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THW Kiel Brüderpaar Landin bei den Zebras
Sport THW Kiel Brüderpaar Landin bei den Zebras
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17:22 08.08.2018
Von Tamo Schwarz
Torwart Niklas (li.) und Linksaußen Magnus Landin. Quelle: Uwe Paesler
Herzogenaurach

Vier wache Augen. Zwei blau, zwei grün. Dahinter verbirgt sich viel Achtsamkeit, Zurückhaltung, gar Schüchternheit. „Schüchtern? Das liegt bei uns in der Familie“, sagt Niklas und lacht. Niklas, der ruhige Torhüter, der seine Gegner ausguckt, lange ausharrt, dann blitzschnell reagiert, selten emotionale Explosionen erlebt. Ganz anders als sein Pendant zwischen den Pfosten, Andreas Wolff, der selbst im Trainingslager bei noch so kleinen Spielchen oder Sprints auf der Laufbahn bei Niederlagen auszubrechen vermag wie ein Vulkan, ohne Rücksicht auf Mitspieler und Verluste. Niklas (2,01 Meter) ist der Große, Magnus der Kleine. Klein, aber mit 1,98 Metern ziemlich groß für einen Linksaußen. Einer, der das Geradlinige dem Trickwurf vorzieht, der große Defensivfähigkeiten besitzt. Die perfekte Ergänzung auf Linksaußen zum sprunggewaltigen, variantenreichen Rune Dahmke.

THW-Brüder gab es in den Sechzigern schon einmal

Das gab es doch schon mal? Lange her: Wolfgang Struck (Jahrgang 1939) war der Ältere, Torwart, Enfant terrible. Er betrieb ein Café auf der Düsseldorfer „Kö“, verspekulierte sich an der Börde, holte Horst Bredemeier zu TuRU Düsseldorf. Sein jüngerer Bruder Bernd (Jahrgang 1940) war Linksaußen. Beide wurden 1962 und 1963 mit dem THW Kiel deutscher Meister. Ein gutes Omen? Niklas hat seinen Vertrag in Kiel bis 2021 verlängert, Magnus hat zunächst bis 2020 unterschrieben. Beide haben schon oft gemeinsam das Trikot der dänischen Nationalmannschaft getragen, Magnus bringt es sogar schon auf 38 Länderspiele, Niklas auf 185. „Es ist schön, dass Magnus jetzt in Kiel ist, denn sonst haben wir uns ja gar nicht so oft gesehen.“ Sieben Jahre trennen die beiden. „Sieben Jahre, in denen Niklas immer mein Vorbild war. Als er Profi wurde, dachte ich: Das will ich auch.“

Niklas zieht aus, als Magnus erst elf Jahre alt ist

Die Landins wachsen in Søborg bei Kopenhagen auf, Mama Annette und Papa Karsten waren beide Kreisläufer. Doch als Niklas mit 17 nach Svendborg auszieht, um die Handball-Welt zu erobern, ist Magnus gerade erst elf Jahre alt. „Ich bin früh weggezogen, dann war er alleine das Kind zu Hause. Das war ja noch, bevor er Teenager war.“ Magnus verfolgt sein großes Vorbild aus der Ferne. Niklas geht nach Silkeborg (2010), zu den Löwen (2012), nach Kiel (2015), sammelt Titel und Medaillen vom dänischen Meister bis zu EM-Gold (2012). Magnus wechselt 2014 mit 19 Jahren nach Kolding und wird auf Anhieb dänischer Meister. Der Wuschelkopf, das Nesthäkchen passt in die Fußstapfen des Ausnahme-Torhüters. Niklas hat sieben Jahre Vorsprung. Er und Ehefrau Liv bekommen den kleinen Pelle (3), im Februar dieses Jahres auch noch Baby Silje. Und Magnus? Kommt oft zu Besuch nach Kiel, Neffe und Nichte lieben ihn. Die Brüder, die so weit voneinander getrennt ihre Kreise ziehen, haben ein enges Verhältnis. „Egal wo, Magnus ist immer sehr beliebt“, sagt Niklas. In seiner Stimme klingt eher brüderliche Wärme als Neid. „Es dauert allerdings ein bisschen bei ihm, bis er aus sich herauskommt. Er ist ein wenig schüchtern.“ Liegt schließlich in der Familie. In Kiel hält er ein wenig Abstand vom großen Bruder in Neu-Meimersdorf, ist in die Innenstadt in die Nähe des Sophienhofes gezogen. Spielfeld für einen 22-Jährigen. Die Eltern freuen sich so oder so: „Jetzt müssen sie nicht mehr über Kolding nach Kiel fahren“, sagt Niklas. Er ist (noch) wichtigster Fixpunkt für Magnus. „Noch einmal Olympia erleben, und dann auch noch mit Magnus – das wäre toll“, sagt Niklas, der 2016 mit Dänemark den Olympiasieg feierte. „Im Training ist es egal, wer vor mir steht oder auf das Tor wirft“, sagt Niklas. Zwei Brüder? Auf dem Spielfeld ist davon nichts zu spüren. Abseits schon. Niklas versprüht gegenüber seinem Bruder eine unausgesprochene väterliche Strenge, macht zuweilen klare Ansagen. Doch die Ebene, auf der sich beide begegnen, bleibt eine warme. Magnus ist bei aller Ruhe und Schüchternheit verschmitzt, humorvoll. Die Brüder sind unterschiedlich. Magnus erzählt von seinem Sommerurlaub. „Ich war zum dritten Mal beim Roskilde Festival.“ Der 22-Jährige schwärmt besonders vom Auftritt von Rapper Eminem vor 100000 Festival-Besuchern. Niklas verzieht bei dem Gedanken an die Mutter europäischer Festivals vor den Toren seines Geburtsortes das Gesicht, äfft seinen Bruder nach, spreizt die Finger zur „Pommesgabel“ ab, grinst breit. „Ich bin gar kein Festival-Typ.“ Na und? Vorbild für Magnus bleibt er nichtsdestotrotz: „Niklas geht immer mutig nach vorne, das ist seine positivste Eigenschaft“, gibt der Linksaußen zu Protokoll. Und die negativste Charaktereigenschaft? Zwei blaue, zwei grüne Augen treffen sich, kurze Blicke. Magnus zuckt kurz mit den Schultern. Ihm fällt nichts ein. Lillebror. Storebror. Zusammen in Kiel.

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