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THW Kiel Jedes Spiel ein Endspiel
Sport THW Kiel Jedes Spiel ein Endspiel
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21:17 26.02.2016
Von Tamo Schwarz
Symptomatische Szene aus dem Hinspiel in Berlin: Der ohnehin abgemeldete Torjäger Petar Nenadic (Füchse, Mitte) scheitert am überragenden Niklas Landin (rechts). René Toft Hansen, Domagoj Duvnjak und Steffen Weinhold scheinen die Luft anzuhalten. Quelle: imago
Kiel

Die Füchse wollen nach Europa, die Zebras wollen die Schale. „Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel um die Meisterschaft“, sagt Kiels Linksaußen Rune Dahmke. Dahmke und Fuchs Fabian Wiede – Wiedersehen zweier Europameister. Doch unterschiedlicher könnten die Rahmenbedingungen in den Klubs der Goldjungen nicht sein. Auf der einen Seite die Kieler, deren Verletzungspech durch die EM-Ausfälle Christian Dissinger und Steffen Weinhold eine bittere Krönung erfuhr. THW-Trainer Alfred Gislason will darum von EM-Euphorie nach dem deutschen Sensations-Coup nichts wissen: „Euphorie? Wir tragen mit unseren Verletzten doch die größte Last.“ Auf der anderen Seite die Berliner: Der Langzeitverletzte Paul Drux ist zurück im Rückraum. Trainer Erlingur Richardsson hat personell die Qual der Wahl. Allein die Situation auf Rechtsaußen verdeutlicht, wie sehr der Landsmann von Alfred Gislason in der Hauptstadt aus dem Vollen schöpfen kann. Mattias Zachrisson ist gesetzt. Während der EM-Pause unterschrieb Star-Außen Hans Lindberg vom insolventen HSV einen lukrativen Vertrag bis 2019, so dass Willy Weyhrauch und der Bosnier Faruk Vrazalic urplötzlich in die zweite Reihe abtauchten.

"Der entscheidende Mann"

 „Aber um in Kiel punkten zu können, braucht man ein gutes Selbstvertrauen“, weiß Richardsson vor seiner Premiere in der Kieler Arena. Im Hinspiel am 1. November bröckelte dieses Selbstvertrauen. 45 Minuten lang gestalteten die Füchse die Partie offen. Zwar war Petar Nenadic (Gislason: „Er ist der entscheidende Mann“) – mit 160 Treffern noch immer Top-Torjäger der Liga – komplett abgemeldet. Stattdessen traf Fabian Wiede achtmal. Doch am Ende waren es jeweils acht Tore von Niclas Ekberg, Marko Vujin und Domagoj Duvnjak sowie fantastische 22 Paradenvon Niklas Landin , die den Berlinern das Genick brachen. Vor dem Rückspiel übte sich Füchse-Manager Bob Hanning in Galgenhumor: „Um in Kiel etwas zu holen, muss alles passen. In meiner ganzen Trainer- und Manager-Laufbahn ist mir das aber noch nie gelungen, deshalb habe ich auch beschlossen, zu Hause zu bleiben.“

 Also startete der Berliner Bus am Freitag um 14 Uhr ohne den Manager, während die Zebras nach dem Videostudium ihre einzige Trainingseinheit zwischen Istanbul und Wochenende absolvierten. Umschalten nach dem Geisterspiel vor 80 Zuschauern, an das Rune Dahmke noch immer dachte: „Istanbul ist eine so coole Stadt, und in dieser Halle Handball zu spielen, wäre eigentlich ein Traum. Aber dieses Spiel war wirklich komisch.“ Jetzt gilt es, gegen die Füchse frisch zu sein. Dahmke: „Wir dürfen uns keine Fehler erlauben.“ Seit einer Woche fühle sich Dahmke „voll wieder da“, sei die Post-EM-Müdigkeit vollständig überwunden. „Jetzt ist die Bundesliga die klare Nummer eins.“ Tabellenführung? Torverhältnis? Davon will vorerst indes noch niemand etwas wissen: „Erst einmal müssen wir unsere Spiele gewinnen. Und da wartet mit den Füchsen Berlin ein ganz harter Brocken auf uns“, sagte Linkshänder Marko Vujin. Der Serbe konnte – ebenso wie Domagoj Duvnjak – in Istanbul wertvolle Minuten auf der Bank verschnaufen, Kraft sammeln. Mit der Kraft des Geisterspiels auf Fuchsjagd.

Mittendrin: im Team, in der Stadt. In Istanbul am Mittwochabend zeigte Dener Jaanimaa, wie wichtig er noch für den THW Kiel im Titelkampf der Handball-Bundesliga werden könnte. Kraftvoll im Antritt, stark im Eins-gegen-Eins. In Istanbul kam der Este, sah und warf fünf Tore.

Tamo Schwarz 25.02.2016

Ein Geisterspiel: Vor weniger als 100 Zuschauern sichert sich Handball-Rekordmeister THW Kiel am Mittwochabend um 19.30 Uhr Ortszeit in Istanbul Platz vier in der Champions-League-Gruppe A. Das 32:27 (17:14) gegen Besiktas ist ungefährdet.

Tamo Schwarz 24.02.2016

Dienstreise an den Bosporus. Am Mittwochabend um 18.30 Uhr (19.30 Uhr Ortszeit) tritt der Handball-Rekordmeister THW Kiel in der Champions League bei Besiktas Istanbul an. Ein Spiel aus der Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“.

Tamo Schwarz 24.02.2016