Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
THW Kiel Arbeit mit Athletikcoach: Weinholds Weg zurück
Sport THW Kiel Arbeit mit Athletikcoach: Weinholds Weg zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:11 20.11.2019
Von Tamo Schwarz
Harte Arbeit in der Reha: Athletiktrainer Hinrich Brockmann (hinten) arbeitet mit dem verletzten Steffen Weinhold. Quelle: Uwe Paesler
Altenholz

Steffen Weinhold ist Handballer. Verletzt. Einer der besten in Deutschland, Rückraumspieler beim THW Kiel. Jetzt sitzt er auf einem Gymnastikball – und jongliert. Einfach so beherrscht er die Gesetze von Schwerkraft und Gleichgewicht und bewältigt eine dieser kleinen Übungen, die ihm Athletiktrainer Hinrich Brockmann gestellt hat. Auch ihm ist es zu verdanken, dass die Fans ihrem Star Weinhold voraussichtlich in zwei Wochen wieder zujubeln dürfen.

Steffen Weinhold: Im Pokalspiel am 3. Dezember voraussichtlich wieder an Bord

Weinholds Weg zurück ist wie bei jedem verletzten Profisportler Teamarbeit. „Alle haben toll zusammengearbeitet, und weil der Verlauf bei Steffen so gut war, können wir wohl in zwei Wochen wieder mit ihm rechnen“, sagt Teamarzt Dr. Frank Pries. Mannschaftsärzte, Physiotherapeuten, der Sportler selbst – und eben auch der Athletiktrainer ziehen an einem Strang, seitdem sich der 33-Jährige Ende September einen Anriss der Plantarfaszie im Fuß zugezogen hat. Seit 2013 arbeitet der 54-jährige Brockmann mit einer kurzen Unterbrechung von 2017 bis 2018 mit den Zebras. Mehrmals wöchentlich. Als er nicht mehr da war, war so mancher Spieler zerknirscht. Brockmann, leitender Landestrainer beim Schleswig-Holsteinischen Leichtathletik-Verband, hört zu, liest die Spieler, hat schon einigen nach zum Teil schweren Verletzungen zu einem Comeback verholfen.

Ein Besuch im Training mit Athletikcoach Hinrich Brockmann.

Hinrich Brockmann ist "froh, wieder an Bord zu sein"

Weinhold jongliert mit drei Bällen. Stabilisierung, Konzentration. Eben noch hat er auf einem Kasten mit einer Hantelscheibe geächzt, hat ihn Brockmann fixiert. Harte Arbeit. Tag für Tag. Das Trainerdasein ist Passion bei dem Mann aus Groß Meinsdorf, das Zuhören, die Kompetenz und ganz besonders Vertrauen sind seine stärksten Instrumente. „Die hochprofessionelle Arbeit beim THW Kiel ist für mich eine schöne Symbiose zur Leichtathletik, die Athleten sind toll, bodenständig“, sagt Brockmann. Er sei „froh gewesen“, wieder an Bord zu sein, empfinde das Lob, das Vertrauen der Spieler als „schöne Bestätigung“. Brockmann kümmert sich im Training oft um die Erwärmung, Aktivierung, arbeitet besonders intensiv mit verletzten Akteuren, stimmt sich mit Ärzten und Physios ab. 

Unfreiwilliger "Kummerkasten"

Und Brockmann ist immer auch so etwas wie ein unfreiwilliger „Kummerkasten“. Als sich Steffen Weinhold verletzte, er zunächst nicht einmal Gehen, den Fuß nicht belasten durfte, war der Frust groß. „Die erste Woche war schwer für mich, da konnte mir keiner helfen“, sagt der Linkshänder. Nicht einmal Ehefrau Ina, Sohn Jakob (2) oder die kleine Antonia (sechs Monate)? Weinhold lacht, und dann dringt doch Wärme durch bei dem ansonsten meist eher coolen Nationalspieler, wenn er davon erzählt, dass mehr Zeit mit der Familie zumindest ein Pluspunkt der Reha sei, den er trotz fünf, sechs Stunden täglicher Anstrengung genieße. „Da ist dann eine andere Regelmäßigkeit im Spiel als sonst, fast wie bei einem normalen Berufsbild.“

