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THW Kiel THW Kiel gewinnt in Wetzlar mit 27:23
Sport THW Kiel THW Kiel gewinnt in Wetzlar mit 27:23
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09:50 10.05.2019
Von Tamo Schwarz
Bester Werfer des Rekordmeisters war Rune Dahmke (Foto) zusammen mit Steffen Weinhold. Bei erzielten jeweils fünf Treffer. Quelle: Jan Huebner/Vogler (imago)
Wetzlar/Kiel

Mittelhessen, Wahlkampf in der Shopping-Mall. Der nicht mehr ganz so junge Kandidat will nach Europa. Der THW Kiel auch – möglichst in die Champions League. Dem Ziel Platz zwei und der damit verbundenen Qualifikation für die Königsklasse sind die Zebras am Donnerstagabend einen Schritt näher gekommen, haben ihre Position durch ein 27:23 (15:12) bei der HSG Wetzlar zementiert und ganz nebenbei perfekte Bedingungen für einen echten Showdown am Sonntag geschaffen.

Entschlossenheit zementiert sich vor dem Anpfiff in Kieler Gesichtern. Kurzer Plausch an der Mittellinie – deutsch (Wolff/Holst), schwedisch (Ekberg/Lindskog), österreichisch (Bilyk/Hermann). Dann wird es ernst. Zweimal in Folge waren die Kieler in Wetzlar bruchgelandet. Und ein „Freundschaftsspiel“ am Sonntag kann nun wirklich niemand gebrauchen. Darauf hatte THW-Coach Alfred Gislason mit Nachdruck hingewiesen.

Nach fünf Minuten "Volle Kraft voraus!"

Königsklasse hin oder her – es geht schließlich noch um die Meisterschaft. Eine Niederlage in Wetzlar, und das 99. Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt am Sonntag wäre eben nur noch ein „Freundschaftsspiel“. Dazu wird es nicht kommen. Wetzlar: fast in Bestbesetzung. Der THW: fast in Bestbesetzung. Nach unruhigen fünf Minuten mit THW-Problemen im gebundenen Angriffsspiel stellt der THW den Gashebel auf „Volle Kraft voraus“.

Die (offensive) 6:0-Deckung mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler im Innenblock sowie Harald Reinkind und Domagoj Duvnjak auf den Halbpositionen entfaltet ihre ganze Kraft, katapultiert Rune Dahmke in den (erweiterten) Gegenstoß. „Hattrick“ der Kieler Nummer 23 – 6:1 (12.). Pekeler blockt auf der anderen Seite Stefan CavorAlfred Gislason reißt die Arme zur Siegerpose (inklusive Urschrei) in die Luft! Wenn die phasenweise nervöse, überhastete HSG doch mal trifft, kontert der Gast erbarmungslos mit schneller Mitte (Duvnjak zum 9:4/15.). Doch im Positionsspiel mit Duvnjak, Reinkind und Miha Zarabec im Rückraum hakt es weiter.

Kieler Fehlwurffestival

Wetzlar veranstaltet ein Fehler-, der THW zwischenzeitlich ein Fehlwurffestival. Gislason ärgert sich „schwarz“, kann sich die schlechte Wurfquote „nicht erklären“. Ekberg an die Latte (11.), Wiencek im Gegenstoß an die Latte (20.), HSG-Keeper Tibor Ivanisevic fängt den Wurf von Zarabec (22.), der beim Stande von (nur noch!) 10:9 für den THW sofort Nikola Bilyk weichen muss. Bilyk kommt, trifft nach zehn Sekunden (11:9/23.), trifft noch einmal (12:9/25.), bedient Wiencek (14:10/28.) – Gislasons Glücksgriff.

Komfortabel ist der Pausenvorsprung (15:12) nicht. Beim 18:19 (43.) ist Wetzlar wieder in Schlagweite, stabilisiert sich defensiv, behält einen kühlen Kopf, weiß das frenetische Publikum hinter sich, gleicht aus (20:20/47.). Der THW tut sich schwer, profitiert von Einzelleistungen, leidet unter allzu vielen Fehlern, findet im Angriff keinen Rhythmus. Mit Nilsson und Bilyk entweicht der Druck aus dem Kessel, also zurück zu Duvnjak/Zarabec, zurück aus der 6:0- in die 3:2:1-Formation. Niclas Ekberg spielt „ziemlich daneben“ (Gislason), Ole Rahmel kommt und trifft erst den Pfosten, dann das Tor.

Bis zum 23:23 - Drama!

Drama! Bis zum 23:23 ein Krimi in Mittelhessen (54). Und dann? „Dann sind wir ziemlich cool geblieben, nachdem wir 100-mal verschossen haben“, sagt THW-Käpt’n Domagoj Duvnjak. Bis zum 27:23-Endstand gelingt der HSG kein einziges Tor mehr, schließt Andreas Wolff sein Tor ab. „Wir machen zu viele Fehler, um noch mehr erreichen zu können“, sagt HSG-Trainer Kai Wandschneider. „Die letzten zwei Jahre haben wir vergeigt, das war im Kopf, wir waren nicht locker“, sagt Rune Dahmke. „Aber das ist jetzt abgehakt. Das war wie ein Halbfinale. Und jetzt haben wir auch die Qualität, Flensburg zu schlagen.“ Am Freitagmittag treten die Kieler ab Frankfurt die Heimreise an. Ausgeruht für den Showdown.

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