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THW Kiel Vom WM-Thron zurück in die Realität
Sport THW Kiel Vom WM-Thron zurück in die Realität
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14:52 01.02.2019
Von Merle Schaack
Die ersten Weltmeister im THW-Kader seit 2011: Die Dänen Niklas (links vom Pokal) und Magnus Landin (rechts daneben). Quelle: imago/Claus Bonnerup
Glückstadt

Niklas Landin musste sich vorkommen, als hätte ihn eine Zeitmaschine verschluckt. Am vergangenen Sonntag kurz nach der Siegerehrung der frisch gebackenen Handball-Weltmeister. Wieder ausgespuckt hatte sie ihn in Glückstadt.

Dort stand er kurz nach dem gewonnenen Testspiel gegen den MTV Herzhorn in der Sporthalle Nord zwischen selbstgebackenem Kuchen, Thermoskannen mit Kaffee und provisorisch befestigten Werbebannern. Das Weltmeister-Bankett, die Medaille, übergeben vom dänischen Kronprinzen, und die rauschende Party in einem exklusiven Kopenhagener Klub schienen plötzlich ganz weit weg. „Alles ging so schnell“, sagte der Däne und schüttelte ungläubig den Kopf. Angesichts seiner zehn glücklosen Minuten im THW-Tor gegen den Oberligisten musste er lachen. „Das war... back to reality.“

Noch nicht verstanden

Präsent sind noch die Bilder vom Jubelrausch nach dem ersten WM-Titel der dänischen Handballgeschichte. „In Kopenhagen auf dem Rathausbalkon – das war schon ein einmaliges Erlebnis“, sagt der 30-Jährige. Auch sein Bruder Magnus, in Glückstadt wegen einer schmerzenden Wade nur auf der Bank, schüttelt den Kopf, wenn er an die vergangenen Tage denkt. „Ich habe das noch gar nicht richtig verstanden. Das kommt wohl erst in der nächsten Woche“, sagt der 23-Jährige.

Die Party in Rot-Weiß machten die Dänen zu einer Familienfeier. Kinder und Partnerinnen der Spieler waren die ganze Zeit dabei. Nur fand der kleine Pelle Landin (4) nicht ganz so viel Gefallen am Blick auf die rund 10000 Fans auf dem Rathausplatz. „Ihm war das zu laut. Er sagte: ,Papa, hier will ich nicht bleiben' und hat sich die Ohren zugehalten“, erzählt Landin.

Medaillen mit Sollbruchstellen

Auch nach den offiziellen Empfängen war noch lange nicht Schluss mit Feierei. Während Mannschaftskollege Nikolaj Øris mehrfach seine Medaille verlegte und am Ende seinen Flieger nach Silkeborg verpasste, lief bei den Landins alles nach Plan. „Die Medaille habe ich gar nicht zum Feiern mitgenommen – viel zu gefährlich“, sagt Niklas. „Von denen sind einige schon nach wenigen Sekunden kaputt gegangen.“ Zu schwer war der Anhänger in Form des WM-Logos, zu fragil der Ring, der sie am Band halten sollte.

Alltag vermisst

Nach der Party bis in die frühen Morgenstunden am Dienstag besuchte er noch seine Eltern in Kopenhagen, bevor es mit der Familie wieder nach Kiel ging, zurück in den Handball-Alltag. „Irgendwie habe ich das auch vermisst“, sagt Landin. „Die Jungs hier, den festen Rhythmus, Zeit für die Familie...“

An den nächsten THW-Gegner in der Bundesliga, am Donnerstag geht es nach Göppingen, hat er noch keinen Gedanken verschwendet. „Erst einmal freue ich mich auf ein freies Wochenende mit der Familie.“

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