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THW Kiel THW Kiel siegt in dramatischem Finale
Sport THW Kiel THW Kiel siegt in dramatischem Finale
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23:58 18.04.2019
Von Merle Schaack
Zunächst legten die Füchse stets ein Tor vor, das der THW Kiel dann ausglich. Am Ende reichte es für einen knappen Sieg. Quelle: Michael Hundt
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Berlin

Ein Sprung, ein Griff - Niclas Ekberg hielt den Ball fest wie einen Schatz. Der Pass von Füchse-Linkshänder Fabian Wiede war eigentlich für Linksaußen Bjarki Elisson gedacht. Doch Ekberg hatte geahnt, wie die Berliner ihren letzten Angriff abschließen wollten. "Ich wusste, ich muss den Ball haben", gab Ekberg später zu Protokoll. "Vorher war ich in ähnlichen Situationen dreimal nach vorne gelaufen. Dieses Mal habe ich mich für rechts entschieden." Eine Eingebung, mit der der schwedische Rechtsaußen den THW Kiel vor einem schmerzhaften Punktverlust rettete. Die letzten Sekunden liefen herunter, grenzenloser Jubel im großen Kieler Fan-Block in der mit 10.000 Zuschauern vollbesetzten Max-Schmeling-Halle in Berlin. Schwarz-weiße Freudentänze auf dem Feld, Erleichterung in allen Gesichtern.

THW Kiel startete gehemmt

Vorausgegangen war eine erste Halbzeit, von der THW-Trainer Alfred Gislason sagte: "Da sah es nicht aus, als könnten wir hier zwei Punkte mitnehmen." Zwar setzte er auf dieselbe Anfangsformation, die die Füchse im Pokal-Halbfinale vom Start weg an die Wand gespielt hatte. Doch dieses Mal fehlte ein entscheidender Faktor: Niklas Landin. Der Torhüter hatte hinter einer zu zahmen Abwehr keinen leichten Stand, konnte aber auch seine Stärke bei freien Würfen nicht zeigen. Glück für den THW Kiel: Seinem Gegenüber Silvio Heinevetter ging es nicht viel besser.

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Beide Keeper wurden nach knapp 20 Minuten ausgewechselt. Landin mit einer, Heinevetter mit zwei Paraden. Zu diesem Zeitpunkt stand es 9:9 (18.). Dann schlossen die Berliner in der Abwehr die Lücken, die sich zuvor oft zwischen dem Mittelblock von Jakov Gojun und Mijajlo Marsenic und den Halbpositionen aufgetan hatten und zwangen die Kieler immer wieder ins Zeitspiel.

"Meine Mannschaft hat in der ersten Halbzeit irgendwie gehemmt gewirkt", sagte Gislason, der bereits im ersten Durchgang alles versuchte, um das THW-Spiel in Fluss zu bringen: Erst stellte er die Abwehr auf die offensivere 3:2:1-Variante um, dann schickte er Nikola Bilyk in den linken Rückraum und ließ Domagoj Duvnjak das Spiel lenken. Später bekam Lukas Nilsson diese Aufgabe. All das verhinderte aber nicht, dass die Füchse beim 13:10 (25.) erstmals mit drei Toren in Führung gingen. Die 10.000 in der durch eine Zusatztribüne erweiterte und ausverkauften Max-Schmeling-Halle witterten die Revanche für die Pokal-Pleite.

Guter Start nach der Pause

Nach dem 13:15-Rückstand zur Pause besannen die Kieler sich auf ihre Tugenden zurück: Steffen Weinhold, der mit fünf Toren aus fünf Versuchen ein starkes Spiel machte, stellte den Anschluss her. Der zwischen die Pfosten zurückgekehrte Niklas Landin (Gislason: "Das war Bauchgefühl") kaufte seinem dänischen Landsmann und bestem Berliner Werfer (7/4 Tore) Hans Lindberg den ersten Wurf ab und innerhalb von vier Minuten hatte der THW Kiel die Vorzeichen nach einem Ekberg-Konter zum 16:15 aus Kieler Sicht gedreht.

