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THW Kiel THW Kiel hetzt zu Champion Vardar Skopje
Sport THW Kiel THW Kiel hetzt zu Champion Vardar Skopje
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20:21 11.10.2019
Von Merle Schaack
Drei Auswärtsspiele in Folge liegen vor den Handballern des THW Kiel. Am Freitag machte sich der Tross um Co-Trainer Christian Sprenger (v.li.), Trainer Filip Jicha, Patrick Wiencek und Pavel Horak auf den Weg nach Skopje. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Harald Reinkind hatte sein Kopfkissen dabei und vor allem eine Frage an den Busfahrer: "Kann ich das im Bus lassen?" Der Schlafbedarf bei den Zebras wird in den kommenden Tagen hoch sein, jede Möglichkeit für ein Nickerchen willkommen. Denn 13 Stunden nach dem 31:23-Sieg über die HSG Nordhorn-Lingen machten die Kieler sich auf die erste Etappe eines wahren Reise-Marathons.

Mit dem Bus ging es ins dänische Sønderborg, wo der Charterflieger der Zebras Richtung Nordmazedonien abhob. Am Sonnabend (17.30 Uhr, Liveticker auf KN-online) tritt der THW Kiel beim amtierenden Champions-League-Sieger Vardar Skopje an.

Zwei Spiele mit einem Abstand von gerade einmal 45 Stunden – das gleiche Programm erwartet die Kieler auch nächste Woche noch einmal. Dann geht es direkt aus Wetzlar (Donnerstag, 19 Uhr) über Frankfurt nach Montpellier zum Champions-League-Spiel am Sonnabend (17.15 Uhr).

THW Kiel führt Gespräche mit HBL und EHF

Schon im September hatten THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi und Trainer Filip Jicha kritisiert, dass es den Champions-League-Teilnehmern nicht erlaubt ist, schon am Mittwoch ihre Bundesliga-Spiele auszutragen. Damals mussten die Kieler binnen 45 Stunden beim Bergischen HC und in Veszprém ran. Prompt kehrten sie mit drei verletzten Spielern zurück. Steffen Weinhold fehlt den Zebras weiterhin mit einem Anriss der Plantar-Faszie im linken Fuß. "Wir sind intern mit der HBL (Handball-Bundesliga, d. Red.) und der EHF (Europäische Handballföderation, d. Red.) in Diskussionen, wie wir die Situation künftig entspannen können", sagt Szilagyi

Bei den Spielern hat in Sachen Belastungs-Debatte so etwas wie Resignation eingesetzt. "Je mehr Gedanken man sich darüber macht, was für ein Quatsch das ist und wie schlecht es eigentlich für einen ist, desto schlimmer wird es", sagt Rune Dahmke. "Es ist, wie es ist. Wir wollen das Bestmögliche rausholen und uns nicht in Ausreden verlieren."

Vorfreude auf den Hexenkessel in Skopje

Bei der Aussicht auf das Duell gegen Vardar in der ausverkauften Jane-Sandanski-Arena sind die Zebras ohnehin alle hellwach. "In Skopje zu spielen, ist etwas ganz Besonderes. Für solche Spiele ist man beim THW Kiel", sagt Ole Rahmel. Die Vardar-Fans sind bekannt für die lautstarke Hingabe, mit der sie ihre Mannschaft unterstützen. Deshalb messen die Kieler ihrem 34:30-Sieg im Halbfinale des Super Globes Ende August vor dem Wiedersehen auch keine zu hohe Bedeutung bei. "In Skopje gegen Vardar zu spielen ist etwas komplett anderes als in Saudi-Arabien in einer nahezu leeren Halle", sagt Filip Jicha.

Die Nordmazedonier führen die Gruppe B nach Siegen über Montpellier, Porto und Zaporozhye ohne Punktverlust vor dem THW Kiel an. Dabei sah es im Frühjahr noch so aus, als würden an der Vardar die Lichter ausgehen. Klub-Mäzen Sergej Samsonenko hatte einmal mehr seinen Ausstieg angekündigt. Der Champions-League-Sieg im Finale über Veszprém stimmte ihn um.

Duell der slowenischen Regisseure

Ergebnis der Irrungen und Wirrungen: Neun Spieler verließen den Klub, mit David Pisonero kam auch ein neuer Trainer. "Sie haben trotzdem noch zwei starke Reihen – und ihr Fokus liegt auf der Champions League", sagt Jicha, für den vor allem 2,15-Meter-Riese Dainis Kristopans ("Er hat in der Abwehr eine tolle Entwicklung genommen.") und Mittelmann Stas Skube die tragenden Säulen der Mannschaft sind.

Mit Skube und THW-Spielmacher Miha Zarabec treffen zwei quirlige slowenische Regisseure aufeinander. "Das wird ein spannender Zweikampf zweier Weltklasse-Mittelmänner, die nicht so hoch gewachsen sind", sagt Jicha.

Mit Christian Dissinger treffen die Kieler auch auf einen alten Bekannten. Der Halblinke spielte von 2015 bis 2018 für den THW Kiel. "Er bringt eine gewisse Stabilität in den Angriff", sagt Jicha, der seine Mannschaft ohne richtige Trainingseinheit auf Skopje vorbereiten muss.

Jicha: "Keine Ausreden"

Zwar stand nach der Ankunft am Freitagabend eine Einheit auf dem Programm. "Aber das kann man nicht als Abschlusstraining bezeichnen. Da geht es mehr darum, die Reise aus den Beinen zu bekommen." Umso mehr Aufmerksamkeit und Disziplin erwartet er von seinen Spielern beim Videostudium – das sie während der Reise auch individuell betreiben sollen.

"Innerhalb von zwei Wochen zweimal zwei Spiele innerhalb von 45 Stunden zu absolvieren - das ist brutal", sagt Jicha. "Aber das wird für uns niemals als Ausrede gelten. Und ein Spiel in Skopje ist eines der schönsten Ereignisse, die es im Handball gibt."

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