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THW Kiel Horak will mehr als nur Entlaster sein
Sport THW Kiel Horak will mehr als nur Entlaster sein
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15:00 30.07.2019
Von Merle Schaack
Im Trainingslager mit dem THW Kiel arbeitet Neuzugang Pavel Horak an seiner Fitness, um der Belastung in der Bundesliga standzuhalten.
Im Trainingslager mit dem THW Kiel arbeitet Neuzugang Pavel Horak an seiner Fitness, um der Belastung in der Bundesliga standzuhalten. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Pavel Horak hat ein Problem: Seine Schuhe sind nass. Der tschechische Neuzugang des THW Kiel hat zwei Paar Hallensportschuhe mit ins Trainingslager in Österreich genommen. „Aber bei dem Wetter werden die nie trocken“, sagt der 36-Jährige mit einem Blick aus dem Fenster.

Schwül-feuchte Luft und Regen hält die Steiermark an den ersten Tagen für den Tross aus Kiel bereit. Nichts davon kann Pavel Horak aus der Ruhe bringen. Der 1,98-Meter-Mann mit dem imposanten Vollbart könnte leicht grimmig wirken. Doch gäbe es einen Preis für das fröhlichste Gesicht der Zebraherde – Horak hätte ihn sicher.

Steckbrief

Alter: 36.

Spitzname: Hori, Pajo.

Position: Rückraum, Abwehr.

Länderspiele/Tore: 122 für Tschechien/343 Tore.

Familienstand: Freundin Lenka, zwei Söhne (Pavel und Jan).

Hobbys: Golf, Lesen.

Letzte Stationen: Baník Karviná (2001), Ahlener SG (2006), Frisch Auf Göppingen (2007), Füchse Berlin (2013), HC Erlangen (2015), HC Meshkov Brest (2017).

Größte Erfolge: tschechischer Meister (2001-2006), EHF-Pokalsieger (2011, 2012, 2015), DHB-Pokalsieger (2014), weißrussischer Meister (2018) weißrussischer Pokalsieger (2018).

Pavel Horak: Lachen gegen die Trainingsqualen

„Wenn man lacht, kann man schwere Trainingseinheiten besser wegstecken“, findet der 122-fache tschechische Nationalspieler, der in Kiel mit Filip Jicha nun von einem ehemaligen Nationalmannschafts-Kollegen trainiert wird.

Jicha war es auch, der den Kontakt herstellte, als der THW Kiel sich nach einem Nachfolger für Sebastian Firnhaber als Entlaster des Abwehrspezialisten-Duos Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler umsah.

Für Pavel Horak, der nach Bundesliga-Stationen in Göppingen, Berlin und Erlangen ins weißrussische Brest gewechselt war, kam das Angebot des deutschen Rekordmeisters überraschend. „Damit habe ich gar nicht gerechnet“, sagt er. „Eigentlich war der Plan, mit einer Mannschaft Champions League zu spielen – aber in einer nicht so harten Liga.“ Den Ruf aus Kiel bezeichnet Horak als „sportliches Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte“.

Hab und Gut in drei Taschen

Seit er und seine Familie vor zwei Jahren ihre Zelte in Erlangen abbrachen, wohnen seine Freundin Lenka und die beiden gemeinsamen Söhne Pavel (2) und Jan (6 Monate) wieder in Tschechien. „Nach dem Wegzug aus Erlangen habe ich entschieden, nie wieder mit Möbeln umzuziehen“, erzählt Horak.

Seitdem passt sein Hab und Gut in drei große Taschen, und er mietet nur noch möblierte Wohnungen – ein Nomadenleben. „Es fällt mir jedes Jahr schwerer, mich woanders einzuleben. Immer wenn ich einen Monat oder eine Woche bei der Familie war, ist es schwer, wieder loszuziehen. Dort fühle ich mich am meisten zu Hause.“

Defensivarbeit tut gut

Für den Sportler Pavel Horak hat diese Lebensweise aber auch Vorteile. „So kann ich mich ganz auf den Handball konzentrieren.“ Beim THW Kiel will er sich Einsatzzeiten erarbeiten. „Ich bin hier, um die beiden Kreisläufer zu entlasten“, sagt der Rückraumspieler, der nach einem Kreuzbandriss zu Erlanger Zeiten hauptsächlich in der Abwehr eingesetzt wird und „auch ab und zu mal nach vorne laufen soll“.

Sogleich stellt er aber klar: „Ich bin nicht gekommen, um die meiste Zeit auf der Bank zu sitzen.“ Mit der Rolle als Defensivspezialist hat er sich indes angefreundet. „Sie tut mir gut. Die Belastung ist geringer und die Verletzungsgefahr niedrig.“

Der Bart folgte auf einen Kreuzbandriss

Zwei Kreuzbandrisse, in jedem Knie einen, hatte Horak in seiner inzwischen 18-jährigen Profi-Karriere. Während er nach dem zweiten an seinem Comeback arbeitete, ließ er sich den markanten Bart wachsen, unter dem seitdem das breite Lächeln hervor blitzt. Was ihm jemals die Laune verderben kann? „Wenn mir was wehtut, ich mit mir selbst unzufrieden bin oder man mich ärgert“, zählt er auf. Regenwetter im Trainingslager zählt nicht dazu. Lächelnd verabschiedet sich der Hüne. Dann geht er Schuhe föhnen.

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