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THW Kiel Andersson: Architekt am Atlantik
Sport THW Kiel Andersson: Architekt am Atlantik
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08:08 13.11.2019
Porto-Trainer Magnus Andersson. Quelle: Uwe Paesler
Porto/Kiel

„Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin mehr in Frankfurt als in Porto“, scherzte Portos Trainer Magnus Andersson während der Rückreise seiner Mannschaft am Montag. Die Portugiesen starteten ihren Weg in die Heimat am Montagmorgen um 7 Uhr ab Hamburg mit Zwischenlandung in der hessischen Metropole, die Zebras folgten ihnen am frühen Dienstag auf demselben Weg.

M'Bengue: "Ein unglaublicher Tag"

„Das war ein unglaublicher Tag“, schwärmte Portos Linkshänder Djibril M’Bengue nach der Partie. Das Ziel sei, so der Ex-Stuttgarter, „Platz sechs in der Gruppe zu verteidigen und ins Achtelfinale zu kommen“. „Das wäre für Porto unglaublich.“

Der Chefcoach ist der Architekt des Erfolges

Architekt des Erfolges ist Cheftrainer Magnus Andersson, als Spieler zweimal Welt-, viermal Europameister sowie 1992, 1996 und 2000 Vize-Olympiasieger mit Schweden. Mit Frisch Auf Göppingen holte der 53-Jährige als Trainer 2016 und 2017 den EHF-Cup, heuerte 2018 an der portugiesischen Atlantikküste an. „Ich wusste auch aus meiner Zeit als Junioren-Nationaltrainer in Schweden, dass es in Portugal viele junge Spieler mit Potenzial gibt. Schon als Spieler war es mein Traum, mal in Südeuropa zu spielen. So richtig hat das nie geklappt. Trotzdem war es ein Riesenschritt. Aber das Land und Porto als Stadt gefallen mir richtig gut, und es macht Spaß, mit den jungen Spielern zu arbeiten. Dass es so gut läuft, damit hätte ich nicht gerechnet. Alles geht gerade unglaublich schnell für uns.“

Drei Aushängeschilder mit Fußball-Power

War in den 90er-Jahren der ABC Braga das Aushängeschild des portugiesischen Handballs, sind es heute drei Fußballvereine, die auch auf den „kleinen Bruder“ Handball setzen: der FC Porto und Sporting Lissabon, die in dieser Saison in der Champions League vertreten sind, sowie EHF-Cup-Starter Benfica Lissabon. „Bei uns kommt alles vom Fußball, in Porto haben wir nur einen anderen Sponsor“, sagt Andersson. „Der Etat ist trotzdem nicht mit der Bundesliga vergleichbar. Aber die Spieler fühlen sich hier wohl. Es hat mich auch fast überrascht, dass fast alle Spieler nach der vergangenen Saison hiergeblieben sind. Aber unsere Teilnahme am Final Four um den EHF-Cup war etwas Großes für den portugiesischen Handball. Jetzt wollen die Jungs in der Champions League zeigen, was sie können.“

Mit der Bundesliga vergleichbar sei die portugiesische Liga ohnehin nicht. Andersson berichtet von Partien vor 50 Zuschauern und Siegen „mit 15 Toren Differenz“ oder mehr. „Viel Spaß macht das nicht. Deshalb sind Spiele wie in Kiel etwas wirklich Großes für uns.“ Heute in der Arena Pavilhao Dragao erwartet Andersson, dass „60 Prozent der Fans Fußball-Fans“ sind. „Die unterstützen nicht nur die Fußballer, sondern in wichtigen Spielen auch die Basketballer, Hockeyspieler oder eben uns Handballer. Für uns ist das wunderschön, denn sie singen meist wie im Stadion während des ganzen Spiels und sorgen für eine tolle Atmosphäre.“

Porto erneut mit Linkshänder-Problemen

Bis zum vergangenen Sonntag konnte Andersson nie etwas Zählbares aus Kiel mitnehmen. Nicht als Spieler. Nicht als Trainer. „Ich war darum unglaublich überrascht.“ Mit M’Bengue wird der Schwede auch im Rückspiel wieder nur einen Linkshänder aufbieten können, und bereits am Sonnabend steht das Liga-Spitzenspiel gegen Sporting auf dem Programm. „Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre mir ein Sieg gegen Sporting wichtiger“, sagt Andersson. „Aber so ticken wir Sportler nicht. Wir haben ja in Kiel gewonnen, also könnte man sagen, dass wir auch das Heimspiel gewinnen müssten. Auf jeden Fall wollen wir immer das Bestmögliche rausholen. Wenn es uns gelingt, in der Champions League Brest und Zaporozhye hinter uns zu lassen, ist das schon ein großer Erfolg – und das sieht gerade gut aus.“

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Von Tamo Schwarz und Merle Schaack

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