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THW Kiel Das Wunder von Kiel
Sport THW Kiel Das Wunder von Kiel
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12:31 25.05.2014
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Die Spieler des THW Kiel müssen mit einem Duplikat der Meisterschale feiern. Das Original wurde vor dem Spiel nach Mannheim geschickt, weil man glaubte, dass die Rhein-Neckar Löwen Deutscher Meister würden. Quelle: Paesler
Kiel

Wer unmittelbar nach dem Abpfiff in die Gesichter der Kieler Spieler schaute, vermochte den Sieger nicht wirklich auszumachen. Fassungslos standen sie da auf dem Parkett der Kieler Arena. Dann brach kollektiver Jubel aus. Knapp zwei Meter große Männer sausten wie kleine Kinder freudetrunken durch die Halle. An deutsche Meisterschaften hat man sich an der Ostsee zwar fast schon gewöhnt. Doch dieser Titel kam etwas unerwartet. Keine bis ins letzte Detail durchdachte Choreographie, keine aufwändige Verkleidung. Dieses Mal nicht. Noch anderthalb Stunden nach Spielende rang Rückraumspieler Filip Jicha nach den Worten: „Die ganze Meisterschaft war spannend wie noch nie, sie hat einen besonderen Wert“, sagte er. Er hatte zuvor mit elf Toren selbst maßgeblich zum 37:23-Sieg gegen die Füchse Berlin beigetragen.

Es war eigentlich wie immer am Ende einer Saison in Kiel: Neunmal in den vergangenen zehn Jahren hat der THW die Meisterschaft gewonnen. Die Rhein-Neckar Löwen siegten lediglich mit 40:35 beim VfL Gummersbach und verspielten ihren Sieben-Tore-Vorsprung, den sie sich bis zum Saisonfinale erarbeitet hatten. Dementsprechend verwandelten die gut 10 000 Zuschauer die Arena in ein Tollhaus. Danach ging die Sause auf dem Rathausplatz der Stadt so richtig ab. Bereits kurz nach Spielschluss hatten sich dort nach Polizeiangaben 6000 Zuschauer versammelt.

Als die Spieler schließlich gegen 19.30 Uhr in Cabrios vor dem Rathaus vorfuhren, dürften es bereits einige tausend Fans mehr gewesen sein. Was eigentlich als kleine Feier für den THW wegen des erwarteten zweiten Platzes in der Handball-Bundesliga geplant war, geriet zur riesigen Jubelparty.

Plötzlich war der THW wieder Meister — und das zum 19. Mal. „Ich hätte nicht gedacht, dass das noch möglich ist“, sagte Rechtsaußen Christian Zeitz und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Während des Spiels blickte der Co-Trainer der Kieler permanent aufs Handy. „Er hat immer gesagt: Es reicht nicht, es reicht nicht. Wir brauchen Tore, Tore, Tore ….“, berichtete Zeitz. „Normalerweise bin ich immer der Eisblock. Aber heute ist doch die Möglichkeit da, ein bisschen aus sich herauszukommen.“ Geschäftsführer Klaus Elwardt platzte beinahe vor Stolz: „Wir haben alle darauf gehofft, aber geglaubt hat vielleicht doch nicht jeder daran.“ Was die Mannschaft vor allem in der zweiten Halbzeit geleistet habe, „geht in die Annalen ein“.

In einem wahren Handball-Krimi stürmte Rekordmeister THW Kiel zu seinem 19. Titel und fing Fast-Meister Rhein-Neckar Löwen auf der Zielgeraden noch ab. Die Zuschauer tobten vor Begeisterung.

Der Stolz auf seine Mannschaft stand auch Erfolgstrainer Alfred Gislason förmlich ins Gesicht geschrieben. „Das ist einmalig, weil es so eng war“, sagte er. Sein Team habe sich in den vergangenen Wochen trotz Verletzungen die nötigen Punkte erkämpft. Der erneute Titelgewinn sei deshalb unerwartet. Aber auch der Erfolgstrainer aus Island hatte nach dem Schlusspfiff für einen Moment den Überblick verloren.

Aber der THW wäre nicht der THW, wenn sie dort nun alle Hemmungen verlieren würden. Noch vor Einbruch der Dunkelheit hatten die Spieler die Bühne auf dem Rathausplatz verlassen, das nächste Ziel bereits vor Augen. Wegen des Final4 in der Champions League am nächsten Wochenende wolle die Mannschaft „mit angezogener Bremse Gas geben“, erklärte Zeitz, der zum ungarischen Meister MKB Veszprem wechselt. Beim Final4 in Köln haben „die Zebras“ die Chance, zum vierten Mal die Königsklasse zu gewinnen. Dazu müssen sie am 31. Mai im Halbfinale aber zunächst seinen künftigen Verein Veszprem schlagen. Im anderen Halbfinale bekommt es die SG Flensburg-Handewitt mit dem FC Barcelona zu tun.

Auf dem Kieler Rathausplatz feiern hunderte Fans ihren THW Kiel. Die Handballer haben am 34. Spieltag in einem emotionalen und temporeichen Spiel die Meisterschaft gewonnen.

„Den großen Traum haben wir vor Augen, wir sind noch nicht fertig in dieser Saison“, sagte Jicha. Der Titelgewinn sei das beste Training und die beste Vorbereitung für die Endrunde gewesen. „Wir wissen genau, dass wir nicht der Favorit dieses Final4 sind.“ Aber nichts sei unmöglich. Bereits zweimal haben die Kieler in Köln triumphiert. Gislason lud die Mannschaft bereits am Sonntagmorgen um 11 Uhr wieder zum Training. Sorgen bereitet ihm die gesundheitliche Verfassung einiger Spieler, insbesondere der angeschlagenen Rückraumspieler Aron Palmarsson und Jicha.

„Das ist unser größtes Problem momentan, weil die sich von Spiel zu Spiel schleppen“, sagte Gislason. Sie hätten nach den vergangenen Partien jeweils sechs Tage benötigt, um überhaupt wieder Handball spielen zu können. Seine Mannschaft werde aber alles daran setzen, das Finale von Köln zu erreichen. „Wie wir dann mit den Beinen einen Tag später dort nochmal ein Spiel absolvieren sollen, ist mir auch ein Rätsel.“

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