Reaktionen auf den Meistertitel des THW: Verdient, aber komisch
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THW Kiel Meister THW: Verdient, aber komisch
Sport THW Kiel Meister THW: Verdient, aber komisch
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21:04 22.04.2020
Von Niklas Schomburg
Der THW Kiel ist zum 21. Mal deutscher Handballmeister - viele halten die Entscheidung der HBL für gerecht.
Der THW Kiel ist zum 21. Mal deutscher Handballmeister - viele halten die Entscheidung der HBL für gerecht. Quelle: Uwe Paesler
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„Wir haben jetzt ein paar Jahre auf die Meisterschaft warten müssen. Deshalb ist es für uns Fans und die Spieler sehr schade, dass wir nach dieser Durststrecke den Titel nur auf dem Sofa feiern konnten“, sagte Sönke Wieck, Vorsitzender des THW-Fanklubs Schwarz-Weiß. Auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer freute sich sehr, „dass Kiel nach fünf langen Jahren wieder die Nummer eins in Handball-Deutschland ist“. Der Verwaltungschef dürfte die Zebras nun eigentlich auf dem Rathausbalkon begrüßen – wären da eben nicht die Corona-Umstände. „Filip Jicha und seine Jungs haben starke und mitreißende Leistungen gezeigt. Umso bitterer ist es, dass wir diesen verdienten Erfolg nicht gemeinsam auf dem Rathausplatz feiern können“, so Kämpfer.

"Berechnung fair und nachvollziehbar"

Der Landessportverband begrüßte die Entscheidung, die Saison abzubrechen. „Die Gesundheit der Sportler muss über allem stehen“, sagte der für Leistungssport zuständige LSV-Vizepräsident Bernd Küpperbusch und zeigte sich erfreut, dass mit dem THW und der SG Flensburg-Handewitt zwei schleswig-holsteinische Teams ganz oben stehen. Auch wenn man in Flensburg etwas hadert – zumeist empfinden die Menschen den Titel für den THW als verdient. „Ja, ich finde es gerecht, weil sich der THW doch als das stärkste Team in der Saison präsentiert hat“, sagte Wolfgang Schwenke, kaufmännischer Geschäftsführer von Fußball-Zweitligist KSV Holstein und selbst fünfmaliger Meister mit den Zebras. „Die Berechnung für den Meistertitel ist fair und nachvollziehbar“, ergänzte Schwenke.

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Das sehen nicht alle so: „Wer sich über solch einen Meistertitel freut, hat den sportlichen Gedanken nicht verstanden“, schrieb Manfred Mallon auf der Facebookseite von KN-online. Andere User sprachen sich für eine Annullierung ohne Titelvergabe aus. THW-Fan Stephanie Wigger ist so oder so überzeugt, „dass wir den Titel auch über die gesamte Saison geholt hätten“. Freude und Jubel aber hielten sich bei ihr in Grenzen: „Die Euphorie und das Mitfiebern bis zum Schluss fehlten einfach.“ Das bestätigte auch Beate Lemke, Vorsitzende des THW-Fanklubs Zebrasprotten: „Es ist gerechtfertigt, aber dennoch ein komisches Gefühl“, so die 59-Jährige, die seit 2008 Spiele des Rekordmeisters besucht. Gefeiert wurde die Titelentscheidung im Fanklub daher auch nicht.

Diskriminierung der BVB-Frauen?

Harsche Kritik kommt aus Dortmund – allerdings an der Ungleichbehandlung von Männer- und Frauen-Bundesliga (HBF). In der HBF war Borussia Dortmund nach 17 Siegen in 18 Spielen auf bestem Wege zum Titel. „Bei den Männern wird der Spitzenreiter zum Meister aufgerufen, bei den Frauen aber nicht. Das hat Anzeichen einer Diskriminierung, denn es gibt keine sportlichen Argumente für diese Entscheidung“, sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball.

Argumente für eine Meistersause in Kiel gibt es indes genug. Auch für eine spätere: „Ich verspreche: Mein Balkon steht im nächsten Jahr für die nächste Party bereit“, erklärte Ulf Kämpfer mit augenzwinkerndem Blick und ergänzte, er sei selbstverständlich dabei, sollte der THW Kiel noch eine Feier für den jetzigen Titel planen. Viele Fans wünschen sich eine nachgeholte Party, andere sind skeptisch. Die Zebrasprotten könnten gut darauf verzichten. „Ich glaube, dass der zeitliche Abstand bei einer nachträglichen Feier zu groß wäre“, sagte Stephanie Wigger. „Ich würde natürlich hingehen – aber ich glaube, man bekommt da die Emotion nicht richtig transportiert.“ Der Kieler freut sich – aktuell eher im Stillen.

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