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THW Kiel Die Aufmüpfigen kommen zum Spitzenspiel
Sport THW Kiel Die Aufmüpfigen kommen zum Spitzenspiel
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07:23 16.11.2019
Von Merle Schaack
Miha Zarabec und der THW Kiel wollen Sonntag verhindern, dass Timo Kastening (li.) und die TSV Hannover-Burgdorf der Liga-Konkurrenz weiter davon sprinten. Quelle: imago/Oliver Ruhnke
Kiel

„Normalerweise fährt man nach Kiel und der THW ist Spitzenreiter“, sagt Recken-Rechtsaußen Timo Kastening. „Für uns ist das jetzt eine lustige Sache – wir haben gar keinen Druck.“

Ein Satz in dem viel von dem steckt, was die Mannschaft der Stunde derzeit ausmacht: Spaß, Gelassenheit, Coolness. Kastening, 24 Jahre jung, seit der C-Jugend im Verein, Bundesliga-Debütant mit 18 Jahren und mittlerweile Nationalspieler mit Aussichten auf eine EM-Teilnahme, ist der Vorzeige-Nachwuchsspieler der Recken.

Mit 67 Treffern führt er die interne Torschützenliste an, gehört in der jungen Mannschaft (im Schnitt 25,05 Jahre) schon zu den Erfahrenen - und muss sich selbst manchmal kneifen, wenn er sich die Entwicklung seines Vereins in den vergangenen Jahren vor Augen führt. „Irgendwie ist das schon verrückt. Beim Aufstiegsspiel in die Bundesliga (2009, d. Red.) war ich noch im Fanblock, als ich als Sechs- oder Siebenjähriger bei den Spielen war, war das noch in der Dritten Liga“, erinnert er sich.

Nach der Saison wird er Hannover erstmals verlassen, versuchen, bei der MT Melsungen den nächsten Schritt zu gehen. Bis dahin fokussiert er sich voll auf die Recken und ihre Höhenflüge.

Junger Kader mit vielen Eigengewächsen

„Dass wir so stabil sind, ist Wahnsinn“, sagt er angesichts des mit jungen Eigengewächsen wie Veit Mävers, Vincent Büchner oder Hannes Feise gespickten Kaders. „Wir wissen, dass das nicht ewig halten wird. Aber es macht Spaß, ein bisschen aufmüpfig zu sein.“

Großen Anteil am derzeitigen Erfolg hat laut Kastening Trainer Carlos Ortega, der den Recken und ihrem Spiel einen spanischen Touch mit dominantem Kreisläuferspiel verpasste. „Er könnte jede Mannschaft der Welt trainieren und würde sie besser machen“, sagt der Linkshänder. Er selbst entwickelte sich unter der Regie des Spaniers, der 2017 aus Kopenhagen an die Leine kam, von einem jungen Heißsporn zu einem „kontrolliert-emotionalen“ Spieler.

Mama auf dem Handgelenk

Dafür war allerdings nicht nur Ortega verantwortlich, sondern auch ein Rat vom großen Bruder Marius, der in der Saison 2013/14 für den TSV Altenholz auflief. Um sich im Spiel einfacher beruhigen zu können, schreibt Kastening sich seit einigen Jahren Schlagworte auf ein Stück Tape am Handgelenk.

„Als erstes habe ich einfach das Wort ,Mama’ draufgeschrieben. Da habe ich im Spiel immer mal draufgeguckt, und es hat mir geholfen, ruhig zu bleiben.“ Inzwischen variieren die Namen auf dem Tape, auch taktische Begriffe sind hinzugekommen. „Zum Beispiel eine bestimmte Auslösehandlung des Gegners, die auf meiner Position stattfindet“, erzählt er, dessen Lieblingserinnerungen an Kiel aus der vorletzten Saison stammen. "Das war die Saison, in der wir dreimal Kiel schlagen durften. Da waren wir im Team unglaublich stolz drauf", sagt Kastening und kündigt an: "Jeder wird am Sonntag brennen und heiß auf das Spiel sein. Wir wissen, wenn wir bei uns bleiben und diszipliniert spielen, geht da was.“

Verzerrte Tabelle bis in den Dezember

Genau wie der THW haben die Recken bisher erst vier Minuspunkte auf dem Konto – eine Niederlage in Melsungen, Unentschieden gegen die Rhein-Neckar Löwen und bei der HSG Wetzlar. Dass die Kieler in der Tabelle derzeit auf dem sechsten Platz rangieren, liegt daran, dass sie zwei Liga-Spiele in den Dezember verlegen mussten. Am zweiten Spieltag konnten sie wegen des Super Globes in Saudi-Arabien nicht in Stuttgart antreten. Das Heimspiel gegen Balingen konnte nicht wie geplant am letzten September-Wochenende stattfinden, weil die Sparkassen-Arena im Zuge der Vorbereitungen für die Feierlichkeiten am Tag der deutschen Einheit belegt war. Die unverfälschte Tabelle gibt es erst am 19. Dezember nach dem Nachhol-Spiel gegen Balingen zu sehen.

Das Ergebnis am Sonntag wird großen Einfluss darauf haben. Während die Hannoveraner eine ganze Woche Zeit zur Vorbereitung hatten, machten die Kieler am Mittwoch noch einen Champions-League-Abstecher nach Porto, wo sie sich durch den 30:29-Sieg in letzter Sekunde nach knappen Niederlagen in Mannheim und im Heimspiel gegen Porto zurück in die Erfolgsspur kämpften.

Jicha erwartet "heißes Spiel"

"Die Jungs haben in Porto alles gelassen. Das hat mir von der Einstellung her deutlich besser gefallen als im Hinspiel", sagt THW-Trainer Filip Jicha, der im Spitzenspiel auch auf die Unterstützung von den Rängen in der ausverkauften Sparkassen-Arena hofft. "Ich erwarte ein heißes Spiel und hoffe, die Halle wird uns tragen", sagt der Tscheche.

"Wir sind jetzt in der Phase der Saison, in der es ein bisschen zäh wird. Aber jammern bringt nichts, wir werden einfach weitermachen und freuen uns darauf, uns mit Hannover zu messen."

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