Steckbrief: Hinrich Brockmann

Der 54-Jährige aus Groß Meinsdorf, der in Malente aufgewachsen ist, ist seit 1998 Leitender Landestrainer des Schleswig-Holsteinischen Leichtathletik-Verbandes und war bis Herbst 2018 insgesamt 26 Jahre lang Landestrainer Zehnkampf. Der Diplomtrainer Leichtathletik führte seine Athleten zu rund 30 Titeln bei deutschen Meisterschaften. Zehnkämpfer Mike Maczey machte Brockmann fit für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney, Stefan Drews brachte er zu den Spielen 2004 in Athen. Den THW Kiel unterstützt Brockmann seit 2013 - mit einer Unterbrechung von 2017 bis 2018. Der ehemalige Cheftrainer Alfred Gislason schwärmte schon damals: "Hinrich hat bei uns überragende Arbeit geleistet, insbesondere beim Heranführen verletzter Spieler an ihr Comeback.“

Brockmann war auch in der ersten Woche da, setzte gemeinsam mit Weinhold erste Etappen, musste kreativ sein, Alternativen finden, ohne den Fuß zu belasten: Läufe im Barren, Übungen im Sitzen mit dem Crossfit-Tau, Fußschlaufen-Läufe. „Das Ziel ist nicht, die Fitness zu erhalten, sondern zu verbessern. Auch wenn es noch so tragisch ist: Eine Verletzung, eine handballfreie Zeit ist immer auch eine Chance“, sagt Brockmann. Er geht auf in der Arbeit mit einem Musterschüler wie Weinhold. „Wie er mitzieht und alles annimmt, ist ein herausragendes Beispiel. Er ist in der Lage, sich zu quälen, über seine Grenzen zu gehen.“

Große Sehnsucht nach dem Sport

Weil er zurück will, schon bald wieder mit der Mannschaft trainieren darf, hoffentlich im Pokalspiel beim TVB Stuttgart am 3. Dezember wieder Tore für den THW werfen will. Oft habe der THW gut gespielt, dann war es leichter, „nur zusehen zu dürfen“. In Weinholds Innenleben ist die Sehnsucht nach dem Sport groß: „Ich will jetzt gesund sein, wieder Handball spielen.“ Brockmann hilft dabei, diese Sehnsucht zu erfüllen. „Hinrich ist sehr wichtig, im Reha-Prozess engster Vertrauter. Er achtet sehr darauf, in welchem Zustand der Spieler ist, auch psychisch“, sagt Weinhold. Noch einmal quälen, mit einer Hantelstange, mit einem Skateboard. „Hinrich ist kreativ, geht auf die Spieler zu, gibt Input. Und manchmal muss er auch meine Launen aushalten.“ Weinholds Weg zurück ist ein gemeinsamer. 

Lesen Sie mehr zum THW Kiel hier.

 

Angeschlagene Boxer sind die gefährlichsten, und einen solchen empfängt der THW Kiel am Mittwoch (19 Uhr, Liveticker auf KN-online) in der Handball-Champions-League. Das ukrainische Schwergewicht Motor Zaporozhye steckt in einer Krise, hat kaum noch Aussicht auf das Achtelfinale.

Tamo Schwarz 19.11.2019

Die Pechsträhne beim Handball-Rekordmeister THW Kiel hält an: Für das Heimspiel in der Champions League am Mittwoch (19 Uhr, Liveticker auf KN-online) gegen den ukrainischen Vertreter Motor Zaporozhye fällt jetzt auch noch Rückraumspieler Nikola Bilyk mit Leistenproblemen aus.

Tamo Schwarz 19.11.2019
THW Kiel Ausfall des THW-Kapitäns Wer schlüpft in die Duvnjak-Rolle?

Der Rückraum des THW Kiel dünnt weiter aus. Den Sieg über Hannover bezahlten die Zebras mit dem bis zu vierwöchigen Ausfall ihres Kapitäns Domagoj Duvnjak. In den kommenden acht Partien rückt Miha Zarabec in den Fokus – und auch Lukas Nilsson, derzeit in einem Form-Tief, wird gefragt sein.

Merle Schaack 19.11.2019