Tinder und Co. sollen Nutzerdaten systematisch weitergegeben haben

Auch Tinder ist ins Visier von Datenschützern geraten.

Auch Tinder ist ins Visier von Datenschützern geraten.

„Out of Control“ – Außer Kontrolle – heißt der Bericht, den der norwegische Verbraucherrat Forbrukerrådet nun vorgelegt hat. Wie Netzpolitik.org berichtet, führen die Verbraucherschützer darin zahlreiche Hinweise auf Verstöße gegen das europäische Datenschutzrecht auf. Denn mithilfe von Tinder und Co. wurden offenbar massenweise personenbezogene und oft intime Daten über die Nutzer gesammelt. Die Informationen seien an Werbepartner und Drittanbieter weitergegeben worden.

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Die beliebte Datingplattform Tinder steht in dem Bericht vergleichsweise gut da. Die Geschäftsbedingungen erfüllen nicht die Anforderungen des Datenschutzes, heißt es. So sei für Nutzer nicht ersichtlich, welcher Nutzung ihrer Daten sie zustimmen. Auch detaillierte Einstellungen dazu könnten nicht vorgenommen werden. Zudem würden Daten in großem Stil mit anderen Portalen der Match Group, die hinter Tinder steht, geteilt, bemängeln die Norweger.

Grindr und Zyklus-Tracker im Visier

Andere Apps kommen allerdings deutlich schlechter weg: Grindr, eine bei Homosexuellen und Transpersonen beliebte Anwendung, gibt offenbar Daten an einen Drittanbieter weiter – von dem wiederum Werbeanbieter Informationen über Nutzer bekommen können. Dem hätten Nutzer zwar zugestimmt – doch die Struktur des Drittanbieters mache es eigentlich unmöglich, diese Zustimmung auf informierter Basis zu erteilen.

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Denn unter dem Strich könne kein Grindr-Nutzer einschätzen, wo seine Daten schlussendlich landen. In der Vergangenheit hatte Grindr unter anderem für Kritik gesorgt, weil Informationen über den HIV-Status von Nutzern bei Werbepartnern gelandet waren.

Sehr kritisch sehen die Verbraucherschützer auch den Zyklus-Tracker MyDays. Dort würden mit GPS ermittelte Ortsangaben der Nutzerinnen mit einer ganzen Reihe von Drittparteien geteilt werden, die mit verhaltensbasierter Werbung und Profiling ihr Geld verdienen.

Auch OkCupid steht in der Kritik

Die Dating-App OkCupid hingegen teile hochpersönliche Daten über Sexualität, Drogenkonsum, politische Ansichten und mehr mit dem Analytikunternehmen Braze, berichtet Netzpolitik.org.

Der norwegische Verbraucherrat will nun juristisch gegen die Datensammelwut vorgehen. Geplant sind unter anderem Beschwerden wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

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Ist das Geschäftsmodell das Problem?

Zugleich betonen die Datenschützer, dass im Kern die datengesteuerten Geschäftsmodelle das Problem seien. Bei kostenlosen Anwendungen verdienen die Anbieter vor allem Geld, indem sie Informationen über Nutzer an Werbepartner verkaufen.

Die so anfallenden Datenmengen können aber genutzt werden, um detaillierte Profile von Einzelpersonen anzulegen – einschließlich Hinweisen auf die sexuelle Orientierung oder die politische Gesinnung.

Für den Bericht hatte sich der norwegische Verbraucherrat mit der Sicherheitsfirma Mnemonic, dem Tracking-Experten Wolfie Christl von Cracked Labs sowie dem Datenschützer Max Schrems und seiner NGO noyb zusammengetan.


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