Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
THW Kiel THW scheitert am HSV
Sport THW Kiel THW scheitert am HSV
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:52 01.06.2013
Von Ralf Abratis
Enttäuscht nach dem Aus: Trainer Alfred Gislason Quelle: Klahn
Köln

Dem THW bleibt im Final4 von Köln nun am Sonntag (15.15 Uhr) nur das Spiel um Platz drei gegen den polnischen Meister Vive Targi Kielce, während die Hamburger um ihren überragenden Spielmacher Domagoj Duvnjak im Finale um 18 Uhr auf den spanischen Rekordmeister FC Barcelona treffen. Die Spanier hatten zuvor ihr Halbfinale gegen Kielce mit 28:23 gewonnen.

Hochgeschwindigkeits-Handball vom Feinsten boten die beiden deutschen Mannschaften zum Start in die Partie. Kein taktisches Abtasten, keine Tempo-Verzögerung wie im ersten Halbfinale zwischen Barcelona und Kielce, sondern Kampf, Zug zum Tor, ständige Führungswechsel und Treffer im 45-Sekunden-Takt bestimmten den Auftakt. 10:10 hieß es nach rund 15 Minuten. Alle Akteure standen unter Hochspannung. Doch während der HSV auch in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit das Express-Tempo beibehielt, gingen dem THW Wurfglück und Präzision verloren.

Angetrieben vom kroatischen Spielmacher Domagoj Duvnjak, der allein in der ersten Halbzeit sechs Treffer erzielte, und einem wurfkräftigen Pascal Hens (drei Treffer) setzte sich der HSV auf zwischenzeitlich sechs Tore Vorsprung (19:13, 27.) ab. Wenn auch nicht immer auf direktem Weg, so fand der Ball doch ein ums andere Mal den Weg in das Kieler Tor. Der THW verspielte dagegen seine Möglichkeiten. Die Schützlinge von Alfred Gislason zielten neben das Tor oder scheiterten an einem Johannes Bitter, der im HSV-Tor in Bestform agierte. Symptomatisch für die Kieler Verunsicherung war ein überflüssiger Fehlpass von Daniel Narcisse am gegnerischen Kreis (28.), nachdem zuvor Gudjon Valur Sigurdsson aufwändig den Ball erkämpft hatte. Das brachte Gislason kräftig in Rage, der kurz darauf aber etwas beruhigter in die Pause gehen konnte, da seine Akteure das Halbzeit-Ergebnis mit drei Treffern in Folge noch etwas freundlicher gestalten konnten.

Nur kurzzeitig allerdings schien es so, dass der Titelverteidiger in der zweiten Halbzeit das Spiel noch aus dem Feuer reißen könnte. Bissig kamen die Kieler aus der Kabine. Sigurdsson verkürzte auf 17:19, musste aber gleich im Gegenzug für zwei Minuten auf die Strafbank. Doch Filip Jicha hielt die Kieler auch in Unterzahl im Spiel.

Der HSV indes präsentierte sich mit größten Selbstvertrauen, ließ sich nicht einschüchtern, machte seine Treffer und lag stets mit drei, vier Toren  in Führung. Der THW versuchte durch die schnelle Mitte auf das Tempo zu drücken. Verkürzen konnte der deutsche Meister den Abstand zu den Hamburgern aber nicht. Im Gegenteil: Igor Vori und Hans Lindberg mit einem Doppelschlag setzten mit dem 28:22 (41.) den THW immer mehr unter Druck. Und der agierte gegen eine aggressive und weit aufgerückte Hamburger Abwehr zu umständlich, suchte oft eine Anspielstation zu viel. Die Siegeszuversicht, die Kiel in den knappen Spielen des Achtel- und des Viertelfinales noch nach Köln gebracht hatte, war verflogen.