Nun legten stets die Kieler vor, es blieb aber eng. Gislason brachte wieder eine frische Kraft. Harald Reinkind dankte es ihm mit seinem Rückraum-Treffer zur 24:22-Führung der Kieler (48.). Nun wurden die Füchse fahrig, machten Fehler im Angriff und luden den THW Kiel zum Kontern ein. Auch Niklas Landin (insgesamt fünf Paraden) fand jetzt besser ins Spiel. Die Folge: eine Vier-Tore-Führung (27:23) zehn Minuten vor Schluss.

Chaos und Dramatik in den letzten fünf Minuten

Ein souveräner Zieleinlauf für die Zebras wurde es trotzdem nicht. Weil Miha Zarabec einen Gegenstoß von Elisson nur mit einem Foul verhindern konnte, sah der Slowene die Rote Karte. Den fälligen Siebenmeter nutzte Lindberg zum 26:28. Gislason versuchte die Berliner Aufholjagd mit einer Auszeit zu stoppen (55.).

Doch es folgten fünf Minuten, die Domagoj Duvnjak später als "Riesenchaos" beschreiben sollte. Auf beiden Seiten häuften sich nun die Ballverluste. Nachdem die Füchse einen Weinhold-Pass auf Wiencek abgefangen hatten, eroberte Weinhold selbst den Ball zwar zurück. Aber Magnus Landin setzte ihn anschließend an den Pfosten. Der Vorsprung schmolz.

Auszeit von Gislason beim Stand von 29:30 und 59:21 gespielten Minuten. Ein letztes, das entscheidende Tor soll her. Doch im letzten Kieler Angriff verspringt Steffen Weinhold der Ball, die Füchse bekommen ihre Chance. Die Fans hält es nicht mehr auf den Sitzen - auch für Berlin zählt jeder Punkt im Rennen um die Europa-Plätze. Dann trifft Fabian Wiede, als er selbst die Wurfchance hat, die falsche Entscheidung - eine, auf die Ekberg spekuliert hatte. „Ecki hat alles richtig gemacht“, jubelte Duvnjak, der sich nach diesem Kraftakt wie seine Mannschaftskameraden auf drei freie Tage über Ostern freut. „Meine Familie kommt zu Besuch. Wir werden das ganz entspannt genießen.“

Löwen empfangen Flensburg am Ostersonntag

Die Kieler müssen erst am 28. April beim Heimspiel gegen den Bergischen HC wieder ran. Ob der Ostersonntag ein richtiger Feiertag für sie wird, hängt entscheidend von der Partie der SG Flensburg-Handewitt in Mannheim ab. Sollte Flensburg im Spitzenspiel bei den Rhein-Neckar Löwen (Sonntag, 16.25 Uhr) beide Punkte liegen lassen, hätten die Kieler, die Flensburg am 12. Mai empfangen, die Meisterschafts-Entscheidung wieder selbst in der Hand.  

Die Statistik

Füchse Berlin: Heinevetter (1. bis 19. und ab der 31. Minute, 5 Paraden), Semisch (20. bis 30., keine) - Wiede 4, Elisson 2, Holm, Struck, Mandalinic 1, Gojun 1, Lindberg 7/4, Zachrisson 3, Schmidt, Reißky (n.e.), Koch 3, Marsenic 3, Drux 5.

THW Kiel: N. Landin (1. bis 18. und ab der 31. Minute, 5 Paraden), Wolff (19. bis 30. und bei einem Siebenmeter, keine Parade) - Duvnjak 6, Reinkind 2, M. Landin 1, Firnhaber (n.e.), Weinhold 5, Wiencek 4, Ekberg 4/1, Rahmel (n.e.), Dahmke, Zarabec 1, Bilyk, Pekeler, Nilsson 5.

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