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THW Kiel Analyse eines Handball-Abends
Sport THW Kiel Analyse eines Handball-Abends
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20:35 12.05.2016
Von Tamo Schwarz
Die letzte Sekunde in Magdeburg, in der die Niederlage besiegelt wird. Niclas Ekberg (re.) scheitert mit seinem Siebenmeter am linken Fuß von SCM-Torwart Dario Quenstedt. Quelle: imago
Magdeburg

„Es wurde nicht viel gesprochen im Bus“, sagt Christian Dissinger am Donnerstag nach einer wort- und schlaflosen Busfahrt.

 Immer wieder dieser Refrain in der Getec-Arena: „Atemlos durch die Nacht“. Helene Fischer darf immer dann singen, wenn der Däne Michael Damgaard für den SCM trifft. In diesem Spiel neunmal. „Wir haben ihn nie in den Griff bekommen“, analysiert THW-Coach Alfred Gislason. Egal, was der Isländer versuchte, seine Schachzüge fruchteten nicht. Dener Jaanimaa fand nicht ins Spiel (Gislason: „Er hat drei Fehler in Folge gemacht“), Christian Dissinger ackerte meist ohne Ertrag („Er hat überdreht“). Marko Vujins Treffer- und Fahrkartenquote standen zudem in einem Missverhältnis, der Weg zu Ilija Brozovic an den Kreis war irgendwie meist von Finn Lemke und Zeljko Musa im Innenblock versperrt. Der Rest war Drama: die packende Schlussphase, Niclas Ekbergs vergebener Siebenmter. Magdeburg: atemlos durch die Nacht. Der THW: wortlos.

 Worte fehlen zuerst auch dem Neun-Tore-Mann Damgaard: „Ohne Worte.“ Rechtsaußen Robert Weber beschreibt das, was in Auswärtsspielen des THW irgendwie neu ist in dieser Saison: „Wir lagen mit vier Toren hinten, aber hatten immer das Gefühl, dass hier was zu holen ist.“ Und Matchwinner Dario Quenstedt will Webers Tipp für den finalen Siebenmeter-Coup gegen Ekberg nicht verraten: „Das bleibt mein Geheimnis.“ Dennoch, in Überschwang mündete die Siegesfeier nicht, schon aus Respekt vor Alfred Gislason, der 2002 die Champions-League-Trophäe an die Elbe geholt hatte. „Jeder, der mich kennt, weiß, welch’ große Wertschätzung Alfred bei mir hat“, so SCM-Coach und Gislason-„Schüler“ Bennet Wiegert.

 Mühsam gestaltet sich nach der insgesamt 14. Niederlage in Magdeburg seit 1992 die Analyse. „Schwer, Worte zu finden. Wir werden aber bis zum Ende kämpfen“, sagt Abwehrchef Patrick Wiencek. Siebenmeter-Pechvogel Niclas Ekberg steht noch unter dem Eindruck eines „komischen Gefühls“: „Es ging immer hin und her, wir haben uns schwergetan. Ein paar Stunden wird es wohl dauern, bis ich schlafen kann“, sagt er vor der Abfahrt. „Wir waren vorne nicht präsent genug“, findet Christian Dissinger. „Realistisch betrachtet sind unsere Chancen auf die Meisterschaft jetzt sehr gering. Aber wir wollen nichts ausschließen. Natürlich wollen wir jetzt mindestens Zweiter werden, weiter jedes Spiel gewinnen.“

 Die Chancen der Rhein-Neckar Löwen auf ihren ersten nationalen Titel stehen besser denn je. Das Team von Trainer Nikolaj Jacobsen führt die Tabelle mit 50:8 Punkten vor Flensburg (47:9) und Kiel (46:10) an und kann sich aufgrund der mit Abstand besten Tordifferenz in seinen letzten drei Spielen sogar ein Unentschieden erlauben. Platz zwei, der zur erneuten Teilnahme an der Champions League berechtigt, rückt jetzt umso mehr in den Fokus – vor dem 88. Landesderby gegen die SG Flensburg-Handewitt am Sonntag (17.30 Uhr) in der Sparkassen-Arena.

 Linksaußen Dominik Klein will sich die Frage nach dem Titel nicht stellen. Die Erschöpfung ist seinem Gesicht abzulesen: „Wir haben alles gegeben. Das Spiel hat richtig Kraft gekostet. In drei Tagen müssen wir schon wieder Großes leisten.“ Auch THW-Geschäftsführer Thorsten Storm attestiert seiner Mannschaft, sie habe „gekämpft bis zum Umfallen“. Außer Alfred Gislason spricht keiner deutlich aus, dass der Traum vom Titel endgültig ausgeträumt ist. „Nun sieht es sehr schlecht aus“, sagt Storm. Auch er weiß: Jetzt bleibt nur noch das Final Four in der Königsklasse. „Natürlich sind alle enttäuscht, aber wir haben noch große Aufgaben vor uns. Vor zwei Jahren waren es zwei Tore , im letzten Jahr ein Punkt mehr. Jetzt liegen wir zwei Punkte zurück, bei all dem Verletzungspech und Umbruch. Und wir stehen im Final Four der Champions League.“

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