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THW Kiel Darum steckt der THW im "Resultat-Tal"
Sport THW Kiel Darum steckt der THW im "Resultat-Tal"
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06:46 12.11.2019
Von Merle Schaack
Augen zu und durch: Harald Reinkind, hier gestoppt durch Portos Daymaro Salinas (re.) und Fabio Magalhaes, war beim THW Kiel am Sonntag der treffsicherste Rückraum-Schütze, ist aber als derzeit einziger Halbrechter der Kieler einer enormen Belastung ausgesetzt. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

So richtig begreifen konnten die Spieler des THW Kiel am Sonntagabend nicht, was gerade passiert war. "Ich weiß nicht, was da los war", sagte Miha Zarabec direkt nach der völlig überraschenden 27:28-Niederlage gegen den FC Porto. Zum zweiten Mal in Folge hatten die Zebras alle Trümpfe in der Hand, standen am Ende aber mit einer knappen Niederlage da.

"Wir dürfen gegen Porto nicht zu Hause verlieren, ohne Wenn und Aber", sagt THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler. Seine Erklärung für die plötzlichen Aussetzer der Mannschaft: "Es hat im Kopf wieder angefangen zu arbeiten. Vorher war alles in einem Fluss, jetzt überlegt man, was man eigentlich tut."

Individuelle Fehler ärgern Jicha

Miha Zarabec sah einen Zusammenhang zwischen der Pleite bei den Löwen am Donnerstag und dem Auftritt gegen Porto. "Wir haben gegen die Löwen unser Selbstvertrauen verloren", sagte er. Und damit offenbar auch die bis dato größte Kieler Stärke: Das Tempospiel aus einer stabilen Abwehr heraus, die "einfachen" Tore aus Gegenstoß und zweiter Welle. Während Domagoj Duvnjak (ein Tor aus sieben Versuchen) und Nikola Bilyk (drei Tore aus neun Versuchen) im Rückraum schlechte Trefferquoten aufwiesen, blieb Lukas Nilsson auf der Bank. "Lukas hat in Mannheim unglücklich ausgesehen, und Niko hatte gut trainiert", erklärte Filip Jicha diese Entscheidung.

Der THW-Trainer haderte am Sonntag mit der Disziplin seiner Mannschaft. "Wir haben klare Regeln, zum Beispiel im Abwehrverhalten. Wenn wir die nicht einhalten und dadurch Tore kassieren, ist das für mich unverständlich. Diese Regeln sind heilig. Und darum müssen wir jetzt „back to the roots“ kommen, dürfen diese individuellen Fehler nicht akzeptieren."

Pekeler: "Ein Stück weit Einstellungssache"

Zwar stellte Porto die Zebra-Abwehr mit seinem Überzahlspiel mit sieben Feldspielern vor knifflige Situationen. "Aber man kann das verteidigen", sagte Pekeler. "Das ist ein Stück weit auch Einstellungssache."

Tatsächlich ließen die Kieler zuletzt wiederholt Konsequenz vermissen, wenn die Vorzeichen auf Sieg standen. Beim spielerisch limitierten Champions-League-Teilnehmer und Gruppenletzten Motor Zaporozhye führten sie neun Minuten vor Schluss mit sechs Toren, ließen die Gastgeber aber wieder bis auf ein Tor herankommen und zitterten sich schließlich zum 30:27-Sieg.

Beim Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen in Mannheim waren die Zebras zu Beginn hellwach, führten nach 20 Minuten mit sieben Toren – und fielen dann auseinander. In letzter Minute vergaben sie die Chance auf den Ausgleich, verloren mit 25:26.

Auch gegen Porto führte der finale THW-Angriff nicht zum Erfolg. Stattdessen gab es in letzter Sekunde das 28:27 für die Gäste, die ab der 40. Minute nach der Roten Karte gegen Djibril M'Bengue ganz ohne Linkshänder auskommen mussten.

Nach dem Rückspiel wartet das Top-Duell der Liga

"Wir hätten beide Spiele (gegen die Löwen und Porto, d. Red.) gewinnen müssen", sagte Pekeler. "Das Wort Krise ist definitiv zu hoch gegriffen. Aber jeder muss sich jetzt hinterfragen, ob er genug beiträgt und genug für den Erfolg tut. Das fängt bei der Videovorbereitung an und reicht bis hin zu Schlaf und Ernährung."

Viel Zeit, um an den richtigen Stellschrauben zu drehen, bleibt dem THW Kiel nicht. Schon am Mittwoch tritt er zum Rückspiel in Porto an, am Wochenende steht dann das Spitzenspiel gegen Bundesliga-Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf an. "Diese Phase im November ist gefährlich. Wir trainieren nur wenig, aber wir dürfen das nicht einfach so akzeptieren", sagt Jicha und appelliert ebenfalls an die Einstellung.

"Die Jungs wollen. Aber wollen und die höchsten Ansprüche an sich haben – das sind zwei verschiedene Paar Schuhe." Er erwarte ab sofort im Training 110 Prozent von seinen Spielern. "Wir müssen mit Schwung aus diesem Resultat-Tal rauskommen. Jeder muss den Rucksack mit Verantwortung schultern."

Kampfansage von Zarabec

Miha Zarabec will dazu "nur nach vorne schauen". "Das Problem ist nur im Kopf", sagt der Slowene, gibt sich aber kämpferisch: "Wir haben nicht vergessen, wie man Handball spielt. Und wir fahren jetzt nach Porto und holen da zwei Punkte."

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Nach der Liga-Niederlage in Mannheim haben die Handballer des THW Kiel auch in der Champions-League Punkte gelassen. Am Sonntagabend verloren sie ihr Heimspiel gegen den FC Porto mit 27:28 (14:13). Es war die erste Königsklassen-Niederlage für die Zebras in dieser Saison.

Merle Schaack 10.11.2019

Am Freitagmorgen um 6 Uhr kam die Mannschaft des THW Kiel nach einer Fahrt aus Mannheim im Reisebus mit Schlafkojen in Kiel an. An Bord: ein Gefühl, das die Zebras seit exakt zwei Monaten nicht mehr erlebt hatten. Am Sonntag (19 Uhr/Liveticker auf KN-online) gastiert der FC Porto an der Förde.

Tamo Schwarz 09.11.2019

Die Befürchtungen beim Handball-Rekordmeister THW Kiel haben sich bewahrheitet: Youngster Gisli Kristjánsson fällt mit einer Schulterverletzung für mindestens acht Wochen aus. Das Handballjahr 2019 ist damit für den 20-jährigen Isländer beendet.

Tamo Schwarz 08.11.2019