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THW Kiel Ungefährdetes Kuddel-Muddel
Sport THW Kiel Ungefährdetes Kuddel-Muddel
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16:22 30.03.2018
Von Niklas Schomburg
Steffen Weinhold steigt hoch und erzielt das 26:21 für den THW Kiel. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Der THW begann mit Nikola Bilyk, Lukas Nilsson und Steffen Weinhold im Rückraum, stellte in der Defensive mit Patrick Wiencek und Sebastian Firnhaber im Mittelblock erneut von Beginn an eine solide Deckung. Und die 10285 Zuschauer in der ausverkauften Sparkassen-Arena sahen einen flotten Auftakt beider Teams, bei dem sich die Gäste aus Gummersbach keineswegs versteckten und die ersten Führungen für sich verbuchten. Doch die Kieler Abwehr stellte den Tabellen-15. zunehmend vor Probleme, zwang den VfL immer öfter ins Zeitspiel und zu Fehlern. Einen nutze THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg per Tempogegenstoß zur ersten Kieler Führung (3:2/4.).

Zebras ließen Chancen aus

In der Folge ließen die Zebras einige Chancen aus, zudem stellte Gummersbachs Stanislav Zhukov – schon im Hinspiel Teil Kieler Deckungs-Albträume – die schwarz-weiße Defensive immer wieder vor Probleme, traf drei Mal bis zum 6:7 (14.). THW-Trainer Alfred Gislason reagierte und stellte die Abwehr um, brachte Kapitän Domagoj Duvnjak auf der Spitze einer 3:2:1-Deckung. Und die schmeckte dem VfL gar nicht: Die Kieler feierten nun Ballgewinne und konnten ihre Führung ausbauen. Duvnjak traf im Gegenstoß zum 9:6 (17.), als das Kieler 10:6 gefallen war, zog Gummersbachs Trainer Denis Bahtijarevic die Reißleine und nahm seine erste Auszeit.

 Fehler machten VfL stark

Anschließend fanden die Gäste wieder besseren Zugriff, waren nach dem 8:12 wieder voll da – auch weil der THW nicht konsequent genug war, sich insgesamt sechs Fehlwürfe und obendrein einige technische Fehler leistete, den VfL stark machte. Beim 12:10 waren die Oberbergischen wieder dran. Dann begannen die Zeitstrafen zu fallen wie reife Früchte: Erst musste VfL-Linksaußen Marvin Sommer für zwei Minuten von der Platte, eine Minute später erwischte es Teamkollegen Erwin Feuchtmann Perez. Nur zwei Minuten später schickten die Schiedsrichter Thöne/Zupanovic Tobias Schröter auf die Bank, beinahe direkt gefolgt von THW-Linkshänder Steffen Weinhold. In dieser hektischen Phase spielten beide Teams auf einem sehr überschaubaren Niveau, vergaben je einen Siebenmeter. Die Kieler setzten sich zunächst auf 14:10 ab, am Ende eines Fehler-Hin-und-Hers in der letzten Minute gelang VfL-Kreisläufer Moritz Preuß mit Halbzeitpfiff mit einem mäßig schnellen Wurf glücklich das 12:14-Pausenresultat aus Sicht der Gäste.

Gislason wechselte kräftig durch

Zur zweiten Halbzeit wechselte Gislason sein Personal kräftig durch, brachte mit Ole Rahmel und Raul Santos zwei neue Außen, dazu Christian Dissinger in die Abwehr sowie Miha Zarabec und Domagoj Duvnjak im offensiven Rückraum. Die neu zusammengewürfelte Zebraherde begann aber gar nicht gut – nach 33 Minuten hatte Gummersbach zum 14:14 ausgeglichen. Das erste THW-Tor nach der Pause war Zarabec vorbehalten, der per Gewaltwurf aus dem linken Rückraum zum 15:14 traf. Es wirkte wie ein kleiner Weckruf: Als Raul Santos in Überzahl ein Anspiel von VfL-Spielmacher Feuchtmann Perez auf Tobias Schröter ahnte, den Ball stahl und auf das leere Gummersbacher Tor vollendete, war der alte Vier-Tore-Abstand wieder hergestellt (19:15/38.).

