Experte für Arbeitsschutz erklärt

Pausen, Trinken, Kleidung: Was bei Hitze im Büro hilft

Zu heiß? Nur weil man die Temperatur am Arbeitsplatz unangenehm findet, darf man nicht einfach nach Hause gehen.

Zu heiß? Nur weil man die Temperatur am Arbeitsplatz unangenehm findet, darf man nicht einfach nach Hause gehen.

Wenn die Temperaturen die 30-Grad-Marke überschreiten, bleiben nicht mehr viele Arbeitsplätze, an denen es sich noch gut aushalten lässt. Manche verbringen ihren Arbeitstag zwar in einem gut klimatisierten Raum. Wer dieses Glück nicht hat, stößt jedoch schnell an seine Grenzen: Die Leistungsfähigkeit nimmt spürbar ab, die Motivation schwindet und im schlimmsten Fall drohen sogar gesundheitliche Probleme.

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„Bei der Hitze hat der Körper etwas anderes zu tun, als motiviert zu sein“, sagt Kersten Bux von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Der Experte für Klima am Arbeitsplatz rät dazu, die Leistungsansprüche etwas herunterzuschrauben.

Extremwetter, Hitze und Gewitter: „Am besten der Sonne gar nicht erst aussetzen“

Welche Tipps gegen übermäßige Hitze helfen und was der Klimawandel eigentlich damit zu tun hat, haben wir im Video zusammengefasst.

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Laut einer BAuA-Studie ist die Leistungsfähigkeit bei höheren Temperaturen nach vier Stunden noch gegeben. Aber man fühle sich weniger frisch und die Leistungsbereitschaft nimmt danach spürbar ab. „Wie leistungsfähig jemand ist, hängt aber von individuellen Bedingungen ab, etwa davon, wie der Raum klimatisiert ist und wie das persönliche Befinden ist“, sagt Bux. Häufig stimmen wahrgenommene und tatsächliche Produktivität auch nicht überein.

Wann wird das Arbeiten bei Hitze gefährlich?

Bei steigenden Temperaturen geht der Puls nach oben, die Schweißproduktion steigt, der Blutdruck sinkt. „Das sind normale physiologische Reaktionen“, sagt Bux. Man sollte aber die Arbeitsintensität reduzieren und möglichst einen kühleren Bereich aufsuchen, wenn Übelkeit, Schwindel und allgemeine Schwäche auftreten. Diese Hitzeerschöpfung könne sogar zu kurzer Ohnmacht führen.

Gefährlich sei das noch nicht, sagt der Arbeitsschutz-Experte. Erst wenn richtige Erkrankungen wie ein Hitzschlag auftreten, bei denen die regulatorischen Körperfunktionen aussetzen, stelle das eine wirkliche Gefährdung für den Körper dar.

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Hitze: Was Arbeitgeber und Beschäftigte tun können

Damit es so weit gar nicht kommt und gesundes und effektives Arbeiten auch bei hohen Temperaturen möglich ist, können Beschäftigte und Arbeitgeber eine ganze Menge tun. Die BAuA empfiehlt diese Maßnahmen:

  • Kleidung anpassen: Auf Jackett und Krawatte verzichten, kurzärmlige Hemden und Blusen, eine leichte Hose oder ein Sommerrock – all das verhindert, dass sich der Körper überhitzt.
  • Leichtes Essen: Statt deftiger Speisen sollte über den Tag verteilt leichte Kost eingenommen werden. Außerdem genügend trinken.
  • Geschlossene Jalousien: Der Sonnenschutz muss rechtzeitig heruntergelassen werden. Jalousien sollten auch nach der Arbeitszeit geschlossen bleiben.
  • Richtig lüften: In den frühen Morgenstunden sollte gelüftet werden, weil sich die Luft an heißen Tagen spätestens ab 10 Uhr deutlich erwärmt. Später hilft dann gelegentliches Stoßlüften von fünf bis zehn Minuten.
  • Frischer Wind: Ventilatoren einsetzen.
  • Elektrogeräte abschalten: Wärmequellen, wie nicht benötigte Geräte im Büro, sollten abgeschaltet werden. Das gilt auch für die Beleuchtung.
Hitzehacks für den Sommer

An einigen Sommertagen klettert das Thermometer gerne mal über 30 Grad. Hier ein paar praktische Tipps, um sich abzukühlen.

Trinken ist sehr wichtig

Darüber hinaus rät BAuA-Experte Bux dazu, mehr Pausen einzulegen. Schon wenige Minuten würden helfen. „Regelmäßige Entwärmungsphasen sind wichtig, um frische Luft zu bekommen, die Durchblutung zu fördern und vor allem, um etwas zu trinken“, sagt er. Der Körper verliere durch Schwitzen viel Flüssigkeit, deshalb könne man die Bedeutung des Trinkens gar nicht genug betonen. „Arbeitnehmer fühlen sich oft auch deshalb schlapp, weil sie nicht genug trinken.“

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Auf sehr kalte Getränke sollte zwar verzichtet werden. Doch wenn die Getränke so warm sind, dass man nur widerwillig etwas trinke, sei das auch nicht hilfreich. Wichtig sei, dass es schmeckt. Getränke wie Mineralwasser und Saftschorlen seien am besten geeignet, um die körpereigene Wärmeregulation zu unterstützen. Arbeitgeber sind inzwischen verpflichtet, an heißen Tagen Trinkwasser bereitzustellen.

Weniger produktiv bei Hitze

Bux rät außerdem, die Morgenstunden zum Arbeiten zu nutzen. Richtig warm werde es nicht in der Mittagszeit, sondern nachmittags ab 15 Uhr. „Wenn ich mittags oder nachmittags schon nach Hause gehen kann, habe ich viel gewonnen“, sagt Bux. Dass es trotzdem praktisch unmöglich ist, an heißen Tagen die Arbeitsproduktivität und Motivation über Stunden aufrechtzuerhalten, zeigen verschiedene Studien und Umfragen.

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Die Personalberatung Korn Ferry hat in einer Untersuchung mehr als 1000 Arbeitnehmende befragt. Das Ergebnis: Fast die Hälfte (46 Prozent) gab an, dass ihre eigene Produktivität im Sommer sinke. Vier von fünf Befragten glauben außerdem, dass ihre Kolleginnen und Kollegen bei Hitze weniger produktiv seien.

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Arbeitgeber und Beschäftigte sollten an Hitzetagen also keine Höchstleistungen erwarten. Die Sommerhitze bietet vielleicht sogar eine gute Gelegenheit, um den eigenen Arbeitsrhythmus zu hinterfragen und neue Pausenroutinen zu entwickeln. Das hilft dann auch langfristig, wenn die Tage wieder kühler werden.

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