmen zum Spiel

Alfred Gislason, THW-Trainer: Das war ein extrem schwieriges Spiel, Lübbecke hat stark gekämpft. Ich bin stolz auf meine Jungs, sie haben Charakter gezeigt und wollten alles geben. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass wir hier mit 14 Toren Vorsprung gewinnen. Unsere Abwehr hat in der zweiten Halbzeit sehr gut funktioniert. Der Vorteil im Titelrennen liegt aber immer noch bei den Löwen.

 Dirk Beuchler, TuS-Trainer: Das war ein verdienter Sieg des THW, der aber zu hoch ausgefallen ist. Mein Team hat sich gut präsentiert, aber nach dem 15:19 zu viele technische Fehler gemacht. Ein Rückstand mit sieben oder acht Toren hätte auch gereicht.

 Klaus Elwardt, THW-Geschäftsführer: Erst einmal war es wichtig, überhaupt hier zu gewinnen. Dass es dann 14 Tore geworden sind, ist stark. Aber es hätten auch noch mehr sein können. Lübbecke hatte aber einen starken Torwart. Es ist im Titelrennen noch alles offen. Sowohl die Löwen als auch wir müssen im letzten Spiel erst einmal gewinnen.

 Johan Söstrand, THW: Das war kein einfaches Spiel, aber in der zweiten Halbzeit sind wir sehr gut reingekommen und haben über die Gegenstöße noch viele Tore gemacht.

 Patrick Wiencek, THW: Lübbecke hat Vollgas gegeben und das Spiel lange spannend gemacht. Aber jetzt ist noch einiges möglich. Der Druck liegt bei den Löwen, sieben Treffer aufzuholen, ist im Handball möglich. Und Gummersbach ist uns aus dem letzten Jahr noch einen Gefallen schuldig.

 Filip Jicha, THW: Man kann lange darüber streiten, ob wir noch weitere drei Tore hätten aufholen müssen im Titelrennen. Aber sieben Tore Rückstand sind im machbaren Bereich. Das war eine starke Leistung von der Mannschaft, denn viele sind angeschlagen.

 Nikola Blazicko, TuS-Torwart: Wir haben uns schwer im Angriff getan, und Kiel hat 60 Minuten volles Tempo gespielt. Am Ende hat man gesehen, dass sie uns physisch überlegen waren. Aber wir haben alles gegeben.

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