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THW Kiel THW Kiel setzt sich gegen Porto durch
Sport THW Kiel THW Kiel setzt sich gegen Porto durch
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00:15 15.10.2013
Von Wolf Paarmann
Wael Jallouz hatte zu große Schwankungen in seinem Spiel. Quelle: pae (Archiv)
Porto

Die Begeisterung rund um das Spiel war gewaltig, die Stimmung beeindruckend. „Für uns ist die Champions League eine ganz große Sache“, sagte Pressesprecherin Joana Moreira. „Und dann ist dieses Spiel gegen Kiel auch noch das erste in eigener Halle.“ Nach zwei Auswärtsspielen, die Porto gegen Kolding (20:25) und Kielce (23:36) verlor, präsentierte sich der Tabellenführer der portugiesischen Liga erstmals in der Königsklasse vor seinen Fans.

Vor der Kulisse hatte THW-Trainer Alfred Gislason großen Respekt gehabt. Beim Videostudium sah er sich auch das Endspiel des Qualifikationsturniers an, das der FC Porto ausgerichtet hatte. In der Verlängerung ließ sich das Team von Ljubomir Obradovic von „euphorischen Fans“ (Gislason) zu einem 26:22-Sieg gegen den rumänischen Spitzenclub HCM Constanta treiben. Auch in den bisherigen Champions-League-Partien hätte Porto lange einen guten Eindruck hinterlassen, so Gislason. „Sie sind immer erst nach 45 Minuten eingebrochen.“

Der jungen FC-Mannschaft fehlen die Wechselmöglichkeiten, zumal mit Alvaro Ferrer und Pedro Spinola zwei Leistungsträger verletzungsbedingt seit Wochen fehlen. Doch auch der THW Kiel hatte große Sorgen mit an die Atlantikküste gebracht. Nach Aron Palmarsson (Knieschmerzen) und Patrick Wiencek (Oberschenkelzerrung) hatte sich kurzfristig auch noch Filip Jicha abmelden müssen. Der Kapitän hatte seinen grippalen Infekt mit Infusionen behandeln lassen, die Verantwortlichen des THW Kiel verschoben seinen Abflug nach Porto um einen Tag. Doch dann fesselte den Tschechen das Fieber endgültig ans Bett. Gislason nominierte Mittelmann Tjark Müller (2. Mannschaft) nach und wollte auch Fynn Ranke (TSV Altenholz), der wie Müller am Trainingslager des Rekordmeisters in Faaborg teilgenommen hatte, mitnehmen. Doch für den Kreisläufer wäre nach seinem Daumenbruch ein Einsatz noch zu früh gekommen.

So verblieb den Zebras mit Rene Toft Hansen nur ein Kreisläufer. Der Däne führte in Vertretung von Jicha die Verbliebenen als Kapitän in ein flottes Spiel, das von Beginn mit offenem Visier geführt wurde. Dessen Rahmen allerdings nicht ganz den gefürchteten Lärmpegel erreichte. Lediglich auf einer Stirnseite der „Dragao Caixa“, dem Drachenkäfig, standen die Fans von Beginn an wie eine Wand. In der ersten Halbzeit ließen sie zunächst die Ohren von Johan Sjöstrand klingeln. Der Schwede hatte allerdings auch noch andere Sorgen, so schmetterte ihm der starke Gilberto Duarto die Bälle aus allen Lagen um die Ohren. Den Rechtshänder bekam die Kieler Deckung in der ersten Halbzeit nicht in den Griff. Bis zur 22. Minute hatte er schon sieben Tore erzielt, Porto führte 13:11, Gislason wechselte Sjöstrand für Andreas Palicka aus.

Die Kieler ließen ihrerseits zu viele Chancen aus, besonders Wael Jallouz hatte zu große Schwankungen in seinem Spiel. Schönen Toren ließ der Tunesier prompt Haarsträubendes folgen. In dieser 23. Minute packte Gislason bereits den B-Plan aus. Als Mittelmann fand sich nun „Goggi“ Sigurdsson wieder, Variante Nummer vier des Rekordmeisters. Lauge rückte in den linken Rückraum, ersetzte Jallouz, der nur noch im Mittelblock zum Einsatz kam. Auch hier mangelte es den Zebras an Alternativen. Allerdings – auch hier war der Tunesier oft zu passiv.

