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Weihnachtsgeschichten 2019 Das Christkind von der Waterkant
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Die Mutter der Kinder war geschäftig in der Küche, galt es doch noch vieles vorzubereiten. Himmlische Gerüche stiegen dem kleinen Jungen in die Nase. Am Morgen hatte es nur ein kleines Frühstück gegeben, um sich den Appetit für das Weihnachtsessen nicht zu verderben. Bald würde der Weihnachtsbaum eintreffen, der auch noch geschmückt werden sollte. Der kleine Junge hatte viele Ketten und Sterne aus Glanzpapier gebastelt, mit denen er den Baum verzieren wollte. Der Vater des Jungen sollte jeden Augenblick zurückkehren und auch den Weihnachtsbaum bringen. Er war heute am frühen Morgen zur Borkumer Reede hinausgefahren und mit dem „Sea King“, dem Seenotrettungshubschrauber nach Helgoland geflogen, um dort den Vormittag über in Bereitschaft zu stehen. Normalerweise teilen sich der Westerländer und der Borkumer Hubschrauber das Einsatzgebiet in der Nordsee. Nun war die Westerländer Maschine wegen Radarausfall nicht mehr einsatzbereit und sollte durch eine Funktionsfähige aus dem Marinegeschwader Kiel-Holtenau ersetzt werden. Solange dies nicht geschehen war, stand die Borkumer Maschine auf Helgoland, um das gesamte Gebiet der deutschen Bucht abzudecken. Die Wetterprognose war günstig, so sollte alles zügig vonstatten gehen, und der Vater wollte um die Mittagszeit zu Hause eintreffen. Es war bereits 13 Uhr und kein Papa in Sicht. Der kleine Junge starrte in den Himmel hinaus, in der Hoffnung den Hubschrauber zu erspähen, denn auf dem Heimflug flog der Papa immer an dem Häusschen vorbei, und bei guter Sicht konnte er seinen Vater winken sehen. Die Mutter wurde langsam unruhig. Der Weihnachtsbaum stand noch in der Inselgärtnerei, und mittlerweile hatte dichtes Schneetreiben eingesetzt. Sie fasste den Entschluss, den Baum selbst zu holen. Ein Auto stand nicht zur Verfügung, das hatte der Vater beim Flugfeld abgestellt. Also musste ein altes Rennrad als Transportmittel dienen. Die Mutter strampelte auf dem ungeschützten Feldweg gegen das Schneegestöber an. Auf dem Rückweg zerrte sie die 2-Meter- Tanne mit einer Hand hinter sich her, fiel im dichten Flockengewirr auf der Höhe des alten Leuchtturms hin, aber verletzte sich nicht. Zu Hause im Upholm wurde der Baum vom Schnee befreit und in die Stube gestellt. Was für eine herrliche Tanne, und wie sie duftete! Der kleine Junge begann mit der Mutter den Baum zu schmücken, das Baby schlief noch mit friedlichem Gesichtchen in der Wiege, und Katharina umrundete mit unsicheren Schritten den Baum und versuchte auf den Zweigen Wattebällchen zu platzieren. Der Vater war immer noch nicht zurück. Bald würde der erste Stern am Himmel zu sehen sein. Dann sollte das Christkind kommen. Auf Helgoland wird das Wetter schlecht, es hatte gefrierender Nebel eingesetzt, der das Fliegen zu gefährlich macht. Mittlerweile war ein Funkspruch eingetroffen, ein Verletzter mit offenem Beinbruch auf Hallig Hooge. Die Männer müssen noch eine Stunde warten, bis sich der Nebel etwas gelichtet hat und sie den Aufbruch wagen können. Die See ist ruhig, sie trägt die gleiche Farbe wie der Himmel. Mit Hilfe des künstlichen Horizontes behält die Crew bei einer Sicht von nur 300 Metern die Orientierung. Nach 25-minütiger Anspannung setzen sie zur Landung auf. Der Passagier wird von Helfern auf die Bahre des Rettungshubschraubers umgebettet, Piloten und Bewohner der Hallig wünschen sich ein frohes Fest. 30 