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THW Kiel THW Kiel im speziellen Abwehrkampf
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00:17 09.02.2014
Von Ralf Abratis
Foto: THW-Manager Klaus Elwardt.
THW-Manager Klaus Elwardt. Quelle: pae
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Kiel

Für die Trainer und Manager der Nordclubs, THW, SG Flensburg-Handewitt und HSV Handball, gibt es daher viele Aufgabenfelder zu beackern, um die Probleme zu lösen. „Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2015 wäre nicht nur für die Nationalmannschaft, sondern auch für die Vereine sehr wichtig“, erklärt SG-Manager Dierk Schmäschke und wird von seinem Trainer Ljubomir Vranjes bestätigt: „Das macht sich sofort in den Klubs bemerkbar. Ist die Nationalmannschaft bei einem Turnier dabei, kommen mehr Kinder in die Halle.“ Für THW-Manager Klaus Elwardt ist der Auftritt der Deutschen aber auch für die internationalen Turniere selbst wichtig: „Man hat es bei der EM in Dänemark gesehen. In Aarhus, das der deutsche Vorrunden-Spielort hätte sein sollen, waren die Hallen fast leer.“

 Auch THW-Trainer Alfred Gislason sieht eine besondere Bedeutung der deutschen Nationalmannschaft – insbesondere für die Bundesliga. Deshalb seien die Vereinstrainer auch am intensiven Austausch interessiert. Doch die hohen Belastungen in der Bundesliga und den europäischen Wettbewerben schränkten die Möglichkeiten ein, die Spieler längere Zeit abzustellen. „Das Problem für die Nationalmannschaft ist daher der Rhythmus. Sich in Kurzlehrgängen vorzubereiten, ist schwierig.“ Zudem könne der Bundestrainer nicht unbedingt auf seine Wunsch-Sieben zurückgreifen. „Da die deutschen Nationalspieler in der Bundesliga aktiv sind, haben sie eine höhere Belastung als andere Nationen, deren Ligen die Spieler nicht so fordern. Daher verzichten hier einige Spieler mit Rücksicht auf den eigenen Körper auf die Berufung in die Nationalmannschaft. Das gibt es in anderen Ländern nicht“, so Gislason.

 Dass die Terminfülle durch Bundesliga-Spielplan und Einsätze auf Europa-Ebene auch den Zuschauerzuspruch der Vereine belastet, darauf weist HSV-Manager Christoph Wendt hin: „Wir schauen neidisch auf unsere Eishockey-Nachbarn von den Hamburg Freezers. Deren Fans können sich auf Spiele am Freitag oder Sonntag einstellen. Solche Planungssicherheit würde auch bei uns mehr Zuschauer in die Halle bringen“, ist er überzeugt. Und trifft damit die Meinung von Klaus Elwardt: „Das Durcheinanderwürfeln der Spielpläne durch die Champions League ist ein Problem. Denn so ist das Bewerben bestimmter Spiele schwierig.“ Auch der Publikums-Krösus THW bekommt die Halle in der Champions-League-Vorrunde kaum mehr gefüllt.

 Mit Sorge müssen die Nord-Klubs zudem in ihre Region schauen. Die Einstellung des Spielbetriebs bei der HSG Tarp-Wanderup (2. Liga) und der Insolvenzantrag des Drittliga-Teams SV Henstedt-Ulzburg sind mehr als nur Warnschüsse. „Die eingleisige Zweite Liga ist sicherlich gut für die Top-Klubs, die nach dem Aufstieg die hohen Belastungen der Bundesliga gewöhnt sind, aber für viele Mannschaften ist es schwierig“, sagt Schmäschke. Ein Modell mit einer geteilten Zweiten Liga, die nach normalem Ligabetrieb in Play-Offs und Play-Downs um Titel und Abstieg spielt, sollte zumindest angedacht werden, um Kosten zu senken, so Elwardt.

 Der THW-Manager muss derzeit allerdings auch einen Abwehrkampf auf anderem Gebiet ausfechten. Zum Jahresbeginn wurde dem THW die Erteilung des Jugendzertifikats – im Gegensatz zu 14 anderen Klubs – durch die Handball-Bundesliga versagt. Damit müsste der THW in einen Jugendfonds einzahlen – und zwar in der Höhe von einem Prozent seiner Personalkosten. Rund 72000 Euro wären damit für die Kieler fällig. „Wir haben gegen den Bescheid Widerspruch eingelegt. Bei uns funktioniert die Jugendförderung, wie man am Beispiel von Rune Dahmke sieht (der 20-jährige Kieler hat zur kommenden Saison einen Profivertrag unterschrieben, d. Red.)“, sagt Elwardt. „Wir erfüllen auch alle Bedingungen für das Jugendzertifikat bis auf das Angebot von Vormittags-Trainingsstunden. Und da sind uns die Hände gebunden, weil wir keinen Einfluss auf die Stundenpläne der Schulen haben.“ Für Elwardt gibt es eine Lösung: „Eine Eliteschule des Sports würde helfen. Dann könnte man die Spitzensportler zusammenfassen und mit ihnen während der Schulzeit arbeiten – gegebenenfalls auch Fußballer und Segler.“