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THW Kiel Das müssen die THW-Spieler beachten
Sport THW Kiel Das müssen die THW-Spieler beachten
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18:51 26.08.2019
Von Tamo Schwarz
Kiels Trainer Filip Jicha und sein Team wollen beim Super Globe in Saudi-Arabien den Titel holen.  Quelle: Sascha Klahn
Kiel/Dammam

Es gibt einladendere Länder als Saudi-Arabien. Das wissen auch die Kieler Handballer vor der Klub-Weltmeisterschaft, für die der THW Kiel als EHF-Cup-Sieger eine Wildcard erhalten hat. "Wir wissen nicht genau, was uns erwartet", sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. "Es war notwendig, alle Spieler auf die Gegebenheiten vorzubereiten. Wir werden uns dort mit Respekt bewegen." Für vier Jahre hat der Handball-Weltverband IHF die Klub-Weltmeisterschaft in die Hafenstadt Dammam vergeben. Zuvor wurde der Super Globe neunmal in Doha/Katar ausgetragen. 

Achtseitiger Verhaltenskodex für den sechstägigen Trip an den Golf

Die Themen Menschenrechte und Pressefreiheit, Terrorgefahr und kriegerische Auseinandersetzungen in der Grenzregion zum Jemen sind das eine. Doch auch im Alltag könnten einige Tücken auf die Kieler Zebras lauern. Nicht nur in der religiösen Hochburg Dammam sind kurze Ärmel oder Hosenbeine tabu, dürfen Personen – insbesondere Frauen – nicht fotografiert werden, was auch für militärische, religiöse und andere öffentliche Gebäude gilt. Glücksspiel, Alkohol, Homosexualität – alles ist verboten und wird streng von der religiösen Scharia-Polizei überwacht. Es drohen Gefängnis- und Prügelstrafen.

THW-Nationalspieler Hendrik Pekeler: "Es ist eine andere Welt"

"Ein bisschen ist es schon ein mulmiges Gefühl. Es ist eine andere Welt. Dort herrschen viele Regeln, die es bei uns nicht gibt", sagt THW-Nationalspieler Hendrik Pekeler. "Es ist irgendwie eine Reise ins Ungewisse. Aber es ist auch eine Ehre, und diesen Titel würden wir gerne mitnehmen." Auch andere Spieler äußern sich zu der ungewöhnlichen Reise zum Super Globe. "Bedenken ja, Angst nein", sagt Torwart Niklas Landin. "Eine andere Welt, eine andere Kultur", erwartet Spielmacher Miha Zarabec. "Wir wissen nicht, wie die Dinge dort funktionieren, das macht mir ein bisschen Angst."

Lange Kleidung ist in Saudi-Arabien auch bei 42 Grad Pflicht

Zarabec und Co. haben den achtseitigen Verhaltenskodex gelesen, wissen, dass lange Kleidung auch bei 42 Grad Pflicht ist, dass man zur Gebetszeit nicht aufs Handy schaut. Linksaußen Rune Dahmke äußert sich diplomatisch und doch deutlich: "Ich will nicht zu sehr politisch werden, aber dort ist vieles anders als bei uns, da steht man nicht unbedingt hinter oder unterstützt das. Aber wir wollen die Kultur respektieren."

Das ist Dammam in Saudi-Arabien

Dammam am Persischen Golf ist die fünftgrößte Stadt Saudi-Arabiens. In der Ostprovinz asch-Scharqiyya, deren Hauptstadt Dammam ist, liegt ein Viertel der Welterdölreserven. Die Ölvorkommen sorgten für ein rasantes Wachstum von 35.000 Einwohnern 1960 zu einer Metropolregion mit heute knapp zwei Millionen Einwohnern. Der King Abdul Aziz Port in Dammam ist einer der wichtigsten Erdölexporthäfen am Persischen Golf. Dammam ist religiöse Hochburg in Saudi-Arabien. In der Ostprovinz bestehen politische und religiöse Spannungen zwischen der sunnitischen Regierung und der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung. Es kommt immer wieder zu Unruhen. Der bewaffnete Konflikt im Jemen betrifft auch die saudi-arabischen Grenzregionen im Süden. Anfang August sollen Huthi-Rebellen im Jemen eine Langstreckenrakete auf Dammam abgefeuert haben. Saudi-Arabien hat den Vorfall nicht kommentiert.

Am Dienstag um 15.15 Uhr/MESZ erstes Spiel gegen Sydney

Und sportlich? Am Dienstag (15.15 Uhr/MESZ) geht es für den THW gegen Ozeanienmeister Sydney University HC um den Einzug ins Viertelfinale. Dort würde der ägyptische Afrika-Champion Zamalek SC warten. "Sportlich haben wir über unseren ersten Gegner Sydney so gut wie keine Infos. Über Zamalek haben wir ein paar Infos. Die spielen guten Handball, würden in Europa eine gute Rolle spielen", sagt THW-Cheftrainer Filip Jicha. "Aber die größe Überraschung für uns wird die Reise selbst. Der eine oder andere Spieler wird an seine Grenzen gehen, seine Komfortzone verlassen müssen. Wir werden als Einheit enger zusammenrücken."

Jicha kündigt an, viel zu rotieren

Jicha kündigt an, unter extremen Bedingungen "viel rotieren" und "das Beste erreichen" zu wollen. "Mit dem Titel kommt die Laune auf mehr Titel. Das Turnier wird Energie kosten, die uns aber später zurückgegeben wird." Auf eines sind alle Zebras in der Hitze von Dammam heiß – den Titel. Champions-League-Sieger Vardar Skopje und Titelverteidiger FC Barcelona sind die stärksten Kontrahenten am Golf. "Mit denen wollen wir uns messen", sagt Kapitän Domagoj Duvnjak, der sich über politische Dinge "keine Gedanken" macht. "Ich bin dort, um Handball zu spielen."

Auch Rune Dahmke hat "keine Angst". "Wir wollen das Beste draus machen. Wir wollen das Ding gewinnen und gut durchkommen. Jeder erinnert sich noch an die Füchse im vergangenen Jahr." Im Vorjahr waren die Berliner nach drei Spielen in vier Tagen mit vier Verletzten aus Doha heimgekehrt. In Dammam winken dem Gewinner 400.000 US-Dollar Preisgeld. Für den Zweiten bleiben 250.000 Dollar, für den Dritten 150.000 Dollar. "Für einen wirtschaftlichen Erfolg müssten wir das Finale erreichen", sagt Szilagyi, der auf eine nicht ganz reibungslose (Reise-) Vorbereitung des Turniers zurückblickt: "Man musste schon geduldig sein. Wir haben in der Kommunikation schon gemerkt, dass sie das Turnier zum ersten Mal ausrichten." 

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