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THW Kiel THW Kiel kritisiert Handball-Termin-Hatz
Sport THW Kiel THW Kiel kritisiert Handball-Termin-Hatz
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07:21 21.09.2019
Von Tamo Schwarz
THW-Trainer Filip Jicha kritisiert die Termin-Hatz. Seine Spieler sind für ihn "moderne Gladiatoren". Quelle: Sascha Klahn
Solingen/Veszprém

Um 10 Uhr am Freitag verließ der Tross des THW Kiel den Schoß der pittoresken Altstadt von Solingen. Ziel nach dem Frühstück im „Gräfrather Hof“ war allerdings nicht die norddeutsche Heimat. Via Düsseldorf und Wien ging es direkt an den Balaton. Beim ungarischen Vertreter Telekom Veszprém steht bereits am Sonnabend (17.30 Uhr, Liveticker auf KN-online) die nächste Pflichtaufgabe in der Handball-Champions-League auf dem Programm.

Viktor Szilagyi: "Das ist eine Zumutung"

Es gibt Fortsetzungen, die braucht kein Mensch. Das schlaffe Sequel „Und wieder 48 Stunden“ mit Eddie Murphy und Nick Nolte ist so ein Beispiel. Und wieder (nur) 48 Stunden – oder besser: rund 45 Stunden zwischen Ab- und Anpfiff. Das sorgt beim deutschen Rekordmeister für Zorn, der sich am Donnerstag nach dem mühevollen 34:29 (17:17) beim Bergischen HC entlud. Zorn, den THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi in Richtung Handball-Bundesliga (HBL) in Worte fasste: „Eine fragwürdige Konstellation. Man hat gesehen, dass wir in der Bundesliga bei einem ambitionierten Gegner wie dem BHC 60 Minuten lang 100 Prozent geben müssen. Dass der Reisetag gleichzeitig Regenerationstag ist, ist ein Wahnsinn! Das darf nicht zur Normalität werden. Warum können deutsche Mannschaften, die in der Champions League spielen (der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt, d. Red.), nicht mittwochs in der Bundesliga spielen? Das ist eine Zumutung.“ 

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Konstellation kommt noch dreimal im Oktober und November

Weil die HBL aber gemäß Fernsehvertrag an den festen Spieltagen Donnerstag und Sonntag anpfeift, kommt eine fast identische Donnerstag-Sonnabend-Konstellation schon bald noch dreimal auf die Zebras zu: am 10./12. Oktober (Heimspiel Nordhorn/Skopje auswärts), 17./19. Oktober (Wetzlar auswärts/Montpellier auswärts) sowie am 28./30. November (Erlangen auswärts/Heimspiel Montpellier, weil die Sparkassen-Arena als zusätzliches Problem am Sonntag nicht zur Verfügung steht). 

Filip Jicha: "Spieler sind moderne Gladiatoren"

Zustände, die THW-Chefcoach Filip Jicha „traurig“ machen. „Schon von Mittwoch bis Sonnabend wäre ja super schwer. Veszprém hat sich doch mit einem lachenden Auge unser Spiel am Donnerstag angesehen. Aber wir wollen das niemals als Ausrede gelten lassen“, betont der Tscheche. „Ich bin damals als Spieler genau so kaputt gegangen, und meine Jungs haben heute noch einen Tag weniger Pause. Wir stoßen an Grenzen. Die Spieler sind moderne Gladiatoren, aber sie werden am Sonnabend Gas geben wie immer, ihre Seele auf dem Feld lassen.“

HBL veweist auf TV-Vertrag

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann verwies am Freitag im Gespräch mit KN-online auf den TV-Vertrag und erneute Gespräche am Rande des Supercups zwischen HBL, TV-Anstalten und Bundesliga-Vereinen. „Spieltage der HBL sind Donnerstag und Sonntag. Im begrenztem Umfang sind Ausweichtermine am Samstag möglich. Diese Terminierung wurde vor Abschluss unserer TV-Verträge mit allen Klubs abgesprochen, und zwar in Kenntnis des Risikos, dass es zu 48-Stunden-Konflikten kommen kann. Dem haben alle Klubs ausdrücklich zugestimmt“, so Bohmann. Bohmann kündigte allerdings an, in der K.o.-Phase ab dem Achtelfinale 48-Stunden-Abstände zu vermeiden und „Verlegungen zu ermöglichen“. 

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