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THW Kiel THW Kiel spielt nur um Platz drei
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21:33 30.05.2015
Von Ralf Abratis
Steffen Weinhold und der THW Kiel haben das Halbfinale gegen Veszprem verloren. Quelle: Sascha Klahn
Köln

Damit kommt es am Sonntag zum Champions League Finale zwischen Veszprém und dem FC Barcelona, der zuvor das erste Halbfinale gegen KS Vive Kielce mit 33:28 gewonnen hatte. Den Kielern bleibt nur das Spiel um Platz drei.

In diesem Halbfinale zwischen Kiel und Veszprém verging keine Sekunde, in der die Spieler auf beiden Seiten nicht mit jeder Faser dokumentierten, welches Prestige auf dem Spiel stand und mit welcher Macht sie in das Finale drängen wollten. War das erste Halbfinale zwischen Barcelona und Kielce ein Kampf um das Endspiel, dann war dieses Spiel eine Schlacht. Es waren nicht einmal zwei Minuten gespielt, da machte Steffen Weinhold bereits mit vollem Körpereinsatz eine klare Ansage, worum es ihm und der Mannschaft ging. Dafür musste er zwar zwei Minuten vom Feld, doch die Ungarn zeigten sich zunächst beeindruckt. Die Kieler drückten auf das Tempo, Torwart Andreas Palicka warf sich in die Torschüsse, Trainer Alfred Gislason agierte an der Seitenlinie unter Hochspannung, und beide Mannschaften zeigten eine Körperlichkeit, die an einen Ringkampf grenzte.

In einem wahren Halbfinal-Fight hat der THW Kiel das Endspiel um die Krone des europäischen Handballs verpasst. Sehen Sie sich hier die Bilder von den beiden Halbfinal-Partien und Stimmungen rund um das Final4 an.

Die Start-Viertelstunde gehörte den Kielern, auf 7:4 zogen sie davon. Alle Zebras spielten auf Höchstniveau, und Rune Dahmke, im vergangenen Jahr noch Amateur und jetzt im wichtigsten Finalturnier des Vereinshandballs in der Startformation, zeigte sich ohne Respekt. Rotzfrech verwandelte er seine Chance, pflückte kurz darauf Weltstar Laszlo Nagy aus der Luft. Die Zwei-Minuten-Strafe dafür konnte er verkraften, hatte er doch signalisiert, dass er angekommen ist in der obersten Handball-Etage.

Doch dieses Niveau konnten die Kieler nicht halten. Mit der Einwechslung von Joan Canellas für Aron Palmarsson kam ein Bruch in den Spielaufbau. Die Pässe fanden nicht mehr ihren Adressaten, die Kieler Angreifer liefen sich fest, und die Ungarn taten mit dem Torwart-Wechsel von Roland Mikler auf Mirko Alilovic einen Glücksgriff. Das Spiel kippte. Nach 9:11- und 10:12-Rückstand mussten die Kieler kämpfen, um mit einem Remis in die Pause zu kommen. Es gelang dank Palmarsson, der jetzt wieder auf dem Feld stand und gedankenschnell einen abgefangenen Ball in das verwaiste Veszprém-Tor zum 12:12 (29.) warf.

Doch die Sicherheit wollte nach der Pause nicht in das Kieler Spiel zurückkehren. Im Gegenteil: Palmarsson kassierte sofort eine Zwei-Minuten-Strafe, die Kieler produzierten technische Fehler in Serie, und Alilovic im Veszprém-Tor wurde zum unüberwindlichen Hindernis. Kiel entglitt der Spielfaden. Beim 14:18 in der 35. Minute schrillten die Alarmsirenen. Doch einzig Andreas Palicka sorgte dafür, dass der Vorjahresfinalist, der im vergangenen Jahr das Duell gegen Veszprém mit 29:26 gewonnen hatte, nicht vollends aus der Spur geriet.

Dennoch: Beim 21:27 (49.) schien für Kiel alles verloren. Aber eine Kieler Auszeit, der erfolgreiche Einsatz von Steinar Ege gegen einen Siebenmeter von Momir Ilic sowie die Rote Karte gegen Renato Sulic, der Dahmke beim Tempogegenstoß aus dem Feld schoss, führten Kiel noch einmal zurück. Veszprém wurde nervös, die Fans der Roten tobten. Beim 25:27 (53.) war der Champions-League-Sieger von 2012 wieder auf Tuchfühlung.

