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THW Kiel Zebras unterliegen der SG Flensburg
Sport THW Kiel Zebras unterliegen der SG Flensburg
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22:47 10.05.2018
Von Tamo Schwarz
Kein Durchkommen für die Zebras: Patrick Wiencek wird von Tobias Karlsson (SG Flensburg-Handewitt) gestoppt. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Es ist das 97. Nordderby, zugleich ein Rennen um Europa in voller Fahrt. Die SG strebt in die Champions League, schielt mit einem Auge auf die Meisterschaft. Der THW will in den EHF-Cup, was gleichbedeutend mit der dann 25. Europacupsaison in Serie wäre. Es geht also um alles, und nichtsdestotrotz beginnt der Abend mit einer tollen Geste. 17 Jahre lang hat Mattias Andersson Tore in der Handball-Bundesliga gehütet, davon sieben (2001-2008) bei den Zebras, mit denen der heute 40-Jährige EHF-Cup und Champions League gewann, Meister und Pokalsieger wurde. Grund genug, einen der ganz Großen der Liga (noch einmal) gebührend zu verabschieden.

Wiencek humpelt verletzt vom Feld

Und so erweist die Kieler Wand aus Fans dem Schweden vor seinem insgesamt 55. Nordderby mit Standing Ovations die Ehre, schaltet dann prompt in den Derbymodus. Der wird schon in der siebten Minute durch eine Schrecksekunde erschüttert: Rasmus Lauge trifft im Fallen zum 4:1 für die SG, und ausgerechnet der unverzichtbare Patrick Wiencek humpelt verletzt vom Feld. Vier Minuten später ist der Kreis-Koloss wieder da. Mittlerweile spielen Steffen Weinhold und Kapitän DomagojDuvnjak für Lukas Nilsson und Marko Vujin im Rückraum, der insgesamt wenig Gefahr verbreitet. Christian Dissinger geht weite Wege, beweist Auge für seine Mitspieler, doch die Kieler Zebraherde bringt es bei 13 Fehlwürfen und zehn Treffern zur Pause auf eine miese Quote. Da hilft es bis zum 10:15-Halbzeitstand auch nur bedingt, dass Andreas Wolff mit guten Paraden für emotionale Momente sorgt und Linkshänder Holger Glandorf im SG-Dress komplett den Zahn zieht.

„Wir sind von Anfang an in einem Flow“, stellt SG-Coach Maik Machulla später fest. Auf der anderen Seite: harte Arbeit.

Gewitterluft in der Sparkassen-Arena

Pfosten (Santos/23.), Latte (Vujin/27.), Latte (Duvnjak/29.) – dann kommt zu einem pomadigen Positionsspiel des Rekordmeisters auch noch Pech hinzu. Und wo zunächst bis zum 10:11 (27.) – auch dank einer konsequenten Deckungsarbeit mit Wiencek und Dissinger im Innenblock – noch alles offen ist, der quirlige, aber kleine Miha Zarabec auf Halblinks im Rückraum zwar Geschwindigkeit aufkommen lässt, aber wenig Durchschlagskraft, reichen der SG ein paar Minuten zum temporären Halbzeitglück. Lasse Svan, Magnus Rød und Hampus Wanne lassen die Zebras temporeich irgendwie dumm aus der Wäsche gucken. In jeder Hinsicht: dicke Gewitterluft in der Sparkassen-Arena.

Rune Dahmke kehrte zurück

Die verzieht sich nach der Pause kurzfristig. Zweimal Niclas Ekberg und Lukas Nilsson zaubern einen 3:0-Lauf aufs Parkett (13:15/33.), ehe Nikola Bilyk per Tempogegenstoß frei am starken Mattias Andersson scheitert (34.). THW-Trainer Alfred Gislason nennt das einen „Knackpunkt“. Der THW bleibt dran, auch dank Rune Dahmke, der nach überstandener Schambeinentzündung sein erstes Spiel seit dem 24. Februar bestreitet und zwei glänzende Tore macht. Der THW stemmt sich gegen die Niederlage, auch dank Patrick Wiencek, der sechsmal trifft und mit zum Teil genialen Zuspielen bedacht wird (Bilyk, Weinhold, Zarabec). Der THW kommt aber nicht mehr näher heran als beim 20:22 (49.). Weil sich die Offensive im Anschluss zerfahren präsentiert, die SG aus allen Lagen trifft, mit Rasmus Lauge in dieser Phase den entscheidenden Mann auf dem Feld weiß, während bei den Zebras auch ein Torwartwechsel von Andreas Wolff zum angeschlagenen (Zeh) Niklas Landin (48. bis 52.) und zurück zu Wolff nicht fruchtet. Flensburg zieht auf 27:20 davon (56.), die Fans aus dem Norden singen „Auswärtssieg!“, zelebrieren eine Polonäse, und der THW ist nun noch mehr auf Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen, um den EHF-Cup noch zu erreichen.

Es ist wieder Derbyzeit: Zum 97. Mal stehen sich am Donnerstag (19 Uhr) der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt gegenüber. Für die Landesrivalen geht es in der Handball-Bundesliga um wichtige Punkte, Selbstvertrauen für den Saisonendspurt und natürlich ganz viel Prestige.

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