Kolumne „Auf der Couch"

Keine Ausreden! Wie Sie sich mehr Respekt auf der Arbeit verschaffen

Es ist meist keine gute Idee, eigene Fehler zu vertuschen.

Es ist meist keine gute Idee, eigene Fehler zu vertuschen.

Neulich hat mir eine Lektorin berichtet, was sie von Autoren zu hören bekommt, die ihre Buch­manuskripte nicht pünktlich abliefern. Der eine erzählte, seine Festplatte sei kurz vor dem Liefertermin kollabiert. Der andere, sein lauter Nachbar habe ihn ständig gestört.

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Ich weiß nicht, ob all diese Gründe erfunden sind. Aber ich bin sicher, dass all diese Gründe Respekt kosten. Dass wir einen Fehler begehen, einen Termin verfehlen oder bei einer Aufgabe versagen, kann immer passieren. Aber wenn wir das auf die Umstände schieben oder gar auf andere Menschen, verhalten wir uns wie kleine Kinder. Wir ducken uns weg und suchen Ausreden. Wir drücken uns um die Verantwortung. Die wahre Antwort, warum ein Autor sein Manuskript nicht pünktlich liefert: Er hat nicht genug Zeit eingeplant. Er hat nicht konsequent genug sein Pensum erfüllt. Er hat sich über- und die Aufgabe unterschätzt. Und ich bin ganz sicher: Wenn ein Autor das so ausspricht, gewinnt er wesentlich mehr Respekt als mit schlechten Ausreden.

Schwäche bewusst kompensieren

Entwickeln Sie den Mut, im Beruf zu Ihren eigenen Fehlern zu stehen. Sagen Sie, was Sie falsch gemacht haben, übernehmen Sie die Verantwortung. Und sagen Sie zugleich, was Sie daraus lernen. Dass Sie einen Fehler einräumen, macht ihn zwar nicht ungeschehen. Aber Sie können die sachliche Schwäche durch charakterliche Stärke kompensieren. Und eine Lehre, die Sie daraus ziehen, gibt Ihrem Fehler einen Sinn.

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Ich erinnere mich an einen Betriebswirt, der ein wichtiges Dokument zu spät verschickt hatte. Damit war seinem Unternehmen die Chance auf einen lukrativen Auftrag entgangen. Als er zu mir in die Beratung kam, wusste die Chefetage noch nichts von seinem Versäumnis. Nun überlegte er, welche Argumentation ihm seinen Job und sein Ansehen retten könnte. Nach einigem Grübeln fasste er den Plan, mit seiner Überlastung zu argumentieren: „Weil mein direkter Kollege schon seit drei Wochen krank ist, habe ich die doppelte Arbeitsmenge auf dem Tisch. Da kann es immer passieren, dass mal etwas Wichtiges durchrutscht.“

Ausreden sind eine schlechte Idee

Ich hielt ihm einen Spiegel vor: „Was glauben Sie, welche Botschaft damit bei Ihren Vorgesetzten ankommt? Dass Sie Verantwortung übernehmen, den Fehler bedauern und aus ihm lernen? Oder dass Sie den Fehler auf äußere Umstände schieben und sich selbst rausreden?“ Ihm wurde klar, dass er sich mit dieser Rechtfertigung keinen Gefallen getan hätte. Zusammen erarbeiteten wir eine Argumentation, die seine eigene Verantwortung betonte: „Der Termin ist mir durchgerutscht, ich ärgere mich über diesen Fehler selbst am meisten, das hätte mir nicht passieren dürfen. Für künftige Termine habe ich jetzt folgende Absicherung eingebaut  …“ Den Hinweis auf seinen kranken Kollegen ließ er nur noch in einem Nebensatz fallen. Seine Vorgesetzten waren zwar nicht erfreut, aber der oberste Chef bekundete Respekt: „Wenigstens reden Sie nicht um den heißen Brei!“

Interessanterweise bewerten andere Ihren Fehler umso milder, je strenger Sie mit sich selbst sind. Umgekehrt gilt dasselbe. Schon deshalb sind Ausreden eine schlechte Idee. Übernehmen Sie die Verantwortung für Fehler, das bringt Ihnen Respekt ein.

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Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor. Sein aktuelles Buch: „Den Netten beißen die Hunde: Wie Sie sich Respekt verschaffen, Grenzen setzen und den verdienten Erfolg erlangen“.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit. Martin Wehrle ist Karriereberater.

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