Die Hamburger Fans auf der Tribüne gerieten in Eksatse und ihre Helden auf dem Parkett in einen Spielrausch. Allen voran Johannes Bitter mit 13 Paraden, Hens mit acht und Duvnjak mit elf Treffern im gesamten Spielverlauf. Dem hatten die Kieler am Ende nichts mehr entgegen zu setzen, auch die zehn Treffer von Marko Vujin nützten schließlich nichts. Nach ihrer ersten Niederlage überhaupt in einem Champions-League-Final4 von Köln müssen sich die Kieler nun mit dem deutschen Double trösten.

THW Kiel: Omeyer (1. bis 38. und ab 43. Minute/10 Paraden), Palicka (38. bis 43./1) – Toft Hansen, Sigurdsson (3), Sprenger (2), Ahlm (4), Wiencek (n.e.), Ekberg (2), Palmarsson (1), Narcisse (4), Ilic (1), Klein, Jicha (6), Vujin (10/4)

HSV Hamburg: Bitter (1. bis 60./13), Herrmann (bei einem Siebenmeter/-) – Kraus (n.e.), Schröder (n.e.), Duvnjak (11), Jansen (1), Lackovic (1), Flohr, Vori (5), Lindberg (7/3), Terzic (n.e.), Nilsson (n.e.), Lijewski (6), Hens (8), Petersen (n.e.)

Schiedsrichter: Dentz/Reibel (Frankreich) - Strafminuten: Kiel 10 (Narcisse, Sprenger, 2x Sigurdsson, Ahlm), Hamburg 8 (Vori, Duvnjak, 2x Lijewski) – Siebenmeter: Kiel 4/4, Hamburg 4/3 (Lindberg an die Latte) – Spielfilm: 0:2 (3.), 2:2, 3:3, 5:3 (6.), 5:5, 6:7 (11.), 7:7, 7:9 (13.), 10:9, 10:12 (16.), 11:12, 11:14 (21.), 12:17 (25.), 13:19, 16:19 (Hz.) – 17:19, 18:20 (32.), 18:22, 19:22 (35.), 21:24, 22:26 (40.), 22:28, 23:29 (43.), 25:30, 27:31 (49.), 29:33 (52.), 30:33, 31:35 (55.), 33:39 (60.)– Zuschauer: 20000 in der Lanxess-Arena in Köln

Alfred Gislason (THW): Ich bin sehr traurig und unzufrieden. Glückwunsch an den HSV, die Hamburger waren heute besser. Sie haben es auch verdient, im Finale zu stehen. Wir hatten große Probleme in der Abwehr, da fehlte uns die Aggressivität.

Marcus Ahlm (THW-Kapitän): Der HSV war die bessere Mannschaft. Wir haben in der Abwehr zu viele Fehler gemacht und im Angriff zu viele Chancen ausgelassen. Wir sind enttäuscht, dass wir das Finale nicht erreicht haben – aber dafür hätten wir besser spielen müssen.

Martin Schwalb (HSV-Trainer): Beide Abwehrreihen haben heute ihre Probleme, das Ergebnis ist ungewöhnlich für uns. Wir freuen uns, dass wir dem THW standhalten konnten und im Finale sind.

Hans Lindberg (HSV-Rechtsaußen): Wir hatten heute einfach einen guten Tag.

Gudjon Valur Sigurdsson, THW: An 39 Gegentore kann ich mich lange nicht erinnern. Dass uns das gerade heute passiert ist, ist natürlich sehr bitter.
Domagoj Duvnjak, HSV: Die ganze Mannschaft hat heute super gespielt, vielleicht sogar perfekt. Dass wir in der Abwehr über 60 Minuten die Konzentration hoch gehalten haben, war der Schlüssel zum Sieg.
Johannes Bitter, HSV-Torwart: Wir haben heute wirklich Vollgas gegeben. Man weiß, dass der THW immer zurück kommen kann. Der größte Erfolg ist, dass wir es einfach durchgezogen haben. Ich habe das Gefühl, wir haben noch Potenzial für morgen, obwohl wir wohl gar nicht schlafen können. So wie wir uns in der Rückrunde gesteigert haben, habe ich das Gefühl, dass wir jetzt dran sind.