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THW Kiel Löwen sind deutscher Handball-Meister
Sport THW Kiel Löwen sind deutscher Handball-Meister
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07:25 01.06.2017
Von Tamo Schwarz
Hendrik Pekeler (r) von den Rhein-Neckar Löwen und Kiels Nikola Bilyk kämpfen um den Ball. Quelle: Uwe Anspach
Mannheim

Es waren so gute Erinnerungen, die die Zebras am Mittwoch in die Mannheimer SAP Arena begleiteten. Erinnerungen an den 30. März, an das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League, an das letzte Aufbäumen lädierter Zebras um den am meisten lädierten Kapitän Domagoj Duvnjak, an den Jubel aus tiefstem Herzen über 26:24-Sieg und Weiterkommen.

Doch an diesem 31. Mai wurde schnell klar, dass die Kieler nur Nebendarsteller sein würden. Ohrenbetäubender Jubel brandete zum ersten Mal auf, als kurz vor Beginn der Partie auf dem Videowürfel die letzten 120 Sekunden der Partie Göppingen gegen Flensburg gezeigt wurden. Jetzt war allen klar: In dieser Nacht könnten die Löwen den deutschen Meistertitel perfekt machen. Und so beflügelt legten die Mannheimer auch los – Ballgewinn, Gegenstoß und Tor von Alexander Petersson.

Der THW begann mit Blazenko Lackovic in der Mitte, der Kroate hatte nach acht Minuten bereits drei Fehlwürfe auf seinem Konto. In den ersten Minuten entwickelte sich eine Abwehrschlacht mit nur wenigen Toren, beide Teams packten aggressiv zu. Die Löwen agierten mit ihrer gewohnt weit verschachtelten Deckung, auf der Gegenseite verdichteten vor allem Patrick Wiencek und Ilija Brozovic im Mittelblock und lieferten sich harte Gefechte mit Löwen-Kreisläufer Hendrik Pekeler.

Die Löwen setzten sich angeführt vom torgefährlichen Weltklasse-Regisseur Andy Schmid mit drei Treffern ab. Alfred Gislason reagierte, brachte Lukas Nilsson für Lackovic, Nikola Bilyk rückte in die Mitte. Nach 21 Minuten versuchte es der isländische Coach mit Steffen Weinhold auf der Mitte, neben ihm agierten Christian Dissinger und Marko Vujin auf den Halbpositionen. Mit dem am Sonntag noch fehlenden Linkshänder kam etwas mehr Struktur ins Spiel. Kurz vor der Pause waren es Bilyk und Weinhold, die auf 10:11 verkürzten. Und Niklas Landin parierte kurz vor dem Halbzeitpfiff einen Siebenmeter von Ex-Zebra Gudjon Valur Sigurdsson, so dass es zunächst spannend blieb.

Nach der Pause erreichte die Schmid-Show ein neues Level: Der Schweizer erzielte in beeindruckender Manier vier Tore nacheinander, brachte die in wahnsinnigem Tempo wirbelnden Löwen mit 16:12 in Front. Der THW lief nur noch hinterher, kam nach eigenen Angriffen gar nicht mehr in die Abwehrposition, da schlug es schon im Zebra-Gehäuse ein. Weil auch Löwen-Keeper Mikael Appelgren das Torhüterduell gegen Landin klar gewann, konnte einem Angst und Bange werden um die Kieler.

Denn der THW zerfiel in seine Einzelteile, leistete sich Ballverluste am laufenden Band. In der 49. Minute kannte der Feierwille des Mannheimer Publikums keine Grenzen mehr, als Kim Ekdahl du Rietz zum 23:14 traf. Die Zebras hingegen vereinten wieder all die Defizite der vergangenen Wochen, besonders im Offensivspiel haperte es. Gislason brachte Andreas Wolff für Landin (44.), dem Europameister gelang zwar nach wenigen Sekunden bereits die erste Parade gegen einen Tempogegenstoß von Sigurdsson – doch ansonsten lief alles für die Löwen.

Der alte und neue deutsche Meister spielte das Spiel souverän zu Ende, nach 60 Minuten stand ein 28:19. Die ganze Arena stand Kopf, Champagner floss in Strömen, „es ist unfassbar“, sagte ein von Bierduschen durchnässter Löwen-Trainer Nicolaj Jacobsen. Die Kieler schlichen mit leeren Blicken in die Katakomben. „Ich muss das im Kopf erstmal ordnen“, sagte ein konsternierter Rechtsaußen Niclas Ekberg.

Rhein-Neckar LöwenTHW Kiel 28:19 (11:10)

Löwen: Appelgren (1.-56. Minute/19 Paraden), Palicka (Bei drei 7m und 56.-60./3) – Schmid 6, Sigurdsson 5, Baena 1, Steinhauser, Mensah Larsen, Pekeler 4, Groetzki 3, Reinkind 1, Guardiola, Petersson 3, Ekdahl du Rietz 5.

THW Kiel: Landin (1.-44. Minute/7 Paraden), Wolff (ab 44./3) – Lackovic, Sprenger, Weinhold 1, Dissinger 1, Wiencek 3, Ekberg 1, Zeitz 4, Dahmke, Brozovic 1, Vujin 3, Bilyk 4/1, Nilsson 1.

Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Stendal) – Strafminuten: Löwen 2 (Pekeler), THW 8 (Wiencek, Zeitz, Brozovic) – Siebenmeter: Löwen 1/0 (Landin pariert Sigurdsson), THW 4/1 (Palicka pariert zwei Mal Bilyk und Ekberg) – Spielfilm: 1:0 (1.), 2:2, 4:2 (12.), 5:3, 5:5 (15.), 8:5, 10:6 (23.), 10:8, 11:9 (28.), 11:10 – 13:11, 17:12 (39.), 21:13 (46.), 24:14 (50.), 24:16, 27:16 (57.), 28:17, 28:19 – Zuschauer: 13200 in der ausverkauften Mannheimer SAP Arena.

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