Viele Menschen horten Holz

Große Nachfrage, teure Preise: „Holzbetrug ist zurzeit die große Masche“

Mit Beginn der Heizsaison bieten Betrüger über sogenannte Fake Shops im Internet vermeintlich günstiges Brennholz, Holzpellets oder auch Kaminöfen an.

Mit Beginn der Heizsaison bieten Betrüger über sogenannte Fake Shops im Internet vermeintlich günstiges Brennholz, Holzpellets oder auch Kaminöfen an.

Stuttgart/Kamen/Sankt Augustin/Bre. Wegen der rasant steigenden Preise für Gas und Öl sowie der drohenden Versorgungsengpässen suchen viele Menschen nach Alternativen für ihre Heizung. Unter anderem deshalb sind derzeit Kaminöfen stark nachgefragt. „Der Verkauf ist im Vergleich zu den Vorjahren etwa um ein Drittel gestiegen“, schätzt Johannes R. Gerstner von der Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft (EFA).

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Manche Modelle sind derzeit gar nicht zu bekommen, für viele Produkte bestehen lange Lieferzeiten. Wer jetzt einen Kaminofen wolle, müsse eventuell einen Kompromiss eingehen, sagt Gerstner. Er rät aber unbedingt dazu, auf Qualität zu achten, und warnt vor dem Kauf von gebrauchten Öfen: „Die sind eventuell nicht mehr zulässig.“

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Kosten werden an Kunden weitergereicht

In Deutschland gibt es insgesamt gut elf Millionen Einzelfeuerstätten. In den vergangenen Jahren seien rund 150.000 Kaminöfen verkauft worden, sagt Guido Eichel vom Verbund der Kachelofenbauer (HAGOS). Dieses Jahr werden es mehr als 200.000 sein. Für teilweise steigende Preise ist aber nicht allein die große Nachfrage verantwortlich. Hinzu kommt, dass die Geräte aus Bauteilen bestehen, die mit hohem Energieaufwand hergestellt werden müssen. Das treffe zum Beispiel auf Schamottsteine oder Gussteile zu, erklärt Eichel: „Die höheren Kosten werden an die Kunden weitergereicht.“

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Bereits zu Corona-Zeiten sei das Interesse an Öfen gestiegen, weil viele Menschen sich verstärkt um ihr Zuhause kümmerten, berichtet der HAGOS-Vorstand. Ein Treiber für die aktuell hohe Nachfrage sei auch, dass Ende 2024 viele Öfen stillgelegt werden müssen, weil sie dann nicht mehr den Anforderungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) Stufe eins genügen. Das betrifft vor allem Öfen der Jahrgänge 1995 bis 2010. Das Typenschild gibt Aufschluss darüber, ob das eigene Gerät betroffen ist oder nicht. Auskünfte erteilen zudem Schornsteinfeger.

Als „Müllverbrennungsanlage“ missbraucht

Theoretisch können alte Öfen auch mit Filtern nachgerüstet werden. Das sei aber sehr aufwendig, sagt Andreas Walburg, Sprecher des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks. Neue Geräte halten auf jeden Fall die vorgeschriebenen Grenzwerte ein. Am besten seien Produkte, die mit einem Blauen Engel ausgezeichnet wurden, sagt Walburg. Aber auch diese emittieren unter anderem umweltbelastende Feinstäube – vor allem dann, wenn sie falsch bedient werden.

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„Holzbetrug ist zurzeit die große Masche.“

Klaus Egly

Bundesverband Brennholz

„Etwa 40 Prozent Einfluss hat der Nutzer, der Rest ist Technologie“, sagt Gerstner. Er kritisiert, dass der Ofen mitunter als „Müllverbrennungsanlage“ missbraucht werde. Verbrannt werden darf aber nur unbehandeltes Holz, das weniger als 25 Prozent Restfeuchte aufweist. Dieser Wert wird nach etwa zwei Jahren erreicht, sofern der Brennstoff trocken und gut belüftet gelagert wurde. Am besten sei die Ökobilanz, wenn das Holz aus regionaler und nachhaltiger Forstwirtschaft stamme, so Walburg: „Ich würde deshalb immer beim Holzhändler vor Ort kaufen.“

Holz ist Mangelware

Das allerdings ist derzeit besonders schwierig, denn die Lager der meisten Anbieter sind leer. „Der Markt ist geschlossen“, betont Klaus Egly, erster Vorsitzender des Bundesverbands Brennholz. Er sieht darin zu dieser Jahreszeit aber nichts Ungewöhnliches. Andererseits hat er beobachtet, dass viele Menschen mehr Brennholz als üblich kauften. „Da kann man durchaus von Horten sprechen“, betont er. Das treffe auch auf Kundinnen und Kunden zu, die damit gar keinen Ofen betreiben. Denn viele Neugeräte wurden laut Egly noch gar nicht angeschlossen.

Dieses Jahr sei vor allem Nadelholz im Angebot gewesen, weil viele Fichten und Tannen wegen Dürreschäden und Käferbefall gefällt werden mussten, erläutert Egly. Dass sich die Preise für Brennholz in den vergangenen Monaten nahezu verdoppelt haben, hat seiner Einschätzung nach vor allem damit zu tun, dass das Preisniveau jahrelang fast gleichgeblieben ist und die Margen für die Händler immer weiter gesunken waren. Jetzt wurden auf einen Schlag die Inflation der vergangenen Jahre und die steigenden Produktionskosten eingepreist.

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Im Internet wird aber noch immer günstiges Brennholz angeboten und eine schnelle Lieferung versprochen. Hinter solchen Angeboten verbürgen sich oft Fake Shops, warnt Egly: „Holzbetrug ist zurzeit die große Masche.“ Viele Betrügerinnen und Betrüger nehmen die Identität von tatsächlichen Unternehmen an, kassieren Geld, liefern aber nicht. Käuferinnen und Käufer sollten sich deshalb immer das Impressum und Internetbewertungen anschauen, rät der Experte. Außerdem sollte zur Sicherheit telefonischer Kontakt aufgenommen werden.

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