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Weihnachtsgeschichten 2017 Das traurige Marzipanbrot
Weihnachten Weihnachtsgeschichten Weihnachtsgeschichten 2017 Das traurige Marzipanbrot
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Von Meisterhand bin ich geschaffen mit allerfeinsten Köstlichkeiten.

Zu Weihnachten, so wird gesagt, werde ich glückseligen Genuss bereiten.

Von außen mit zartbitter Hülle, inmitten cremiger Mandelkern.

Ein Marzipanbrot wie ich, ist unvergleichlich und nahezu jeder hat mich gern.

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Auf geht die Reise in den Einzelhandel. Doch, oh Schreck, was ist das nur?

Fallen ließ man mich auf harten Boden und das hinterließ mir eine Spur.

Gebrochen ist die Schokolade und eine Ecke ist gedrückt.

Ob man mich so noch will, ist mehr als fraglich, nicht einmal mehr mit ganz viel Glück.

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„Nee das leg weg, das hat ’ne Macke“, das habe ich schon oft gehört.

Einsam lieg ich im Regal und wenn es dunkel ist und mich keiner stört,

dann sing ich leise Weihnachtslieder und träum von bunten Tellern und

von großen Kinderaugen und greifenden Fingern und

oh vom seufzend schwelgend Marzipangenuss im süßen Mund.

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Am Heiligen Abend ist jede Hoffnung gänzlich verschwunden, doch tapfer flüstere ich mein Lied.

Und dann – es ist fast wie ein Wunder – weiß ich doch nicht wie mir geschieht.

Ein Leuchten geht durchs Warenhaus, man hebt mich hoch und ein Mann mit Bart

verschenkt mich einem Kunde, der sonst gar nichts hat.

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Und dann passiert es, was ich immer träumte, die Augen groß und dann das Lachen.

Laut hör ich’s in mir jubeln: Ich will dir schmecken und dich ganz doll glücklich machen.

Der Mann mit Bart schließt nun den Laden und grüßt die kleine Familie von nebenan.

„Frohes Fest euch guten Leuten und lasst mich helfen, wenn ich kann.“

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Meine Wartezeit ist jetzt zu Ende und jeder Moment hat sich gelohnt

für diesen Augenblick der Güte, denn das war ich nicht gewohnt.

Demütig schau ich auf mein Leben. Bewundert und begehrt zu werden war mein Ziel,

doch nun weiß ich, anderen eine Freude machen ist viel schöner – mehr als viel.

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Etwas Zauberhaftes ist zudem geschehen, auch wenn man davon gar nichts sieht.

Das Kind – obwohl’s das vorher gar nicht kannte – singt jetzt für sich mein Weihnachtslied!

Könnt ihr es hören?