Doch es passte zu dieser in Teilen merkwürdigen und skurrilen Partie, dass sich auf Kieler Seite die endgültige Sicherheit nicht einstellen wollte. Gummersbach blieb dran, verkürzte sogar wieder, blieb bei seinem Matchplan aus ruhig vorgetragenen Angriffen mit einem Mix aus Rückraumabschlüssen und Kreisanspielen. Der THW hingegen beschäftigte sich zu lange mit ausbleibenden Pfiffen, unpräzisen Anspielen und vergebenen Chancen. So verpassten es die Zebras, sich abzusetzen und vorzeitig den Deckel auf diese Partie zu machen – auf der anderen Seite aber war der VfL schlicht nicht stark genug, um den THW zu gefährden. Ole Rahmel traf nach 45 Minuten zum 24:19, der höchsten Führung bis zu diesem Moment.

THW zeigte mäßige Offensivleistung

Die letzte Viertelstunde bestätigte den merkwürdigen Eindruck, den diese Bundesliga-Partie hinterließ, nur noch mehr. Die Kieler zeigten eine über weite Strecken mäßige Offensivleistung und profitierten von Gummersbacher Ballverlusten, hatten in Torhüter Niklas Landin aber auch einmal mehr einen überragenden Rückhalt. Der Däne hielt den Kieler Vorsprung mehr oder weniger konstant, obwohl seine Mannschaftskameraden nun reihenweise an Matthias Puhle scheiterten, der seit der 22. Minute für Carsten Lichtlein zwischen den Gummersbacher Pfosten stand.

Und doch sollte das Spiel nicht ganz ohne Aufregung zu Ende gehen, die letzten zehn Minuten wurden hitzig. Erst kassierte Duvnjak bei einer theatralischen Einlage von VfL-Rechtsaußen Schröter eine Zwei-Minuten-Strafe, anschließend langten die Gummersbacher gegen Wiencek ordentlich zu – dass es hier keine Zeitstrafe gab, regte den Kieler Coach Gislason derart auf, dass er sich seine Akkreditierung vom Hals riss und sie wutentbrannt zu Boden schleuderte. Es war in der zweiten Halbzeit nicht die einzige Situation, in der die Unparteiischen eine unglückliche Figur machten.

 Kratzbürstiges Aufbäumen der Gäste

Am Kieler Erfolg indes änderte weder das noch das letzte kratzbürstige Aufbäumen der Gäste nichts. Landin parierte weiter stark, vorn gelangen den Zebras die entscheidenden Treffer. Als Nikola Bilyk zum 27:21 getroffen hatte (55.), war das Spiel entschieden. Am Ende siegte der THW mit 29:23. „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben“, sagte Gislason nach der Partie. „Die Einstellung hat gestimmt, wir haben insgesamt kein schlechtes Spiel gemacht. Gummersbach war in den letzten Wochen sehr gut, es hat sie hart getroffen, dass Simon Ernst sich erneut verletzt hat. Sie haben viel Qualität, deshalb bin ich froh, dass meine Jungs so konzentriert waren.“

THW KielVfL Gummersbach 29:23 (14:12)

THW Kiel: Landin (1.-60. Minute, 16 Paraden), Wolff n.e. – Duvnjak 1, Firnhaber, Weinhold 5, Dissinger, Wiencek 2, Ekberg 3/2, Frend Öfors 1, Rahmel 2, Zarabec 2, Vujin 5/3, Bilyk 3, Nilsson 3, Santos 2.

VfL Gummersbach: Lichtlein (1.-22. Minute und bei einem Siebenmeter, 2 Paraden), Puhle (22.-60. Minute, 11 Paraden) – Schröter 3, Baumgärtner 1, Sommer 4, Dayan, Köpp 1, Timm, Zhukov 6, von Gruchalla n.e., Becker, Villgrattner n.e., Preuß 4, Feuchtmann Perez 4.

Schiedsrichter: Martin Thöne/Marijo Zupanovic (Berlin) – Strafminuten: THW 6 (Duvnjak, 2x Weinhold), VfL 10 (Schröter, 2x Sommer, Preuß, Feuchtmann Perez) – Siebenmeter: THW 6/5 (Ekberg scheitert an Puhle), VfL 1/0 (Landin pariert Sommer) – Spielfilm: 0:1, 1:2, 3:2 (4.), 5:3, 6:4, 9:6 (17.), 12:8, 12:10 (24.), 14:10, 14:12 (Halbzeit) – 14:14, 17:15 (37.), 19:15, 20:18 (41.), 22:19, 24:19 (46.), 26:21, 27:22, 29:23  - Zuschauer: 10285 in der ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena.

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