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THW Kiel Ein Rucksack voller Zweifel
Sport THW Kiel Ein Rucksack voller Zweifel
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18:00 14.09.2018
Von Tamo Schwarz
Foto: „Ich war mit vielen Sachen nicht zufrieden.“ THW-Trainer Alfred Gislason zeigte sich am Donnerstag in Magdeburg zerknirscht.
„Ich war mit vielen Sachen nicht zufrieden.“ THW-Trainer Alfred Gislason zeigte sich am Donnerstag in Magdeburg zerknirscht. Quelle: dpa/Ronny Hartmann
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Magdeburg

Statisch, zuweilen ideenlos, die Außen weitestgehend außer Acht lassend war das Auftreten des THW Kiel auch schon in der ersten, über weite Strecken ausgeglichenen Halbzeit. Jedenfalls nach einer euphorischen Anfangsphase. Geschwindigkeit nahm mit zunehmender Spieldauer der Gastgeber auf, während die Palette der Lösungsmöglichkeiten beim Rekordmeister an allen Seiten bröckelte. Einem blutleeren Titelaspiranten fehlte während der zweiten 30 Minuten nichts so sehr wie ein echter Anführer auf dem Feld.

Der Enthusiasmus des Sommers? Verflogen im Magdeburger Sturmlauf

Wolff, Domagoj Duvnjak, Lukas Nilsson – die Körpersprache der schwarz-weiß gewandeten Protagonisten ließ eher den Schluss zu, die Meisterschaft sei nach vier Spielen und nun 4:4 Punkten bereits wieder abgehakt. Der Enthusiasmus des Sommers, die seit 2015 währende Meisterschafts-Durststrecke könnte nun endlich ein Ende finden – verflogen im Magdeburger Sturmlauf. Zwei, die sich stemmten gegen den Untergang, der nur aufgrund Magdeburger Nachlässigkeiten nicht im Desaster endete, waren die Rückraumspieler Nikola Bilyk und Miha Zarabec. Beide stellten sich nach dem Abpfiff den Fragen, fanden deutliche, selbstkritische Worte nach dem blutleeren Fiasko der zweiten Hälfte. „Wir haben schlicht nicht gut genug gespielt, um zu gewinnen. Wir sind schon falsch, ohne richtiges Feuer reingegangen. Ob die Zweifel jetzt wieder da sind? Wahrscheinlich ja. Aber die müssen wir so schnell wie möglich abschütteln“, sagte Bilyk. "Wir müssen wissen, wie gut wir sind. Und wir sind sehr gut, das weiß ich. Aber von uns muss einfach mehr kommen.“

Gislason zweifelt nicht

Der Slowene Zarabec wurde erst in der 38. Minute eingewechselt, als der SCM kurze Zeit später beim 26:18 (42.) erstmals mit acht Toren in Führung lag. Enttäuscht und ein bisschen ratlos analysierte der 26-jährige Spielmacher: „Wir wussten doch genau, dass der SCM viele Gegenstöße läuft, und trotzdem sind wir sehr schlecht zurückgelaufen. Zweifel? Eine gute Frage! Ich stelle fest: Wenn wir mit zwei Toren hinten liegen, geht die Stimmung noch nach unten. Warum das so ist, weiß ich aber nicht.“ Auch Trainer Alfred Gislason redete nichts schön: „Ich war schon mit vielen Sachen nicht zufrieden. Die Abwehr hatte nicht die richtige Schnelligkeit, ist im Positionsspiel öfter überrannt worden.“ Zweifel am eigenen Tun ließ der Isländer, der seine letzte Saison mit dem THW bestreitet, allerdings keine aufkommen: „Wir hätten in Flensburg gewinnen können, in Magdeburg nicht. Aber eine besonders große Verunsicherung bei meiner Mannschaft sehe ich nicht." Vor genau einem Jahr startete der THW Kiel mit 4:4 Punkten in die Saison 2017/2018. Nach den Niederlagen gegen Hannover und Melsungen nahm die größte Krise der jüngeren Kieler Vereinsgeschichte ihren Lauf.

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