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THW Kiel THW Kiel steht im Viertelfinale
Sport THW Kiel THW Kiel steht im Viertelfinale
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01:51 02.04.2018
Von Niklas Schomburg
THW-Rückraumspieler Nikola Bilyk ließ sich auch von Szegeds Thiagus Petrus Goncalves dos Santos (li.) und Bence Banhidi (re.) nicht aufhalten und trug sieben Tore zum Kieler Viertelfinaleinzug bei. Quelle: Sandor Ujvari/MTI/AP/dpa
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Szeged

In der 3200-Zuschauer-Hölle von Szeged brauchten beide Teams keine lange Anlaufzeit. Wie erwartet kochte die Városi Sportcsarnok von Beginn und und tat alles, um das Szegediner Wunder wahr werden zu lassen. Doch der THW Kiel hatte andere Pläne und hielt dagegen. Torhüter Niklas Landin war sofort da, parierte hinter einer beweglichen 6:0-Deckung mit Patrick Wiencek und Domagoj Duvnjak im Mittelblock stark. In der Offensive nahm THW-Spielmacher Miha Zarabec das Zepter in die Hand, neben ihm agierten Christian Dissinger und Marko Vujin, der auch in der Abwehr auf Außen auf der Platte blieb.

Und obwohl Wiencek am Kreis den ersten Kieler Angriff veredelte und Vujin sich von Halbrechts kompromisslos zeigte (2:2/5.), konnte sich Pick Szeged danach erstmals absetzen. Die Ungarn verteidigten nach dem 2:2 in einer 5:1-Deckung mit Jonas Källman an der Spitze und generierten so einige Ballgewinne. Als Vujin per Siebenmeter an Marin Sego scheiterte und kurz danach ein 5:2 an der Anzeigetafel aufleuchtete, kochte die Halle. Doch der THW Kiel kämpfte sich wieder heran, nach elf Minuten vollendete Ole Rahmel einen Tempogegenstoß zum 5:5. „Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen“, sagte der Rechtsaußen später.

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Kampf ist Trumpf

Beide Teams kämpften um jeden Zentimeter und die Zebras waren nicht bereit, auch nur einen zurückzuweichen. 7:7 (16.), 9:9 (20.) – der THW Kiel machte ein starkes Spiel und stemmte sich bravourös gegen Gegner und Halle. Patrick Wiencek untermauerte seine starke Form mit erneut überragender Arbeit am eigenen wie gegnerischen Kreis, brauchte nach 20 Minuten eine kurze Verschnaufpause, Sebastian Firnhaber übernahm.

Nun schlichen sich beim THW Kiel einige kleine Probleme im Angriff ein, hin und wieder fehlte die zündende Idee gegen eine nun extrem offensive 6:0 der Ungarn. Doch auch eine 11:9- und 12:10-Führung brachte die Zebras nicht aus dem Konzept. Der mittlerweile auf Halblinks spielende Nikola Bilyk setzte Einläufer Ole Rahmel perfekt am Kreis in Szene – 11:12 aus Sicht der Kieler (28.). Und dann wurde es gar noch besser: Vujin erzielte mit seinem vierten Tor die 13:12-Führung, zwei Sekunden später war Halbzeit. Es lief alles wie am Schnürchen.

Drei Zeitstrafen in vier Minuten

Die zweite Halbzeit begann etwas rasanter, die Tore fielen nun schneller – ebenso wie die Zeitstrafen. Innerhalb von vier Minuten mussten THW-Kapitän Domagoj Duvnjak, Szeged-Kreisläufer Bence Banhidi und THW-Youngster Nikola Bilyk für zwei Minuten auf die Bank. Doch die Zebras ließen sich von der Hitze auf den Rängen und in der Halle weiter nicht anstecken. Bilyk per schönem Dreher zum 15:14, Kreisläufer-Maschine Wiencek zum 17:16 inklusiver angesprochener Zeitstrafe für Banhidi – aus Kieler Sicht sah das alles sehr gut aus.

Doch die Ungarn hatten sich weiterhin nicht aufgegeben. Mit viel Glück (Pfosten – Landin – Tor) erzielte Ivan Srsen das 19:17 (38.), jetzt drohte dem THW ein wenig der Faden zu reißen. Coach Alfred Gislason reagierte mit einer Auszeit, Nikola Bilyk anschließend mit einer 10-Meter-Granate nach dem letzten Pass im angezeigten Zeitspiel zum 18:19. Doch nun setzte Szeged alles auf eine Karte, experimentierte mit verschiedenen Formationen in Angriff und Abwehr, erarbeitete sich einen Drei-Tore-Vorsprung (21:18/42.). In dieser Phase ließ der THW Kiel die letzte Konsequenz vermissen. „Es gab einige Momente, in denen wir ein bisschen unsere Nerven verloren haben“, sagte THW-Coach Gislason nach der Partie. „Aber insgesamt war das eine starke Charakterleistung von meiner Mannschaft.“

Zebras in entscheidenden Momenten hellwach

Sein Pendant auf Szegediner Seite, Juan Carlos Pastor, versuchte von draußen alles, um noch den letzten Impuls zu geben – was ihm allerdings nicht mehr einbrachte als eine Zeitstrafe, die Srsen absaß. In den entscheidenden Momenten war der THW Kiel nach wie vor voll da: Lukas Nilsson auf Nikola Bilyk am Kreis – 20:21 (44.), Nilsson fängt einen langen Ball ab, Wiencek trifft im Gegenstoß – 23:24 (49.), Zarabec mit toller Einzelaktion – 24:25 (51.). Eine kurze Schrecksekunde gab es für den THW nur noch, als Torhüter Landin mit dem zum Kempa eingesprungenen Srsen zusammenstieß. Die wichtigste Nachricht: Der Däne konnte trotz Kieferschmerzen weitermachen. Die zweitwichtigste: Er verhinderte das Tor.

Sieben Minuten vor Schluss fällt die Entscheidung

Als Wiencek in der 53. Minute zum 25:25-Ausgleich traf, merkten auch die frenetischsten Pick-Fans im Ultra-Block K, dass für Szeged hier nichts mehr ging. Am Ende feierten sie ihr Team wegen eines aufopferungsvollen Kampfes trotzdem, der den Ungarn immerhin einen Sieg bescherte. Dem THW konnte das herzlich egal sein. Die Zebrasdbuchten mit dem 27:28 das Ticket für die Runde der letzten Acht. „In einigen Phasen haben wir zu viele Fehler gemacht, aber wir sind immer zurückgekommen“, sagte Niklas Landin, der von Szeged-Trainer Pastor zum Matchwinner auserkoren wurde. „Das war richtig stark von unserer jungen Mannschaft.“

Im Viertelfinale trifft der THW Kiel nun auf den Titelverteidiger Vardar Skopje aus Mazedonien. Die Partie findet voraussichtlich am 21./22. April 2018 in Kiel statt Der Kartenvorerkauf beginnt am Ostermontag (online) bzw. am Dienstag an allen bekannten Vorverkaufsstellen (z.B. KN-Kundenhalle). Das Rückspiel findet eine Woche später in Skopje statt.

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