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THW Kiel Achter Sieg in Serie für den THW Kiel
Sport THW Kiel Achter Sieg in Serie für den THW Kiel
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19:43 13.12.2015
Von Tamo Schwarz
Foto: Christian Dissinger (THW Kiel, li.) in einer Spielszene gegen die Leipziger Sergey Zhedik und Alen Milosevic.
Christian Dissinger (THW Kiel, li.) in einer Spielszene gegen die Leipziger Sergey Zhedik und Alen Milosevic. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
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Leipzig

Die Voraussetzungen für das Duell vor einer Leipziger Rekordkulisse von 6327 Zuschauern – darunter mindestens 400 Fans in Schwarz-Weiß – sind wieder einmal durchwachsen. Spielmacher Domagoj Duvnjak (Außenbandriss) und Kapitän René Toft Hansen (Magen-Darm) gehen mehr oder weniger angeschlagen in die Partie, vor der kurzfristig auch noch Linksaußen Rune Dahmke ausfällt – der Nationalspieler war im Training umgeknickt.

Bei einem kurzen Spaziergang über den traditionsreichen Leipziger Weihnachtsmarkt holen sich die Schützlinge von THW-Coach Alfred Gislason unmittelbar vor dem Match dann offenbar die nötige innere Ruhe. In der Arena ist die Besinnlichkeit zwischen dem historischen Etagenkarussell im Salzgäßchen und dem finnischen Weihnachtsdorf auf dem Augustusplatz vergessen. Jetzt fahren die Kieler mit ihren Gegnern Karussell. Nicht sofort, denn bis zum 5:6 (11.) halten die Leipziger, die nach eigenem Bekunden kämpfen wollen, bis ihnen „das Herz im Leib zerspringt“, beherzt mit. Die von Christian Prokop aufgestellte 6:0-Deckung agiert aggressiv und offensiv. Zusätzlich greift der DHfK-Coach zum taktischen Mittel, nicht nur in Unterzahl den Torwart gegen einen weiteren Feldspieler zu tauschen, sondern zuweilen auch einen siebten Mann auf dem Feld zu bringen.

Ab dem 11:7 für den THW Kiel (16.) können die Leipziger den Zentrifugalkräften dieses Karussel-Kuriosums nicht mehr standhalten. Die Kieler 3:2:1-Deckung, später auch die dichte 6:0-Formation lässt bis zur Pause nur noch vier Feldtore zu. Und im Angriff? Dieses Räderwerk aus Parallelstößen, Kraftimpulsen mit voller Wirkung auf die förmlich überrollten SC-Abwehrspieler, aus überbordendem Druck, der das SC-Gefüge zum Bersten bringt, gepaart mit der individuellen Klasse, wird Alfred Gislason nach dem Abpfiff an den Rand des Superlativs verleiten. „Unsere erste Halbzeit war nahezu perfekt.“

Nahezu perfekt sind die Rochaden und vor allem diese glänzenden, öffnenden Pässe des ebenfalls gehandicapten (Adduktoren) Steffen Weinhold. Seine Bälle für Niclas Ekberg (17:11; 25.), gleich danach zu Igor Anic (18:11; 26.) stehen sinnbildlich für das Kräfteverhältnis auf dem Parkett: der THW ist nicht zu bremsen, Leipzig ist schon jetzt zerlegt, kaputtgespielt. Vor dem Halbzeitpfiff setzt Duvnjak den entscheidenden Hieb, trifft das verwaiste Tor (21:13; 30.).

Im zweiten Abschnitt scheinen die Zebras zunächst unersättlich. Christian Dissinger macht in seinem wohl besten Spiel für den THW Kiel seine Tore acht bis elf. Bis zum 29:19 (42.) beträgt der Vorsprung zehn Tore. Am Ende sind es nur noch fünf. „Das ist traurig“, sagt Shooter Dissinger. „Jeden dritten Tag ein Spiel – da spielte vielleicht auch Müdigkeit eine Rolle. THW-Geschäftsführer Thorsten Storm hadert mit den wenig konsequenten Unparteiischen. Zur ganzen Geschichte gehört aber auch der phänomenale Kampfgeist des Aufsteigers, in dessen Reihen jetzt besonders Mittelmann Philipp Pöter über sich hinauswächst. Das Publikum trägt den Underdog, lässt ihn in noch so großer Aussichtslosigkeit nie fallen. Leipzigs Coach Christian Prokop nennt Pöters fünf Tore zum zwischenzeitlichen 28:32 (51.) „Ergebniskosmetik“. „Wir sind einfach nicht mehr ins offene Messer gelaufen. Das spricht für uns. Angriff ist die beste Verteidigung“, sagt Pöter selbst. Für ihn zählt das, was seine Mannschaft „den Zuschauern zurückgeben konnte“. Für den THW Kiel zählen die zwei Punkte.

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