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THW Kiel THW trotz 28:27 in Skopje gescheitert
Sport THW Kiel THW trotz 28:27 in Skopje gescheitert
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21:26 29.04.2018
Von Tamo Schwarz
Hängende Köpfe bei den Zebras Nikola Bilyk, Christian Dissinger und Patrick Wiencek (v.li.): Der THW Kiel ist nach großem Kampf ausgeschieden. Quelle: imago/Aleksandar Djorovic
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Skopje

Am Ende eines turbulenten, vom tschechischen Schiedsrichtergespann negativ beeinflussten Nachmittags fehlt den Zebras nur ein einziges Tor zum Einzug ins Final Four in Köln.

Die Arena in Skopje, die nach dem Revolutionär Jane Sandanski benannt ist, hebt den Begriff „Hexenkessel“ in der Handball-Champions-League in andere Sphären. Von Sekunde eins an dröhnt es aus der Fankurve wie im Westfalenstadion, und es ist irgendwie kein Wunder, dass Vardar in der Königsklasse seit der Pleite gegen die Rhein-Neckar Löwen im November 2016 kein Spiel mehr in seinem Tempel verloren hat. Allein die Kieler lassen sich von der Kulisse nicht beeindrucken, gehen mit 3:0 in Führung, nervenstark durch Linksaußen Emil Frend Öfors (5.). Dann gerät besonders das gebundene Positionsspiel der Zebras ins Stocken, Vardar mit seiner aggressiven 5:1-Deckung mit dem Ex-Kieler Joan Cañellas an der Spitze dreht den Spieß bis zum 8:5 um (13.) – der erste Rückschlag für die Gäste. Die kämpfen sich „bravourös“ (THW-Sportchef Viktor Szilagyi) zurück. Ein Muster dieser Begegnung.

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Sebastian Firnhaber fängt in der Deckung neben Patrick Wiencek an, Niklas Landin im Tor setzt frühe Ausrufezeichen. Doch im Angriff wackelt Marko Vujin früh mit zwei Fehlversuchen und einem Abspielfehler. Manchmal muss es eben mit individueller Klasse gehen, zum Beispiel der von Regisseur Miha Zarabec. Der Slowene setzt sich eins-gegen-eins durch (8:10/17.), trifft per Schlagwurf (9:10/19.), ehe Ole Rahmel mit einem Traumschlenzer gegen Arpad Sterbik ausgleicht (10:10/21.). Die Halle dröhnt, alles wogt hin und her. Der eingewechselte Andreas Wolff pariert einen Siebenmeter gegen Ivan Cupic (30.), und beim 13:13 zur Pause ist alles offen.

„Ein bisschen fehlte uns die Coolness“, sagt THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg später. Wolff ist gegen den starken Vuko Borozan zu früh auf dem Hosenboden, muss wieder Niklas Landin weichen (36.). Duvnjak braucht Ruhepausen, Gislason stellt wieder von einer 3:2:1- auf eine 6:0-Abwehrformation um. Und seine Spieler kämpfen sich immer wieder zurück. Nach dem 15:18 (36.) ebenso wie nach dem 17:21 (42.). Mittlerweile spielt Rechtsaußen Niclas Ekberg auf Halbrechts, sieht Patrick Wiencek bei einem glänzenden Assist (18:21/43.). Am Kieler Kreis-Kolloss wird gerissen, gezerrt, meist weit abseits des Regelwerkes. Doch während das tschechische Gespann die Aktionen gegen Vardar-Kreisläufer Rogerio Ferreira immer wieder mit einem Siebenmeter gegen den THW ahndet, bleibt die Pfeife auf der gegenüberliegenden Seite ebenso stumm wie bei einer Rettungstat von Timur Dibirov, der den Ball aus dem Kreis angelt, allerdings klar und deutlich in selbigem steht, bevor der Ball seine Hand verlassen hat (45.).

Zu selten sind die Kieler Tore leichte, zu oft müssen sich Zebras gegen eine Wand aus Vardar mit den Riesen Dainis Kristopans und Ilija Abutovic, den frenetischen Fans und ihrem eigenen Frust ob zweifelhafter Schiedsrichter-Entscheidungen stemmen. Doch auch beim 27:25 (57.) nach erneuten Fehlpässen (Nilsson) und -würfen (Rahmel) ist die Hoffnung noch immer nicht aufgebraucht. Wiencek und Christian Dissinger machen jetzt im Innenblock dicht, Landin pariert gegen Luka Cindric, Wiencek trifft zum 26:27. Nur noch 50 Sekunden zu spielen. Bilyk, Ekberg sorgen für die Führung, noch 20 Sekunden, doch Skopje spielt die Uhr runter. Die Kabinentür bekommt den Zorn von Alfred Gislason zu spüren. Andreas Wolff sitzt noch lange nach Abpfiff fassungslos mit leerem Blick in der Kabine. Wann werden die Zebras in die Champions League zurückkehren? 

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