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THW Kiel Sjöstrand mit Maltafieber infiziert
Sport THW Kiel Sjöstrand mit Maltafieber infiziert
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00:23 18.04.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Foto: THW-Torwart Johan Sjöstrand hat sich in Katar offenbar mit Maltafieber infiziert.
THW-Torwart Johan Sjöstrand hat sich in Katar offenbar mit Maltafieber infiziert. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die durch Bakterien von Tieren auf Menschen übertragen wird. Hauptinfektionsweg ist der Verzehr von unpasteurisierter Milch und daraus hergestellten Produkten.

„Vielleicht habe ich in Katar Ziegenkäse gegessen“, mutmaßt Sjöstrand, der seit dem Ausbruch des Fiebers sieben Kilo abgenommen hat. „Die Muskeln sind wie im Flug verschwunden, momentan ist schon Treppensteigen eine Trainingseinheit“, sagte er Mittwochabend gegenüber KN-Online.

Sjöstrand, der in der kommenden Saison zum Bundeslisten MT Melsungen wechselt, muss nun eine sechswöchige Antibiotikakur durchlaufen. Auch deshalb rechnet Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker, der Sjöstrands Katar-Theorie für denkbar hält, nicht mehr damit, dass er in dieser Saison noch einmal für den Handballmeister spielen wird. „Dafür ist der Muskelverlust zum jetzigen Zeitpunkt schon zu hoch. Außerdem hat er noch immer Fieber.“

Ganz so pessimistisch wollte Manager Thorsten Storm das Drama um den schwedischen Nationaltorhüter nicht bewerten. „Ich hoffe, dass er noch einmal ins Geschehen eingreifen kann“, sagte Storm. „Aber wichtig ist nur die Gesundheit, und deshalb bin ich erleichtert, dass es jetzt endlich eine Diagnose gibt.“ In den vergangenen Wochen hätte er es angesichts des dauerhaften Fiebers von Sjöstrand „mit der Angst zu tun bekommen“.

Stichwort: Brucellose

Wenn nach einem Urlaubsaufenthalt in Süden plötzlich Fieber, allgemeine Schwäche oder Schweißausbrüche hat, kann eine Infektion mit Bakterien aus der Gattung Brucella dahinter stehen. Der Erreger – ein gramnegatives Stäbchenbakterium – wird meist durch kontaminierte Nahrungsmittel oder den direkten Kontakt mit infizierten Tieren übertragen. Häufigste Infektionsquellen für Brucellose sind nicht pasteurisierte Milch oder daraus hergestellte Produkte wie Ziegen- oder Schafskäse. Die Erreger gelangen über das lymphatische System in die Blutbahn mit der Gefahr der Schädigung wichtiger Organe.

Beim Großteil der Betroffenen verläuft die Brucellose ohne manifeste Symptome. Bis zum Ausbruch der Krankheit mit eindeutigen Symptomen können bis zu vier Wochen vergehen. Typisch ist bei Ausbruch ein wellenförmiger Krankheitsverlauf mit vorübergehendem Abklingen der Symptome (Febris undulans). Nach entsprechenden Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) sind neu auftretende Fälle von Brucellose meldepflichtig. Das Robert-Koch-Institut registriert im Durchschnitt 25 bis 35 Fälle pro Jahr. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Infektionen, die im Ausland erworben wurden, ein Schwerpunkt dabei bildet die Türkei.

Von Merle Schaack und Wolf Paarmann