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THW Kiel Der Gipfel der Kleinigkeiten
Sport THW Kiel Der Gipfel der Kleinigkeiten
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00:17 27.11.2013
Von Wolf Paarmann
Mit dem Comeback von Aron Palmarsson (24) kehrte im Angriffsspiel des THW Kiel, das sehr auf Kapitän Filip Jicha (li.) zugeschnitten ist, die Vielseitigkeit zurück. Zuletzt besiegten die Zebras die SG Flensburg-Handewitt, hier Lasse Svan Hansen (11) und der Bald-Kieler Steffen Weinhold, im Finale um den DHB-Pokal mit 33:30. Quelle: pae
Kiel/Flensburg

Für Flensburg spricht:

Die 6:0-Abwehr: Diese Variante ist extrem gut eingespielt, die SG spielt sie zudem knüppelhart. Mit Torhüter Mattias Andersson dahinter wird jeder Fehler sofort mit der ersten oder zweiten Welle bestraft. Johan Sjöstrand spielt diese Pässe noch nicht, was aber für mich keine Überraschung ist. Auch wenn ein Spieler vom FC Barcelona kommt, muss er sich in Kiel erst einmal eingewöhnen. Da strömt unglaublich viel auf einen Neuen ein, das lässt auch einen Weltklasse-Torhüter nicht unberührt.

Das Positionsspiel: Von einer 6:0-Abwehr ist dieser Angriff nur schwer zu stoppen. Personen spielen bei der SG im gebundenen Spiel eine eher untergeordnete Rolle, jeder Neuzugang wird so ausgewählt, dass er in dieses inzwischen sehr ausgefeilte System passt. Flensburg bestimmt so das Tempo, auch bei einer Rotation kommt es zu keinem Bruch. Mit Thomas Mogensen, Steffen Weinhold und Holger Glandorf, der zum Derby sicherlich wieder fit ist, verfügt die SG zudem aber auch über sehr starke Einzelkönner.

Der Heimvorteil: Mit ihren Fans im Rücken spielt die SG im Angriff mit noch mehr Risiko. Bekommen sie so einen Lauf, kann sie nur noch ein guter Torhüter stoppen.

Für Kiel spricht:

Das Sieger-Gen: Obwohl die Mannschaft erneut einen großen Umbruch hinter sich hat, ist diese außergewöhnliche Siegermentalität geblieben. Das kenne ich in dieser Form nur vom Fußballmeister FC Bayern München – in den Köpfen der Gegner hat sich die Gewissheit eingepflanzt, dass die Kieler und die Bayern am Ende immer noch einmal wiederkommen. Diese Mentalität wird beim THW den Neuen gleich eingeimpft, auch sie leben diesen Geist inzwischen schon. Der THW spielt eine sehr gute Saison, das hatte ich in dieser Form nicht für möglich gehalten. Der THW Kiel ist einfach ein Phänomen.

Filip Jicha: Es beeindruckt mich sehr, wie er mit dem wahnsinnigen Druck umgeht, der in dieser Saison auf ihm lastet. Damit das THW-Spiel funktionieren kann, musste es ganz auf ihn zugeschnitten werden. Er trägt die Verantwortung, ist er in Top-Form, ist der THW nur schwer zu schlagen.

Der Trainer: Hier sehe ich einen leichten Vorteil für die Kieler, Alfred Gislason verfügt im Vergleich zu Ljubomir Vranjes über mehr Erfahrungen in solchen Spitzenspielen.

Die 3:2:1-Deckung: Am Donnerstag überraschte der HSV die Flensburger mit einer offensiven Deckung. Damit kamen sie lange überhaupt nicht klar, weil so ihre Passwege zugestellt wurden. Das wird auch Alfred gesehen haben. Das Spiel gegen diese offensive Variante ist eine große Schwäche der SG, und Kiel beherrscht neben der 6:0-Deckung auch diese Formation.

Der Kader: Die Flensburger sind zwar in der Breite besser besetzt, aber die Qualität der Kieler ist ein bisschen höher – das kann gerade in einem solchen Spiel den Unterschied ausmachen. Besonders im linken Rückraum ist die SG nur mit Talenten besetzt, gute Leute wie Drasko Nenadic, aber eher vergleichbar mit Spielern wie dem Kieler Wael Jallouz. Auf einer Stufe mit einem Jicha stehen sie nicht.

Der Rhythmus: Kiel musste gegen Dunkerque nicht an seine Grenzen gehen, Flensburg hatte einen Tag später ein deutlich härteres Spiel. Die Kraft spielt in dieser intensiven Phase eine große Rolle, das war zuletzt beim knappen Heimsieg der Löwen in der Bundesliga gegen Eisenach gut zu beobachten.

Das spielt keine Rolle:

Der Rückstand: Flensburg liegt drei Punkte hinter dem THW zurück, verliert die SG, ist die Meisterschaft schon fast entschieden. Trotzdem glaube ich nicht, dass dieser Druck ein Problem sein wird. Im Gegenteil: Das kann sich auch positiv auswirken. Ich kann mich erinnern, dass meine Mannschaften immer dann die besten Spiele gemacht haben, wenn wir mit dem Rücken an der Wand standen. Der Druck ist auch nicht neu, Spiele auf diesem Niveau dürfen einfach nicht verloren werden.

Das Selbstvertrauen: Sicher, die SG hat zu Hause seit zwei Jahren nicht mehr verloren, eine solche Serie ist gut für das Selbstbewusstsein. Aber die Kieler haben nach ihren Startproblemen auch wieder zur gewohnten Stärke gefunden.

Fazi:

Beide Teams befinden sich auf Augenhöhe, es werden am Ende Kleinigkeiten sein, die dieses Spiel entscheiden