Berufe mit Zukunft

Himmel und Pisten fest im Blick: Was macht ein Fluglotse?

Die meisten Fluglotsen arbeiten im Tower, haben dort den Flugverkehr am und um den jeweiligen Flughafen im Blick.

Die meisten Fluglotsen arbeiten im Tower, haben dort den Flugverkehr am und um den jeweiligen Flughafen im Blick.

Berlin. Egal, ob das Ziel Madrid oder die Malediven heißt: Wenn Sven Müller einen Ferienflieger in den Wolken verschwinden sieht, hat sein Fernweh professionell Pause. Und auch wenn sich der 29-Jährige für das Wetter interessiert, hat das nichts mit Urlaubsgefühlen zu tun.

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Müller arbeitet für die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Flughafen Berlin-Brandenburg im Tower. Er kontrolliert und überwacht aus der 72 Meter hohen „Kanzel“ heraus alle Bewegungen auf den Pisten und im angrenzenden Luftraum. Dabei gibt er per Sprechfunk konkrete Anweisungen an die Pilotinnen und Piloten: für Start, Landung, Steig- oder Sinkflug, für Routen, Höhen und Geschwindigkeiten.

Blitzschnell richtig entscheiden

In bestimmten Situationen müssen er und sein Team blitzschnelle Entscheidungen treffen. „Vor allem, wenn es darum geht, Flugzeuge bei Gewitter von den extremen Windbewegungen fernzuhalten“, erzählt er. „Dann wird unter Umständen die Routenführung der betroffenen Flieger angepasst.“

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Auch bei medizinischen Notfällen an Bord muss der Flugverkehr neu geregelt werden: „Hat ein Passagier oder eine Passagierin an Bord zum Beispiel ein akutes Herzproblem, ändern wir als Fluglotsen die Priorität“, erklärt Müller. „Das heißt: Die Maschine wird eher in den Luftraum gelassen und so rasch wie möglich zur Landung freigegeben, um eine schnelle Erstversorgung zu ermöglichen.“

„Der Flugplan bleibt zwar in der Regel gleich, es gibt jedoch immer wieder unvorhersehbare Situationen, die das Arbeiten spannend machen“, sagt der junge Mann, der sich schon als kleiner Junge für die Luftfahrt interessiert hat. Generell könne man sagen: „Der Pilot steuert die Maschine, der Lotse weist ihm den Weg.“

Arbeiten im Schichtbetrieb

Lotsen und Lotsinnen arbeiten entweder in der Kontrollzentrale und überwachen dort den Flugverkehr über Deutschland oder sie sitzen wie Müller im Tower, haben dort den Flugverkehr am und um den jeweiligen Flughafen im Blick. 365 Tage im Jahr im Schichtbetrieb. Allein Müller ist pro Schicht für 100 bis 200 Maschinen zuständig – eine enorme Verantwortung.

Das strenge Auswahlverfahren der DFS in Hamburg, das alle Bewerberinnen und Bewerber durchlaufen müssen, bestehen jedes Jahr nur rund 7 Prozent. Eine Wiederholung ist – außer es hat an den Englischkenntnissen gehapert – nicht möglich.

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Stressresistente Talente gesucht

Es geht um Eignung, nicht um Wissen: Denn für die verantwortungsvolle Arbeit werden besondere Fähigkeiten vorausgesetzt. „Fluglotsen und Fluglotsinnen müssen besonders stressresistent sowie teamfähig sein“, sagt Müller. „Auch gutes räumliches Denken ist wichtig, um aus einem 2-D-Radarbild schnell im Kopf ein 3-D-Bild bauen zu können.“

Mehr als drei Millionen Flüge pro Jahr machen den deutschen Luftraum zu einem der frequentiertesten der Welt. DFS-Sprecher Stefan Jaekel sieht für die nächsten Jahre eine kontinuierliche Zunahme des Luftverkehrs. „Die Technik wird die Fluglotsen und Fluglotsinnen bei ihrer Arbeit unterstützen, damit sie den steigenden Anforderungen gerecht werden. Doch sie wird sie nicht ersetzen können.“

Schließlich gebe es auch in Zukunft zahlreiche nicht planbare Parameter wie Gewitter, die diese Arbeit unentbehrlich macht.

Steckbrief: Fluglotse …

… kontrolliert Rollfeld und Luftraum.

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Ausbildungsdauer: Die dreijährige Ausbildung ist in zwei Blöcke gegliedert: Theorie und Simulatortraining dauern 12 bis 15 Monate, der praktische Teil im Tower oder Center 12 bis 18 Monate.

Ausbildungsform: Schulische Ausbildung an der Flugsicherungsakademie (bundesweit einheitlich geregelt) in Langen bei Frankfurt/Main. Die theoretische Ausbildung übernimmt die Deutsche Flugsicherung. Anschließend praktische Ausbildung (On-the-Job-Training) in den Kontrollzentralen (Center) oder in den Towern an den Flughäfen.

Voraussetzung: Abitur, nicht älter als 24 Jahre bei Bewerbungseingang, Englisch bis zum Abitur (alternativ Zertifikat C1), erfolgreich absolviertes Auswahlverfahren.

Eignung: Sehr gute Englischkenntnisse, räumliches Vorstellungsvermögen, Kurzzeitgedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, Stressresistenz, Teamplayer, präzise Auffassungsgabe und Entscheidungskompetenz.

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