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THW Kiel Sechs Fans reisten mit nach Ungarn
Sport THW Kiel Sechs Fans reisten mit nach Ungarn
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08:00 22.03.2014
Von Ralf Abratis
Fritz und Moritz Wunsch, Thorsten Zwick, Jutta und Jörg Nielsen und Norbert Schmitz (von links) begleiteten den THW zur Universitätshalle nach Györ. Quelle: ra
Györ

Die kleine Schar von sechs Unterstützern in THW-Outfit und mit Tröten hat die Chance genutzt, dass das Spiel gegen Saporoschje nicht in der Ukraine, sondern in Ungarn ausgetragen wurde, und kurzfristig eine individuelle Anreise organisiert. 60 Minuten gaben sie alles, was Lungen und Stimmbänder ermöglichten und übertönten spätestens ab der 50. Minute die zahlenmäßig größere Gruppe der Motor-Fans in einer ansonsten neutralen Halle.

 Doch trotz der gekürzten Anreise war der Fan-Aufwand groß. Im Schnitt 40 Stunden investierten sie für das Spiel – Sightseeing und eine nächtliche Diskussionsrunde inklusive. Jutta und Jörg Nielsen aus Kiel reisten einen Tag früher an, wollten auf dem Weg noch Wien erkunden („Leider hat es dort geregnet“). Norbert Schmitz aus Neustadt war Hunderte Kilometer mit dem Auto gefahren und hatte die Sonne mitgebracht („Mit jedem Kilometer nach Süden wurde es besser“), und Vater und Sohn Fritz und Moritz Wunsch aus Hamm ist eh kein Weg zu weit für den THW („Wir sind die Auswärtsfans und waren auch in Katar“).

 Auch Thorsten Zwick zählt sich zu den positiv Handball-Verrückten. Morgens gegen drei Uhr aufzustehen, um dann am Abend beim Spiel dabei zu sein und erst am nächsten Tag wieder zurückzureisen, gehört für ihn seit über 20 Jahren zu seinem Bekenntnis für den THW dazu: „Es ist sicherlich mehr als ein Hobby, irgendwo auf dem Weg zur Leidenschaft. Aber es kommt auch noch die Reiselust und der Spaß an der Organisation solcher Fahrten hinzu“, sagt der 49-Jährige.

 Bei allem Interesse für andere Sportarten: Der THW nimmt den größten Platz in der „Fan-Karriere“ des Preetzers ein. Die Titel-Nummernschilder des THW weisen ihn auch im Büro als Anhänger des dreimaligen Champions-League-Siegers aus, mit der Kollektion der schwarz-weißen Shirts kann er bei sportlichen Betriebsfesten auch schon mal sein Team einkleiden, und eine kleine Auswahl von Eintrittskarten hat er zu den Spielen immer dabei. „Mein Chef ist Leid gewöhnt“, schmunzelt Zwick, betont aber, dass er bei allem Enthusiasmus immer auch darauf achtet, bei TV-Übertragungen nicht schräg aufzufallen.

 Doch nicht immer lassen sich die Emotionen unterdrücken. Bei der ersten Meisterschaft des THW in der Neuzeit (1994) und dem Gewinn der Champions League 2012, als die Mannschaft zwei fast schon verlorene Spiele drehte, da konnte er die Tränen der Freude und Überwältigung nicht zurückhalten. Das „CL-Final4“ 2013, als es nach zwei schwachen Kieler Spielen nur zu Platz vier reichte, war dagegen Enttäuschung pur. Emotionen, die Zwick nicht nur mit den anderen Fans, sondern auch mit den Spielern teilt und teilen möchte. Deshalb ist ihm die Nähe zu den Sportlern wichtig, ohne ihnen zu dicht auf die Pelle zu rücken. Wenn sich die Gelegenheit zum Wortwechsel ergibt oder man sich beim Stadtrundgang in Porto über den Weg läuft, dann nutzt man diese. „Die Spieler erkennen uns. Dass sie uns kennen oder wir sie, so weit würde ich nicht gehen.“ Manchmal aber kommen sich Fans und Stars aber auch näher. Wie Ex-Kapitän Marcus Ahlm, der in Köln auch schon mal eine Runde Bier spendierte. Dessen Ausstrahlung macht ihn auch heute noch zu einem der größten THW-Spieler für Zwick, der aktuell das Trikot von Rene Toft Hansen trägt: „Seine Art zu spielen, aber auch seine ruhige Persönlichkeit gefallen mir einfach.“

 Nach dem Spiel in Györ waren die sechs THW-Fans zufrieden. Und bei einem lauschigen Abend wurde noch lange vor der einzig offenen Bar über die Mannschaft diskutiert, bis die Bedienung die Stühle aufeinander stapelte und damit die Fanfahrt zumindest für diesen Abend beendete.