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Weihnachtsgeschichten 2018 Meister Jonas Heilige Nacht
Weihnachten Weihnachtsgeschichten Weihnachtsgeschichten 2018 Meister Jonas Heilige Nacht
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00:01 24.12.2018

Seine Einsiedelei ablegend, das Dorf seiner Kindheit hinter sich lassend, Abschied zu nehmen von den Gräbern der Eltern, so führte ihn sein Weg in die Große Stadt, dort an die Kieler Förde. Er suchte den Erfolg, alt genug, suchte er ein wohlfeiles Leben, wollte im Gespräch sein, im Munde aller. Sah sich bereits als Hoflieferant am herzoglichen Schloss, sah sogar schon seinen Warenstand im fernen Leipzig, auf der Messe. 

Schnell fand er als Meister der Glasbläserkunst Arbeit. Seine Einmachgläser und Vasen, seine bunt verzierten Trinkgläser waren bei den Bürgern der Stadt sehr begehrt. Reiche Bürgersleute fragten ständig nach raffinierteren Formen, nach neuen Farben. Er hatte Einfälle, somit Arbeit und Einkommen. Selbst im Schloss fand er Kundschaft. 

Und wenn die Kinder der Gasse ihn in seiner Werkstatt besuchen durften, schenkte er ihnen bunte Glasstücke, manchmal auch Murmeln. Dann schaute Jonas - heimlich - durch das rußige Fenster hinaus, schaute den Kindern beim Spielen zu und freute sich über ihr Lachen und Jauchzen, dann wenn sie die Murmeln miteinander verglichen, wer wohl die Schönste hat. 

Aber hinter der rußigen Scheibe zeigte sich das Lachen vielmehr als Lächeln, denn die große Stadt an der Förde machte ihn nicht wirklich glücklich. Im Herzen sah es anders aus, war er doch - allein. Wieder einmal allein im Advent. 

Meister Jonas, wirklich in Stand und Zunft angesehen, Herr über eine Manufaktur mit vier Gesellen, einem Laden in der Faulstraße, mitten unter den Menschen des Tages, jedoch am Abend, wenn die Gesellen am Herd saßen, ihre Brotsuppe vergnügt aßen, schon bald beim Branntwein mit der Magd zu lachen, zu scherzen begannen, da saß Meister Jonas still oben in seiner guten Stube bei einem Glas Wein, lauschte sinnend nach unten, erkannte: auch die Vielfalt der Stadt, die vielen Menschen, die Gespräche, das Experimentieren am Ofen, die Anerkennung des Erfolges, die jährliche weite Reise nach Hamburg zum Großen Markt, all das war nicht wirklich glücklich zu nennen. War nicht wirklich das Leben. 

Seine Eltern waren gestorben, gleich als er von seiner böhmischer Wanderschaft zurückgekommen war, ins Herzogtum Schleswig und Holstein, welches nun dänisch, kurz nachdem er seine Meisterkugel erdacht und erschuf. Meister Jonas war trotz seines Erfolges allein. 

Als der Heilige Abend nahte, sah man Meister Jonas durch die verwinkelten Gassen der Holstenstadt Tom Kyle gehen. Man sah ihn auch heimlich nach den Fensterläden der Bürgerhäuser schauen, träumend, selbst im Kreise einer Familie zu sein, bunte Meisterkugeln an den Weihnachtsbaum zu hängen, nach Bratapfel und Honigkuchen zu schnuppern, den Kindern beim Murmeln in der Stube zuzusehen, und sah sich, seiner Verkäuferin Johanna Sophie endlich um die Hand anzuhalten. Selbst wenn die Leute auf den Gassen darüber reden würden, weil sein und ihr Stand nicht beisammen gehörten. 

Es hatte zu schneien begonnen. Heiliger Abend. Die Glocke von St. Nikolai rief zur Mette. Weit tönten sie über die Holstenstadt Tom Kyle. Herausgeputzte Leute aller Stände versammelten sich. In der gotischen Halle brannten mehr Kerzen als sonst, auch roch es nach kostbaren Weihrauch. Die Orgel tönte auf. Jonas träumte, beobachtete die Familien, die Kinder, die Großeltern und die jungen Paare.  Mit Christus Geburt, die wir heute feiern, so der Pastor vom Rand der Kanzel, mit Christus Geburt feiern wir den Beginn unseres neuen Lebens. Doch was wird es uns bringen? Einen intellektuell faulen US-Präsidenten und einen neuen Krieg? Steigende Preise für Strom und Diesel, Spekulanten, die hemmungslos nach Profit gieren, so den Sozialstaat einreißen, die Schere zwischen arm und reich weiten? Frühlingssonne im Herbst, Flamingos an unserer Förde? Ein dunkles Land der ewig Gestrigen? Das Entzweien der Menschen, weil sie lieber in Netzwerken übereinander reden, als miteinander zu sprechen?”  Jonas, der in frühen Jahren durch ein kleines Wunder die Tiere im Wald verstehen gelernt hatte, lauschte dem Pastor und lauschte in sich hinein: Gibt es etwas Höheres, als die eigenen Studien, das verbissene Werken während des Jahres? Immerzu recht zu behalten? Etwas, was selbst an Wichtigkeit die Dinge im Kosmos klein erscheinen ließe? Etwas, was selbst antreibt den Mond und die Sterne?  Ja, die Liebe, so der Pastor weiter, und das Vertrauen ohne Falsch. Einen neben sich zu wissen, der zuhören und gleichzeitig mitreden kann ... 

Doch da saß Jonas wieder in seiner guten Stube. Und die war verlassen, war kalt, so wie sie auch schön war.  Stille Nacht, heilige Nacht. 

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