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THW Kiel Der THW Kiel und die menschliche Seite
Sport THW Kiel Der THW Kiel und die menschliche Seite
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09:36 22.11.2019
Von Tamo Schwarz
Enttäuscht, erschöpft, ernüchtert: Miha Zarabec nach dem Zaporozhye-Remis. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

17 Partien – eine komplette Bundesliga-Halbserie – allein im November und Dezember. Noch elf Partien bis zum Jahresende. Fünf Begegnungen innerhalb von zwei Wochen – Kieler Koordinaten einer mörderischen Handball-Belastung. Die Folgen bekommt der THW Kiel momentan zu spüren. Körperlich: Die Zebras verzeichneten am Mittwoch im Spiel gegen Motor Zaporozhye vier – zum Teil schwerwiegende – Ausfälle. Mental: Das Team von Trainer Filip Jicha stößt an seine psychischen Grenzen, muss selbige immer wieder überschreiten und hat darum beim 32:32 gegen die Ukrainer einen erneuten Punkt in eigener Halle verloren.

Wiencek: "Die Spieler, die fehlen, fehlen uns sehr."

Ärgerlich, schmerzhaft, unclever, enttäuschend – nach den 60 Minuten gegen die Ukrainer gingen die Protagonisten des THW hart mit sich und der Situation ins Gericht. Weil der vierte Punktverlust in der Königsklasse zwar am Ende keine Niederlage war, „aber schmerzt wie eine“ (Torwart Dario Quenstedt). Weil „die Spieler, die fehlen, uns sehr fehlen“ (Kreisläufer Patrick Wiencek). Weil man nichtsdestotrotz „auch mit diesem Kader das Spiel für uns hätte entscheiden müssen“ (Kreisläufer Hendrik Pekeler). Weil man, so Pekeler weiter, gedacht hatte, das Thema Einstellung mit dem deutlichen 32:23 im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Hannover-Burgdorf hinter sich gelassen zu haben. „Aber offensichtlich haben wir das noch nicht.“

Zeichnet sich ein Ende der Gespräche zwischen Dahmke und dem THW Kiel ab?

Das zittrige Zaporozhye-Duell hat eher eine mentale denn eine physische Grenzerfahrung bloßgelegt. Sowohl Quenstedt (drei Paraden) als auch Niklas Landin (vier) fanden in dieser Partie kaum statt. „Beide waren angefressen, unzufrieden mit sich selbst“, sagte Jicha, der an der Seitenlinie frisch blieb, seinen Spielern Input gab, alle Register zog mit den Mitteln, die ihm geblieben waren. Beispielsweise brachte er in Halbzeit eins Linksaußen Rune Dahmke auf der Spielmacherposition. Der sorgte für wichtige Ballgewinne, avancierte zu einem Musterbeispiel an Aufopferung und stellte unter Beweis, warum er bei den Fans so beliebt ist. Im kommenden Sommer läuft der Vertrag des 26-Jährigen an der Förde aus. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi: „Wir sind weit in unseren Gesprächen. Es sieht gut aus.“

Lesen Sie auch einen Kommentar von Tamo Schwarz zur Belastung des THW Kiel

Dahmkes bärenstarke Leistung wurde durch den Punktverlust getrübt. „Uns fehlt nicht die Qualität im Kader, sondern Cleverness. Diese Cleverness kann man schwer trainieren, das kommt mit dem Selbstbewusstsein. Momentan geht der Ball in den entscheidenden Situationen nicht ganz so leicht von der Hand“, sagte der Kieler Linksaußen. Dahmke weiß: „Wenn ich im Rückraum auftauche, weiß man, dass es brennt. Aber mir macht das Riesenspaß. Dort habe ich mal angefangen. Wir haben das im letzten Training etwa zehn Minuten geübt, und ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass das kommt. Aber es ist schön, mal viele Ballkontakte zu haben. Lieber wäre es mir allerdings, wir könnten mit voller Kapelle spielen.“

Für Hendrik Pekeler ein unbefriedigender Zustand

Remis gegen Kielce, Niederlage gegen Porto, Remis gegen Zaporozhye – vier Punkte in der Champions League hat der THW bereits zu Hause abgegeben. „Das ist nicht unser Anspruch und macht unsere Arbeit der letzten Wochen und Monate kaputt“, so Dahmke. Für Hendrik Pekeler ein unbefriedigender Zustand. „Vielleicht haben wir irgendwo im Hinterkopf den Gedanken, dass wir gegen die vermeintlich schwächeren Gegner mal eben so gewinnen. Vielleicht fehlen dann die letzten fünf, sechs Prozent, mit denen wir gegen Hannover gekämpft haben.“ Dabei hatte auch Patrick Wiencek gedacht, „wir hätten aus Porto gelernt“.

Am Sonntag ist der SC DHfK Leipzig der nächste Gegner

Noch elf Partien stehen den Zebras bis zum Jahresende bevor, das nächste am Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker auf KN-online) in der Liga gegen den DHfK Leipzig. „Alle drei Tage ein Spiel – das ist brutal. Ohne die Verletzten wäre es wohl anders ausgegangen. Wenn und Aber zählt jetzt nicht, wir suchen keine Ausreden“, sagte THW-Coach Filip Jicha. „Ich werde meine Spieler jetzt nicht beleidigen, denn sie leisten Unmenschliches. Und jetzt haben sie ihre menschliche Seite gezeigt. Sie sind moderne Gladiatoren“. Ob er am Sonntag über mehr Optionen verfügen kann, wird sich kurzfristig entscheiden. „Jede Stunde bis zum nächsten Spiel hilft uns“, sagte Viktor Szilagyi. „Wir müssen schauen, ob Nikola Bilyk wieder dabei sein kann, aber werden kein Risiko eingehen.“ 

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