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THW Kiel Wolff schließt Rückkehr zum THW Kiel nicht aus
Sport THW Kiel Wolff schließt Rückkehr zum THW Kiel nicht aus
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08:35 05.06.2019
Von Merle Schaack
Starker Rückhalt im Finale um den EHF-Cup: Torwart Andreas Wolff hätte mit dem THW Kiel vor seinem Wechsel nach Kielce gerne noch mehr Titel geholt. Ein Fünkchen Hoffnung auf die Meisterschaft hat er aber noch. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Andreas Wolff, Flensburg hat vor dem letzten Spieltag in der Handball-Bundesliga zwei Punkte Vorsprung auf den THW Kiel. Mit welchem Gefühl blicken Sie aufs Wochenende?

Mit banger Hoffnung. Ich bin ja mit dem Ziel zum THW Kiel gekommen, drei Meistertitel zu holen. Ich würde mir wünschen, zumindest mit einem von dannen zu ziehen. Das wäre ein sehr gelungener Abschluss.

Wie groß schätzen sie die Chancen darauf ein?

Sehr, sehr gering. Maximal fünf Prozent würde ich uns geben. Die Flensburger haben eine sehr glückliche Saison gespielt. Ich denke nicht, dass das Glück sie am letzten Spieltag verlässt.

Sie haben ja alles versucht und dem Bergischen HC für den Fall, dass er Flensburg schlägt und den THW Kiel zum Meister macht einen Getränkeladen und die THW-Mannschaftskasse versprochen – ein Scherz, der bei einigen Flensburger Fans nicht so gut ankam...

Aber ich bin mir sicher, dass die vernünftigen Leute es genau so verstanden haben, wie es gemeint war: als kleinen Witz, als einen etwas verzweifelten Hilferuf im Meisterschaftsrennen. Aber unabhängig von unserer Mannschaftskasse wird der BHC an diesem Tag alles geben, und ich hoffe, dass das für uns reicht.

Sie haben schon im Herbst 2017 angekündigt, den THW Kiel in diesem Sommer Richtung Kielce zu verlassen. Konnten Sie Kiel und Kielce seitdem immer klar trennen?

In der letzten Saison war meine Leistung etwa ein halbes Jahr lang nicht so ansprechend. Die Europameisterschaft lief nicht so gut, Niklas (der Kieler Torwartkollege Landin, d. Red.) hat sehr, sehr gut gehalten. Da war es für mich ein bisschen schwieriger. Aber trotzdem würde ich sagen, dass ich es gut hinbekommen habe.

Trotzdem waren Sie in dieser Saison die Nummer zwei im Tor. Wie sind Sie damit umgegangen?

Niklas hat eine fantastische Saison gespielt. Er ist in diesem Jahr der beste Torhüter der Welt. Als klar war, dass ich den Verein verlassen würde, gab es von Trainer-Seite eine entsprechende Präferenz. Für mich war das ein Lernprozess. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte des letzten Jahres hat mich diese Situation wirklich aufgefressen. Über den Sommer habe ich mir dann viele Gedanken gemacht, mich mit meinem Charakter auseinandergesetzt. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch – mit Ausschlägen in beide Richtungen. Wenn ich gut spiele, fühle ich mich frei und mache mir keine Gedanken. Wenn es mal nicht so gut läuft, bin ich den ganzen Tag am Grübeln, suche Ursachen und Ansätze, das schnellstmöglich abzustellen. Ich bin dann zu dem Schluss gekommen, dass ich die Zeit effektiver nutzen muss.

Wie meinen Sie das?

Wenn ich fünf Minuten auf dem Feld stehe, gebe ich fünf Minuten vollkommen unbekümmert mein Bestes. Und wenn ich anfange und schlecht halte, ist das kein Weltuntergang und ich halte mich trotzdem warm, um wieder zurück zu kommen. Ich habe einen Schritt nach vorne gemacht, was es heißt, mit Misserfolg umzugehen. Profitiert habe ich auch davon, dass es einen Wechsel in der Geschäftsführung gab und dass mit Filip (Co-Trainer und ab kommender Saison Cheftrainer Jicha, d. Red.) neuer Wind reingekommen ist. Im dritten Jahr gab es in und um die Mannschaft herum das, was man sich von einem Wechsel zum THW Kiel erwartet: ein Wir-Gefühl und absolute Professionalität. Ich bin sehr glücklich, dass ich Filip und Viktor (Szilagyi, seit 2018 Sportlicher Leiter und ab Juli Geschäftsführer Sport beim THW, d. Red.) noch kennenlernen durfte.

