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THW Kiel Zebras unterliegen den Löwen knapp
Sport THW Kiel Zebras unterliegen den Löwen knapp
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10:23 23.03.2017
Von Tamo Schwarz
Niedergeschlagene Zebras nach dem Aufholkampf. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

 „Eine Niederlage mit nur einem Tor – die Hoffnung lebt, dass wir im Rückspiel etwas reißen können“, sagte THW-Trainer Alfred Gislason nach der Begegnung vor 9500 Zuschauern in der Kieler Sparkassen-Arena.

Löwen-Kreisläufer Hendrik Pekeler hatte bereits vor der Begegnung den richtigen Riecher bewiesen. „Ich glaube, dass Steffen Weinhold gegen uns sein Comeback geben wird – als Überraschungseffekt.“ Der Nationalspieler soll Recht behalten, allerdings ist der personelle Schachzug von THW-Trainer Alfred Gislason vielmehr auch der Notsituation geschuldet, dass der Isländer kurzfristig sowohl auf seinen Kapitän Domagoj Duvnjak (chronische Überlastung der Patellasehne) als auch auf Kreisläufer René Toft Hansen (Adduktoren-Probleme) verzichten muss. Ohne Leitwolf, Spielmacher und Abwehrchef? Das Wort Katastrophe klingt hier fast untertrieben.

Nichtsdestotrotz wird es wieder so ein taktischer, überraschender, irgendwie unvorhersehbarer Löwen-Zebras-Schlagabtausch. Eigentlich ist diese Powerhandball-Walze aus Mannheim kaum zu stoppen. Gleich am Anfang kommt Kim Ekdahl du Rietz angerauscht – 0:1 (2.). Doch Gislason hat einen Plan, stellt Rune Dahmke an die Spitze einer 5:1-Deckungsformation, der allein in den ersten 15 Minuten einen gefühlten Ironman absolviert und konditionell überragend die Kreise von Löwen-Regisseur Andy Schmid stört und zugleich wieselflink zwischen den Halbpositionen pendelt. Sieht nach einem Plan aus, ist ein Plan, bringt Ballgewinne, und hinter der Abwehr legt Ex-Löwe Niklas Landin furios los, kauft Hendrik Pekeler einen Ball ab (4.), entschärft krakengleich einen Siebenmeter von – noch ein „Ex“ – Ex-Zebra Gudjon Valur Sigurdsson. Bis zum 6:7-Volleyballpritscher-Tor von Nikola Bilyk (16.) ist alles offen.

Apropos Bilyk: Der 20-jährige – in Worten: zwanzig! – Österreicher ersetzt den omnipräsenten Duvnjak in der Rückraum-Mitte wie ein alter Hase, kurbelt das Spiel an, trifft überwiegend gute Entscheidungen, macht Druck, das Spiel aber auch breit, wenn es vonnöten ist. „Das Problem ist die Chancenverwertung – wir sind zu oft zu überhastet“, sagt Alfred Gislason. Dahmke bekommt fünf Minuten Verschnaufpause, Santos kommt rein, Christian Zeitz versucht es mit Gewalt, Vujin kommt rein, und in der 20. Minute ist die 100-tägige Leidenszeit von Steffen Weinhold vorbei, der fortan die Spielmacher-Position einnimmt, am Ende des Tages fünf Tore auf seinem Konto verbucht, glänzende Übersicht beweist und sofort nach der Begegnung erschöpft behandelt werden muss. Wieder spielt sich der ehemalige Kieler Andreas Palicka im Löwen-Gehäuse in einen Rausch. So geraten die Kieler in Rückstand. Das Publikum ist aufgebracht, als ein Ball an den Innenpfosten von Andy Schmid als Tor gegeben wird, der gar nicht hinter der Linie gewesen sein konnte. Spanische Schiedsrichter, wenn im Viertelfinale der FC Barcelona wartet? Das gibt’s nur im Handball. Exzeptionelle Aufholjagden auch: Bis zur 34. Minute ziehen die Löwen auf 16:11 davon.

Gislason bringt Andreas Wolff für Landin, stellt auf eine defensivere 6:0-Deckung um, in der auch der junge Sebastian Firnhaber seine Chance bekommt. Hier wird sich jetzt nichts mehr geschenkt. Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek trägt an seinem 28. Geburtstag eine bedrohlich geschwollene Lippe davon, stabilisiert den Innenblock. Zwischen dem 14:20 (41.) und dem 19:21 (48.) gelingt den Löwen nur ein Tor. Wenn bloß „Palle“ Palicka („Das wird im Rückspiel ein heißer Tanz“) nicht wäre. 20 Paraden sind es am Ende, und der THW sucht sein Heil zusehends in Einzelaktionen: Bilyk, Dissinger, Weinholds leidenschaftliche, ansatzlose Schlagwürfe. Die Zebras bleiben dran: 22:23 (57.), 23:24 (59.), 24:25. Diese moralische Ausnahmeleistung wird belohnt. Ein Tor ist im Handball nichts. Alles ist möglich am Donnerstag kommender Woche in Mannheim.

Von Merle Schaack und Tamo Schwarz

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