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THW Kiel THW Kiel empfängt Metalurg Skopje
Sport THW Kiel THW Kiel empfängt Metalurg Skopje
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00:17 17.02.2015
Von Ralf Abratis
Steffen Weinhold will den THW auch gegen Metalurg Skopje nach vorne werfen. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Denn es braucht schon einen studierten Rechner, um das Aufstellungsrätsel des mazedonischen Meisters zu lösen. Aus dem Team des Hinspiels sind bei Skopje gerade einmal vier Akteure geblieben, der THW trifft also in der Sparkassen-Arena auf zwölf Unbekannte. Die Gegneranalyse zur Vorbereitung auf das vorletzte Gruppenspiel in der Champions-League-Vorrunde erwies sich als nahezu unmöglich. Videomaterial von Skopje hat derzeit gerade einmal eine Halbwertszeit von wenigen Tagen.

Seit einem dreiviertel Jahr gärt es beim Traditionsverein aus der mazedonischen Hauptstadt. Spielergehälter wurden nicht mehr bezahlt, ein Großteil des Kaders trat zwischenzeitlich wegen des Führungsstils von Trainer Lino Cervar in den Streik. In der Winterpause brachen dann die Dämme und es begann der Ausverkauf. Scharenweise verließen die Stammspieler das Team – viele mit unbekanntem Ziel. Filip Mirkulovski (TSV Hannover-Burgdorf) und Dejan Manaskov (HSG Wetzlar) zog es in die Bundesliga. Als letzter Führungsspieler verblieb zunächst noch Renato Vugrinec. Er führte das neugebildete Team, das sich vorrangig aus Spielern aus der vereinseigenen Akademie zusammensetzt, zuletzt in der supranationalen SEHA-Liga zu einem überraschenden Remis gegen den serbischen Meister RK Vojvodina. Doch inzwischen hat auch Vugrinec das Skopje-Trikot ausgezogen.

Die Gründe für den Niedergang des Vereins liegen begründet in der Person von Klubeigner Minco Jordanov. Der als „King of Steel“ bekannte 70-Jährige führt ein großes Firmengeflecht und wird zu den reichsten Männern auf dem Balkan gezählt. RK Metalurg regiert er in Alleinherrschaft, war zu stolz auch andere Sponsoren einsteigen zu lassen. Als Geschäftsmodell taugte das nicht, und Probleme in den Jordanov-Unternehmen rissen den Klub in die Krise. Nun gilt es, das persönliche Spielzeug des Klub-Patron wieder aufzubauen.

Ungeachtet der Probleme hat der Verein auf dem Balkan immer noch einen klangvollen Namen. So heuerten in den vergangenen Tagen der 22-jährige Kroate Marko Buvinic für den rechten Rückraum und der ehemalige mazedonische Nationalspieler Radoslav Stojanovic (36 Jahre) für den linken Rückraum bei Metalurg an. Gemeinsam mit dem talentierten Rechtsaußen Darko Djukic sollen sie das Team führen.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Mazedoniern indes nicht. Der 18-jährige Rückraumspieler Filip Taleski kündigte jedenfalls einen großen Kampf an: „Kiel ist klarer Favorit, aber das heißt nicht, dass wir das Spiel schon vorher aufgeben. Wir wollen ein engagiertes und organisiertes Spiel aufziehen und Europa zeigen, dass Metalurg beherzte Kämpfer und die Qualität hat, um den Verein in die europäische Elite zurückzuführen.“

Zumindest mit dieser Einstellung hat THW-Trainer Alfred Gislason schon vorher rechnen können: „Metalurg hat viele talentierte und hungrige Spieler in seinen Reihen und war mit einem riesigen Kader in die Saison gestartet“, so Gislason.

Für die Zuschauer ergibt sich aber die Chance auf eine torreiche Partie. Beim Neustart der Bundesliga legten die Zebras mit 41 Toren in Melsungen jedenfalls schon mal ein gehöriges Tempo vor. Nur einmal waren sie in dieser Saison noch torhungriger: Beim 42:27-Sieg im Champions-League-Hinspiel in Skopje.