Eine Anspielung auf Ihr Verhältnis zu Thorsten Storm, der noch bis Ende des Monats THW-Geschäftsführer ist...

Ich würde es nicht ein Verhältnis nennen. Weiter möchte ich darauf nicht eingehen.

Würden Sie selbst rückblickend etwas anders machen?

Nein. Ich habe ja nichts Verwerfliches getan. Ich habe nach der Europameisterschaft 2016, bei der sich mein Marktwert deutlich erhöht hat, gar nicht von meiner Seite aus das Gespräch gesucht. Stattdessen kam die sportliche Führung auf mich zu und stellte diverse Erhöhungen der Bezüge aus eigenem Antrieb in Aussicht. Ich selbst hatte diesen Gedanken gar nicht. Ich habe mir angehört, was der THW Kiel zu sagen hatte, und habe auch lange dazu tendiert zu bleiben. Letztendlich lag es dann daran, dass die sportliche Führung einen Rückzieher gemacht hat. Mit Talant Dujshebaev (Trainer in Kielce, d. Red.) und Bertus Servaas (Präsident und Großsponsor, d. Red.) hatte ich hervorragende Gespräche. Sie haben mich von meinem neuen Verein überzeugt.

Wie blicken Sie auf das Kapitel THW Kiel zurück?

Ein bisschen zwiegespalten. Ich hätte mir mehr Meistertitel und vielleicht einen Champions-League-Titel gewünscht. Die aktuelle Saison war ein deutlicher Schritt nach vorne. Ich habe hier sehr viele tolle Menschen kennengelernt. Es wird immer eine Zeit sein, auf die ich mit einem lachenden Auge zurückblicke.

Sie gehen also nicht mit Groll?

Nein. Ich hoffe, meine Karriere ist noch lange nicht am Ende. Man weiß natürlich nie, wie es läuft. Aber sollten mich meine Wege irgendwann nach Kiel führen, wäre ich darüber nicht unglücklich.

Das heißt, Sie könnten sich vorstellen, zurück zum THW Kiel zu kommen?

Absolut. Jetzt wünsche ich mir erst einmal vier Jahre in Polen. Vielleicht werden es auch wesentlich mehr. Sollte ich aber irgendwann in die Bundesliga zurückkommen, wäre es natürlich mein Bestreben, beim mit Abstand besten deutschen Klub unterzukommen.

Am Wochenende waren Sie schon mit den Kielce-Verantwortlichen beim Final Four, um die Champions League in Köln zu sehen, was bei einigen THW-Fans für Unmut sorgte…

Bertus Servaas hatte mich eingeladen. Es waren viele Fans da, darunter auch viele Sponsoren. Das war eine praktische Gelegenheit, schon mal den ein oder anderen kennenzulernen. Das war mit beiden Vereinen abgesprochen und in keinster Weise als Provokation gemeint, sondern lediglich als Identifikation mit meiner Zukunft.

Wie nehmen Sie die Stimmung in Kielce wahr?

Es scheint ein sehr inniges Verhältnis aus Mannschaft und Fans zu sein. Das ist ein Unterschied zu Klubs wie zum Beispiel Barcelona. Nachdem ich jetzt zum zweiten Mal ein Final Four gesehen habe, habe ich schon eine Wunschbesetzung für mein erstes als Spieler, das hoffentlich im nächsten Jahr stattfindet: Kielce, Veszprem, Kiel und – die fahren natürlich als späterer Vierter dorthin (lacht) – Flensburg. Diese vier Mannschaften bringen eine unglaubliche Fan-Base mit. Der THW Kiel ist für mich eine Mannschaft, die auf jeden Fall dorthin muss – allein aufgrund der Fan-Begeisterung.

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