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THW Kiel THW erwartet HSG Balic
Sport THW Kiel THW erwartet HSG Balic
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00:17 20.09.2013
Von Wolf Paarmann
Der zweimalige Welthandballer Ivano Balic (li.), hier im Duell mit dem Hamburger Matthias Flohr, löste mit seiner Unterschrift bei der HSG Wetzlar eine Handballeuphorie in Mittelhessen aus. imago Quelle: imago
Kiel

„Ich hoffe nicht“, sagte Alfred Gislason. „Sonst beende ich die Saison mit weißen Haaren.“ Gänzlich verarbeitet hat der THW-Trainer das jüngste Drama in zwei Akten noch nicht, auch die Wende nicht, die sein Landsmann „Goggi“ Sigurdsson beim Stand von 15:23 einleitete. „Fängt er nicht im Gegenstoß der Gummersbacher den Ball, zieht der VfL auf neun Tore davon. Das hätten wir nicht mehr aufgeholt.“ Wetzlar sieht er mit Gummersbach auf Augenhöhe, obwohl den Gästen sechs Stammspieler fehlen werden.

 Gislason muss voraussichtlich erneut auf Aron Palmarsson verzichten, der nach seiner Knieoperation geschont werden sollte, gegen den VfL aber dann doch ein sinkendes Schiff retten musste. Der Preis: Der Isländer humpelt. „Ich hoffe, dass er uns gegen Plock helfen kann“, sagte Gislason, der am Wochenende mit dem THW in die Champions League startet. Dagegen meldet sich Rasmus Lauge zurück. Der Däne laborierte an einer Schulterprellung und konnte beim jüngsten 29:23-Erfolg in Eisenach nur Bälle verteilen, hart werfen konnte er sie nicht. Gestern stand noch ein kleines Fragezeichen hinter Christian Zeitz, der im Training mit Patrick Wiencek zusammengeprallt war. Seine Knieschmerzen waren so groß, dass er am Sonnabend in Eisenach nur in der Deckung mitwirken konnte.

 Der THW muss improvisieren, das ist dem Rekordmeister nicht fremd. Neu ist der Zeitpunkt. „Eigentlich sind wir sonst erst Ende Dezember, nach vielen englischen Wochen, in einer derartigen Situation“, sagte Gislason, der hofft, nicht noch einmal einen Gummersbach-Start erleben zu müssen. „Das war die beste erste Halbzeit, die jemals eine Mannschaft im Wachkoma gespielt hat.“

 Auch sein Kapitän Filip Jicha hofft, dass alle ihre Lehren gezogen haben. „Damit haben wir unser Sportlerglück aufgebraucht. Diesmal müssen wir von Anfang zeigen, dass wir beide Punkte wollen.“ Vielleicht seien sie sich ihrer Sache nach dem überraschend deutlichen Sieg kurz zuvor in Hamburg (32:26) ein wenig zu sicher gewesen. Auf die Tabelle würde keiner blicken, darüber, dass sie mit 10:0 Punkten gestartet seien, keiner reden. „Wir arbeiten hart, machen gute Fortschritte, nur das ist wichtig“, sagte der Tscheche, der angesichts des Umbruchs vor einem Monat im KN-Interview große Besorgnis geäußert hatte. „Inzwischen bin ich optimistischer, die Mannschaft ist sehr motiviert.“

 Die Mittelhessen reisten gestern trotz der jüngsten Hiobsbotschaften in bester Stimmung nach Kiel. „Ich hoffe, dass sich im Bus nicht noch einer verletzt“, sagte Kai Wandschneider, der bei einer Rast auf der A7 einen Spieler stoppte, der auf dem Weg zum Kinderspielplatz war. „Das Verletzungspech schien mir zu groß“ sagte Wandschneider und lachte. In seiner 25-jährigen Tätigkeit als Trainer hätte er eine derartige Misere noch nicht erlebt. „Das ist eine Katastrophe.“ Sieben Spieler verließen die HSG, die in der vergangenen Saison sensationell Siebter geworden war. Doch eine eingespielte Sechs war geblieben, ein kleiner Trost. Jetzt fehlen auch aus dieser Reihe vier, darunter der Ex-Kieler Tobias Reichmann (Kreuzbanddehnung). Ein Grund für den Galgenhumor Wandschneiders' ist Ivano Balic. „Die Arbeit mit ihm macht riesigen Spaß, er hängt sich hier voll rein.“ Allerdings hätte der Kroate, den Wetzlar erst kürzlich aus dem „Ruhestand“ (Wandschneider) zurückholte, noch großen Nachholbedarf in konditioneller Hinsicht. „Er tut uns trotzdem sehr gut.“ Und dem THW Kiel sehr weh?