Minuten später landet der Hubschrauber auf dem Landeplatz des Kreiskrankenhauses in Heide/Dithmarschen. Auf dem Rückflug wird ein Tankstopp beim „Hungrigen Wolf“ in Itzehoe eingelegt, von dort soll es zurück nach Borkum gehen. Die Helikopter-Crew fliegt gerade über die Elbe, Höhe Brunsbüttel, als „SAR 8964“ einen neuen Notruf aus der Einsatzzentrale in Glücksburg erhält, eine schwangere Frau auf Neuwerk muss in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach kurzem Flug landen sie auf einer Wiese neben dem Leuchtturm. Die Sanitätshelfer erwarten sie mit der hochschwangeren Frau und ihrem Mann. Ziel ist das Kreiskrankenhaus in Wilhelmshaven. Gerade ein paar Minuten in der Luft, geht der Flug über die Sände vom großen Knecht. Zwischen Wesermündung und Wilhelmshaven sind die Sichtverhältnisse gleich null. Das Wasser ist flach und birgt keine großen Hindernisse, das Bordradar weist den Weg. Über Mellum setzen Wehen im Abstand von einigen Minuten ein. Die Crew hangelt sich von Mellum Richtung Jadebusen. Die Sicht beträgt nur 200 Meter, eine Landung beim Krankenhaus ist nicht machbar, darauf die Entscheidung des Piloten, dass ein Krankenwagen zum Flugplatz Mariensiel geschickt werden soll. Der Landeanflug erfolgt von See aus, die Maschine schwebt zehn bis 20 Meter über dem Wasser. Die Fruchtblase der werdenden Mutter platzt, nun geht alles ganz schnell, der Bordmechaniker und Rettungssanitäter kümmert sich um die junge Frau, beruhigt sie. Beim Aufsetzen der Räder ist bereits das Köpfchen des Babys zu sehen, noch eine Wehe und das Kind ist da. Der Hubschrauber rollt zum Hallenvorfeld, zur gleichen Zeit trifft der Unfallwagen ein. Die Mutter wird mit dem schreienden Baby auf dem Bauch aus dem Hubschrauber getragen und von den Sanitätern in Empfang genommen. Die Besatzung sitzt in der Baracke der Flugabfertigung und trinkt Tee. Mit ihren Gedanken weilen sie zu Hause bei ihren wartenden Angehörigen. Endlich wird die Wetterprognose besser. Bevor sie nach eineinhalb Stunden aufbrechen, rufen sie im Krankenhaus an, um sich nach der Mutter und „ihrem“ Christkind zu erkundigen. Beiden geht es gut. Der Junge hatte seinen Platz auf der Fensterbank wieder eingenommen und hielt durch die mit Eisreisern und wunderlichen Blumen bemalten Scheiben Ausschau nach seinem Papa. Da hörte er den Hubschrauber und sah die Lichter. Nun war alles gut. Es fehlte nur noch der erste Stern. Heute waren die Sterne nicht zu sehen wie sonst bei Frostwetter. Plötzlich sah er ihn, den ersten Stern. „Er ist da! Er ist da!“, schrie er. Die grauen Hüllen waren zerfetzt, der Stern schien vor seinen Augen zu wachsen, stieg auf, sprühte Licht und strahlte immer heller. Das war der Stern von Bethlehem, der Stern, der den Heiligen Drei Königen den Weg nach Bethlehem gewiesen hatte. Nun begann der Heilige Abend. Nach dem Weihnachtsessen würde das Christkind zu ihnen kommen mit seinen Gaben. Würde der langersehnte rote Roller dabei sein? Der kleine Junge hüpfte von der Fensterbank und klatschte vor lauter Freude in die Hände.

Bald ist es wieder soweit, die wunderschöne Weihnachtszeit!
Doch Weihnachten in diesem Jahr, wird zeitgemäß, ist doch klar!

Wenn das Jahr zur Ruhe kommt und sich langsam dem Ende neigt,
der Kalender immer dünner wird und die letzten Wochen anzeigt,
die Zeitumstellung uns jetzt eine Stunde länger schlafen lässt,
dann beginnt der Countdown auf das schönste christliche Fest.

Flöckchen für Flöckchen wie Zauberglöckchen
Verwandeln sie, wie wunderschön,
Die Welt in ein Märchen aus Pulverschnee.