Doch es reichte nicht mehr. Spätestens als THW-Kapitän Filip Jicha frei auf Alilovic zulief und scheiterte, waren die Chancen auf einen erneuten Kieler Finaleinzug dahin. Als dann eine Minute später Marko Vujin einen schnellen Angriff verstolperte und den erneuten Anschluss auf 27:29 verpasste, feierte Veszprém seinen Matchwinner: Torwart Mirko Alilovic. Die letzten Tore hatten nur noch statistischen Wert.

Stimmen zum Spiel

Alfred Gislason, THW-Trainer: Glückwunsch, Veszprém war das bessere Team und hat es verdient, das Finale zu erreichen. Am Ende hat Veszprém eine starke Deckung gespielt und wir haben zu viele Fehler gemacht. Wir sind nicht glücklich, aber wir wissen auch, dass hier jede Mannschaft gut genug ist, um das Finale zu erreichen. Wir werden gegen Kielce im Spiel um Platz drei unser Bestes geben.

Carlos Ortega, Veszprém-Trainer: Es ist nicht einfach, Kiel zu Hause zu besiegen. Ich bin deshalb super glücklich. Wir haben es geschafft, die gefährlichen Gegenstöße zu verhindern, das war der Schlüssel. Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Es ist das erste Finale für Veszprém, aber wir wollen mehr. Wir sind hier, um den Titel zu gewinnen.

Filip Jicha, THW: Wir haben es nicht geschafft, unsere Abwehr so zu stellen, wie sie auf diesem Niveau stehen muss. Das ist Veszprém viel besser gelungen. Für einen Mann tut es mir heute besonders leid – Andreas Palicka. Er hat uns lange im Spiel gehalten, obwohl wir so schlecht verteidigt haben. Als wir auf 24:27 herangekommen sind, habe ich die Möglichkeit verpasst, uns noch einmal eine kleine Chance zu eröffnen. Diesen Gegenstoß muss ich verwandeln, das tut mir sehr leid für die Mannschaft. Aber Absicht war es bestimmt nicht.

Steffen Weinhold, THW: Wir haben anfangs und in der Mitte der zweiten Halbzeit zu viele technische Fehler gemacht, Veszprém so zu leichten Toren eingeladen und sind unter Druck geraten. Ob die Abwehr von Veszprém die Härte übertreiben durfte? Nein, das ist ein Halbfinale in der Champions League, da geht es hart zur Sache. Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, dass wir heute verloren haben. Die Enttäuschung ist riesig.

Laszlo Nagy, Veszprém: Wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut verteidigt, aber in der zweiten wurde es mit Mirko (Alilovic, d. Red.) viel besser. Ich freue mich so unglaublich über diesen Sieg.

Statistik

THW KielMKB Veszprém 27:31 (13:13)

Kiel: Palicka (1.-60. Minute, 23 Paraden), Sonne (n.e.), Ege (bei zwei Siebenmetern, 1) – Duvnjak, Lundström, Toft Hansen 2, Sprenger 3, Weinhold 1, Wiencek, Ekberg, Lauge, Canellas 5/3, Dahmke 3, Palmarsson 9, Jicha 2, Vujin 2

Veszprém: Mikler (1.-12., 0), Alilovic (ab 12., 21) – Gulyas, Ivancsik 7, Schuch, Ilic 8, Nilsson 2, Nagy 7, Zeitz 1, Jamali, Ugalde, Marguc, Rodriguez, Terzic, Sulic 4, Lekai 2

Schiedsrichter: Nachevski/Nikolov (Mazedonien) – Siebenmeter: THW 3/3, Veszprém 9/5 (Ilic scheitert an Latte, an Palicka und an Ege, Marguc am Pfosten) – Strafminuten: Kiel 12 (Toft Hansen zweimal, Weinhold, Dahmke, Palmarsson zweimal), Veszprém 12 (Nagy, Terzic zweimal, Sulic dreimal) – Disqualifikation: Sulic (52., dritte Zeitstrafe) – Spielfilm: 2:0, 3:1, 5:3 (11.), 7:4 (15.), 8:8, 8:9 (22.), 9:11, 10:12, 12:12, 13:13 (Hz.), 13:16, 14:18 (35.), 16:19, 17:20 (40.), 18:22, 20:23, 21:25, 21:27 (49.), 23:27, 25:27, 25:29 (56.), 27:29, 27:31 – Zuschauer: 19250

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