Wie bei der 31:34-Niederlage beim SC Magdeburg am vergangenen Mittwoch rollten die Zebras in der Deckung zunächst rote Teppiche aus, sie selbst mussten sich allerdings jeden Treffer hart erarbeiten. Überzeugen konnte im Angriff nur Marko Vujin. Seine Tore verhinderten, dass der Gastgeber, der sich mehrfach auf drei Tore absetzen konnte, sich lediglich mit einer knappen 17:16-Führung in die Pause verabschiedete.

In der Kabine ließ Gislason den B-Plan wieder in der Schublade verschwinden, nun spielte Christian Zeitz auf der Mitte. Warum auch nicht? In Zeiten ähnlicher Personalnot hatte er wesentlichen Anteil daran gehabt, dass der THW vor sechs Jahren das Champions-League-Finale gegen die SG Flensburg-Handewitt gewonnen hatte.

Jallouz deckte jetzt als Spitze einer Abwehr, die nun den nötigen Biss zeigte, um die wenig beängstigenden Portugiesen in den Griff zu bekommen. Sigurdsson lief unmittelbar nach Wiederanpfiff die ersten beiden Gegenstöße. Die Tore für den THW fielen nun deutlich leichter, zumal den Hausherren um ihren Ein-Mann-Angriff Duarte die Kräfte schwanden. In der 39. Minute führte der THW erstmals mit fünf Toren (23:19), die Gastgeber verloren nun die Nerven. Nach einem harten Foul an Niclas Ekberg, der sich im vollen Lauf befand, kassierte Innenblocker Daymaro Salinas seine dritte Zeitstrafe – die Risse in der FC-Abwehr wurden größer, doch die Zebras wurden wieder nachlässiger, versäumten es, die Luft frühzeitig aus dem Spiel zu nehmen. Zwar war auf Palicka Verlass, weil seine Kollegen aber beste Chancen in Serie ausließen, kämpfte sich Porto noch einmal auf drei Tore heran (25:28/53.). Erst das neunte Tor von Vujin, sein Treffer zum 30:26, sollte drei Minuten vor dem Abpfiff die Entscheidung für den dreimaligen Champion bringen.

FC Porto: Laurentino (1. bis 41. Minute/6 Paraden), Bravo (ab 41./6) – Carvalhais, Duarte (9), V. Santos (n.e.), Ferraz, Alvez, Moniz, Salina (1), Rocha (6), Moreira (3/1), Davyes (1), H. Santos (n.e.), Rosario, Pereira (n.e.), Schubert (7)

THW Kiel: Sjöstrand (1. bis 23. Minute/5 Paraden), Palicka (ab 23./10) – Toft Hansen (6), Sigurdsson (6), Sprenger (n.e.), Ekberg, Lauge (4), Zeitz (1), Jallouz (4), Klein (1), Vujin (9/2), Müller (n.e.)

Schiedsrichter: Nikolic/Stojkovic (Serbien) – Strafminuten: Porto 8 (3x Salina, Ferraz), Kiel 8 (2x Lauge, Rene Toft Hansen, Jallouz) – Disqualifikation: Salinas (Porto/39.) nach seiner dritten Zeitstrafe - Siebenmeter: Porto 3/1 (Rocha warf einen Meter über das Tor, Moreira scheitert an Palicka), Kiel 2/2 – Spielfilm: 1:0, 1:2 (2.), 2:2, 3:4 (6.), 5:4, 5:7, 7:7 (10.), 8:9 (16.), 12:11 (21.), 14:11, 14:13 (25.), 15:14, 17:14, 17:16 (Hz.) – 17:18, 18:20 (35.), 19:24, 20:25 (42.), 23:28, 25:28 (51.), 26:29 (55.), 27:31 (60.) - 2225 in der ausverkauften Dragao Caixa.